• GGL und Glücksspiel: Die Behörde zieht nach fünf Jahren Bilanz.
• 6.300 Websites wurden auf illegales Glücksspiel geprüft.
• 77 Prozent des Online-Marktes entfallen auf regulierte Angebote.
Fünf Jahre nach ihrer Errichtung zieht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) eine erste Bilanz ihrer Arbeit. Die Behörde sieht sich inzwischen als bundesweit etablierte Fachaufsicht für den Online-Glücksspielmarkt. Rund 100 Beschäftigte überwachen mittlerweile den legalen Markt, kontrollieren Spielerschutzvorgaben und gehen gegen unerlaubte Angebote vor.
Die GGL wurde im Zuge des Glücksspielstaatsvertrags 2021 geschaffen, um wesentliche Bereiche der Glücksspielaufsicht der 16 Bundesländer zu bündeln. Nach Einschätzung der Behörde hat sich dadurch eine einheitliche Aufsicht über einen Markt entwickelt, dessen Anbieter international tätig sind und dessen technische Geschäftsmodelle sich schnell verändern.
Aktuell verfügen 129 Veranstalter und Vermittler über eine Erlaubnis der GGL. Auf der amtlichen Whitelist stehen insgesamt 229 erlaubte Glücksspielseiten. Allein im Jahr 2025 führte die Behörde mehr als 600 Aufsichtsvorgänge bei erlaubten Anbietern durch, unter anderem zu Spielerschutz, Werbung und der konkreten Gestaltung der Angebote.
GGL-Vorstand Ronald Benter betont:
„Vor fünf Jahren gab es einen politischen Auftrag. Heute gibt es eine arbeitsfähige, deutschlandweit tätige Fachbehörde.“
Die GGL habe Personal, Strukturen, Fachwissen und technische Möglichkeiten aufgebaut, um einen digital geprägten und international ausgerichteten Markt zu beaufsichtigen. 2025 führte die Behörde mehr als 600 Aufsichtsvorgänge bei legalen Anbietern durch. Dabei ging es unter anderem um Spielerschutz, Werbung und die konkrete Ausgestaltung von Glücksspielangeboten. Bei schweren oder wiederholten Verstößen kann die GGL öffentliche Abmahnungen aussprechen oder Erlaubnisse widerrufen. Bislang wurden zwei Erlaubnisse widerrufen.
Vorgehen gegen den Glücksspiel-Schwarzmarkt ausgeweitet
Parallel zur Aufsicht über den legalen Markt hat die GGL ihren Vollzug gegen illegales Glücksspiel deutlich ausgebaut. Besonders sichtbar ist das bei den Untersagungsverfahren: Ihre Zahl stieg von 68 im Jahr 2022 auf 287 im Jahr 2025. Damit hat sie sich innerhalb von drei Jahren mehr als vervierfacht.
Bis Ende 2025 überprüfte die Behörde rund 6.300 Websites auf illegale Glücksspielangebote oder entsprechende Werbung. Dabei beschränkt sich das Vorgehen nicht mehr nur auf die Anbieter selbst. Auch Zahlungsdienstleister, Werbepartner, Affiliate-Netzwerke und Hosting-Unternehmen werden zunehmend in die Maßnahmen einbezogen.
Nach Angaben der GGL waren 2025 insgesamt 1.843 illegale Websites aufgrund von Untersagungen oder Netzsperren aus Deutschland nicht mehr erreichbar. Weitere 178 Websites wurden durch Maßnahmen gegenüber Zahlungsdienstleistern vom Zugang zu etablierten Zahlungswegen abgeschnitten. Zum Jahresende hatten außerdem 254 illegale Anbieter ihr Angebot für den deutschen Markt eingestellt.
Ronald Benter erklärt:
„Wir messen den Erfolg unserer Arbeit nicht allein daran, wie viele Verfahren wir führen oder wie viele Bescheide wir erlassen. Entscheidend ist die Wirkung.“
Nach Darstellung der GGL sollen die Maßnahmen die Funktionsfähigkeit illegaler Geschäftsmodelle beeinträchtigen und deren Betrieb langfristig verteuern. Ein weiterer Schwerpunkt sei die digitale Sichtbarkeit illegaler Anbieter. Seit September 2024 dürfen in Deutschland über Google Ads nur noch erlaubte Glücksspielanbieter werben. Die GGL wertet dies als weiteren Schritt, um die Reichweite nicht lizenzierter Angebote einzuschränken.
77 Prozent des Online-Marktes reguliert
Auch die technische Überwachung wurde in den vergangenen fünf Jahren ausgebaut. Eine zentrale Rolle spielt dabei LUGAS, das länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem. Ende 2025 waren darin 5,3 Millionen registrierte Spielende in den Zentraldateien erfasst. Die Behörde kann zudem auf zunehmend umfangreiche Daten aus den sogenannten Safe-Servern zurückgreifen.
Bei der sogenannten Kanalisierung fällt die Bilanz der GGL differenziert aus. Nach der aktuellen wissenschaftlichen Studie entfallen rund 77 Prozent des deutschen Online-Glücksspielmarktes auf regulierte Angebote. Damit findet der überwiegende Teil des Online-Glücksspiels innerhalb des erlaubten Marktes statt. Gleichzeitig liegen aber rund 23 Prozent außerhalb der Regulierung.
Die aktuelle wissenschaftliche Kanalisierungsstudie der GGL weist für den deutschen Online-Glücksspielmarkt einen regulierten Anteil von rund 77 Prozent aus. Rund 23 Prozent entfallen demnach auf unerlaubte und damit nicht regulierte Angebote. Die GGL bewertet die Kanalisierung als wichtigen Indikator für die Entwicklung des Marktes. Gleichzeitig bleibt die weitere Zurückdrängung illegaler Anbieter eine zentrale Aufgabe der Behörde. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2024.
Die GGL sieht sich damit zugleich mit einer neuen regulatorischen Herausforderung konfrontiert. Geschäftsmodelle, technische Strukturen und Formen illegalen Glücksspiels können sich innerhalb weniger Monate verändern, während Änderungen des staatsvertraglichen Rechtsrahmens häufig deutlich länger benötigen.
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 wird derzeit evaluiert. Die GGL möchte diesen Prozess nach eigener Darstellung nicht nur zur Überprüfung bestehender Regelungen nutzen, sondern auch für eine Diskussion darüber, wie die Aufsicht schneller auf neue Entwicklungen reagieren kann.
Für die kommenden Jahre fordert die Behörde deshalb mehr fachlichen Handlungsspielraum innerhalb des gesetzlichen Rahmens. Ziel sei eine Aufsicht, die stärker datenbasiert arbeitet und schneller auf Veränderungen im digitalen Glücksspielmarkt reagieren kann. Gleichzeitig soll der Spielerschutz im legalen Markt gewährleistet und der illegale Bereich weiter zurückgedrängt werden.

