StartRecht & BusinessIllegales Glücksspiel boomt in Europa: Schwarzmarkt seit 2019 verdreifacht

Illegales Glücksspiel boomt in Europa: Schwarzmarkt seit 2019 verdreifacht

• Glücksspiel-Schwarzmarkt in Europa hat sich seit 2019 verdreifacht.
• 2025 lag der illegale Online-Markt bei rund 12 Milliarden Euro.
• Strenge Regeln, Steuern und Produktverbote treiben die Entwicklung.


Der illegale Online-Glücksspielmarkt in Europa hat eine neue Größenordnung erreicht. Eine von Euromat in Auftrag gegebene Untersuchung von Regulus Partners und Helios kommt zu dem Ergebnis, dass der Schwarzmarkt 2025 rund 12 Milliarden Euro Nettoumsatz erreicht hat. Damit hat sich sein Wert seit 2019 verdreifacht und entspricht inzwischen etwa 25 Prozent des gesamten europäischen Online-Glücksspielmarktes.

Noch deutlicher wird die Dynamik beim Blick auf die Wachstumsrate. Zwischen 2019 und 2026 soll der europäische Schwarzmarkt eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 18 Prozent erreicht haben. Für Ende 2026 rechnen die Studienautoren mit einem Volumen von bis zu 13 Milliarden Euro. Untersucht wurden dabei 28 europäische Märkte, darunter Deutschland, Großbritannien und die Niederlande.

Deutschland gehört zu den 28 untersuchten Märkten. Die Studie nennt das Land ausdrücklich als Beispiel für einen Markt, in dem Produktverbote, Steuerbelastungen und starke Werbebeschränkungen die Entwicklung des Schwarzmarkts beeinflussen. Eine separate Untersuchung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) kam 2026 auf einen Anteil unerlaubter Online-Angebote von 22,97 Prozent und eine Kanalisierungsquote von 77,03 Prozent. Diese Werte stammen nicht aus der Euromat-Studie und sind daher nicht direkt vergleichbar.

Die Untersuchung basiert auf mehr als 1.000 Stunden forensischer Analyse. Regulus Partners und Helios werteten unter anderem Web-Traffic, digitales Marketing, makroökonomische Daten und regulatorische Entwicklungen aus. Das Ergebnis: Der illegale Markt ist inzwischen in allen untersuchten Ländern präsent, wobei sein Anteil in einzelnen Märkten bis zu 80 Prozent des Online-Glücksspiels erreichen kann.

Restriktive Regulierung als Wachstumstreiber

Nach Einschätzung der Autoren entsteht der Schwarzmarkt nicht allein durch illegale Anbieter, sondern auch durch Rahmenbedingungen der regulierten Märkte. In bis zu 46 Prozent der untersuchten Märkte gelten demnach erhebliche Werbebeschränkungen. Weitere Faktoren sind eine Belastung der Verbraucher durch Steuern in 29 Prozent der Märkte sowie verbotene Glücksspielprodukte in 14 Prozent. In fünf Märkten werden zudem Monopole als Grund für eine eingeschränkte Auswahl genannt.

Besonders problematisch sei dabei, dass Spieler nicht zwingend nur wegen eines einzelnen Produkts den Anbieter wechseln. Wer auf einem illegalen Portal eine größere Auswahl, attraktivere Boni oder weniger Einschränkungen findet, könne auch andere Glücksspielausgaben dorthin verlagern. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von einem breiteren „Recycling“ der Ausgaben über verschiedene Glücksspielbereiche hinweg.

Jason Frost, Präsident von Euromat, erklärt:

„Der illegale Schwarzmarkt ist ein großes Problem für alle, die die Bedeutung einer fortschrittlichen und fair regulierten Freizeit- und Unterhaltungswirtschaft erkennen. Organisierte kriminelle Gruppen betrachten illegales Glücksspiel als Geldquelle, deren Gewinne ihnen sofort verfügbare Liquidität für andere risikoreiche und hochprofitable kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel, Menschenhandel und Waffenschmuggel verschaffen.“

Ein weiterer auffälliger Punkt sei die Konzentration des Geschäfts. Die 25 führenden Marken sollen rund 64 Prozent des relevanten Schwarzmarkt-Traffics auf sich vereinen. Die größte Gruppe von Websites mit gemeinsamem Eigentümer kommt auf 12 Prozent des Traffics, während die größte einzelne Marke bereits 10 Prozent erreicht. Kryptowährungen spielen laut Studie beim Aufbau dieser großen Anbieter eine wichtige Rolle.

