StartRecht & BusinessNiederlande: Illegale Online-Casinos zielen bei Meta auf Problemspieler

Niederlande: Illegale Online-Casinos zielen bei Meta auf Problemspieler

• Illegale Online-Casinos sprechen auf Meta-Plattformen gezielt gesperrte Spieler an.
• Im Fokus stehen rund 100.000 Menschen im niederländischen Cruks-Register.
• Meta entfernte nach einer Anfrage zahlreiche Anzeigen und sperrte Facebook-Konten.


Illegale Online-Casinos haben in den Niederlanden offenbar eine besonders schutzbedürftige Zielgruppe ins Visier genommen: Menschen, die sich wegen problematischen Spielverhaltens vom Glücksspiel ausgeschlossen haben. Recherchen des niederländischen Radiosenders BNR zeigen, dass auf Facebook und Instagram Anzeigen ausgespielt wurden, die ausdrücklich Personen im niederländischen Sperrregister Cruks ansprechen. Die Plattformen gehören zum Meta-Konzern.

Anfang 2026 waren etwa 100.000 Menschen in Cruks registriert. Wer dort eingetragen ist, darf mindestens sechs Monate lang nicht an legalen Glücksspielen in den Niederlanden teilnehmen. Das Register soll damit gerade in Situationen schützen, in denen Menschen ihr eigenes Spielverhalten nicht mehr ausreichend kontrollieren können.

BNR identifizierte nach eigenen Angaben Hunderte illegale Glücksspielanzeigen auf den Meta-Plattformen. Die untersuchten Werbungen stammten aus dem Zeitraum Ende 2025 bis zur ersten Hälfte des Jahres 2026. Besonders brisant: Die Anzeigen richteten sich nicht allgemein an Glücksspielinteressierte, sondern an Menschen, die aufgrund ihrer Spielsucht oder eines problematischen Spielverhaltens im Centraal Register Uitsluiting Kansspelen (Cruks) erfasst sind.

„Ohne Cruks“ wird zum Werbeversprechen

Besonders problematisch ist die Botschaft der untersuchten Anzeigen. Sie stellen Cruks nicht als Schutzinstrument dar, sondern präsentieren die Sperre als Hindernis, das sich umgehen lässt. In einem von BNR dokumentierten, KI-generierten Werbespot fragt eine künstlich erzeugte Frau sinngemäß, ob der Betroffene bei Cruks registriert sei und deshalb nirgendwo mehr spielen könne. Anschließend wird auf internationale Casinos verwiesen, die das niederländische Register angeblich nicht kontrollieren.

Eine weitere KI-generierte Figur behauptete, die niederländische Regierung strebe eine vollständige Kontrolle des Spielverhaltens an. Die Anzeigen führten anschließend zu einer Internetseite, auf der die vermeintlich besten Casinos „ohne Cruks“ vorgestellt wurden. Bei den dort beworbenen Anbietern handelte es sich laut BNR um Online-Casinos ohne niederländische Glücksspiellizenz und damit um illegale Angebote für den niederländischen Markt.

Gea-marit Dekker vom Expertisezentrum Glücksspiel des Trimbos-Instituts erklärt:

„Sie sind gefährdete Menschen. Sie sind in Cruks registriert, um sich selbst oder andere zu schützen. Auf diese Weise könnten sie impulsiv oder