Zahlungssperren und IP-Blocking als Gegenmittel

Die Bekämpfung illegaler Anbieter setzt deshalb an mehreren Stellen an. Neben klassischen Maßnahmen gegen Betreiber und Werbung können Behörden versuchen, den Zugang zu nicht lizenzierten Websites über IP-Blocking einzuschränken oder Zahlungsdienstleister daran zu hindern, Transaktionen zu illegalen Glücksspielangeboten abzuwickeln.

Solche Instrumente können den Zugang erschweren, lösen das Problem aber nicht vollständig, weil Anbieter auf neue Domains, alternative Zahlungswege oder technische Umgehungen ausweichen können.

Beim Payment-Blocking werden Zahlungsdienstleister daran gehindert, Transaktionen zu nicht erlaubten Anbietern abzuwickeln. IP-Blocking kann den direkten Zugriff auf bestimmte Websites erschweren. Beide Maßnahmen müssen jedoch regelmäßig angepasst werden, weil Betreiber Domains wechseln oder alternative Zahlungswege nutzen können. Besonders wichtig bleibt deshalb eine Kombination aus technischer Sperrung, konsequenter Rechtsdurchsetzung und attraktiven legalen Angeboten.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Großbritannien. Dort könnte der illegale Markt laut Studie auf bis zu 1 Milliarde Euro anwachsen. Hintergrund ist unter anderem die Erhöhung der Remote Gaming Duty von 21 auf 40 Prozent im April. Bereits im Vorjahr hatte eine YouGov-Befragung gezeigt, dass zwei Drittel der befragten Wettkunden eine stärkere Hinwendung zu nicht lizenzierten Anbietern erwarteten, wenn die Steuererhöhung umgesetzt wird.

Gleichzeitig verfügt Großbritannien weiterhin über ein außergewöhnlich großes legales Angebot. Laut Studie gibt es dort bis zu 1.491 lizenzierte Websites, was bislang zu einer hohen Kanalisierung beigetragen hat. Die Autoren warnen jedoch, dass zusätzliche Kosten und Einschränkungen diese Position schwächen könnten.

Eine weitere Besonderheit des Schwarzmarktes ist seine starke Konzentration auf besonders aktive Spieler. Das oberste 1 Prozent der Kunden soll fast 50 Prozent der europäischen Schwarzmarktumsätze generieren. Damit konzentriert sich ein erheblicher Teil der illegalen Einnahmen auf eine relativ kleine Gruppe besonders intensiver Glücksspieler.

Filip Jelavić, Projektleiter von Helios, erklärt:

„Verbraucherschutzmaßnahmen sind entscheidend, werden aber kontraproduktiv, wenn sie dazu führen, dass Spieler auf den Schwarzmarkt wechseln. Gerade engagierte und wertvolle Kunden, die gezielt nach Schwarzmarktangeboten suchen, sind häufig besonders anfällig für Schäden oder Ausbeutung.“

Die Studie liefert damit ein ambivalentes Bild der europäischen Regulierung. Einerseits sollen strengere Regeln Spieler schützen und illegale Aktivitäten zurückdrängen. Andererseits kann eine Kombination aus eingeschränkter Produktauswahl, hohen Steuern und Werbeverboten laut den Autoren dazu führen, dass ein Teil der Nachfrage in unregulierte Angebote abwandert. Mit einem erwarteten Volumen von bis zu 13 Milliarden Euro im Jahr 2026 dürfte der europäische Glücksspiel-Schwarzmarkt deshalb auch für Regulierungsbehörden ein zunehmend bedeutendes Thema bleiben.

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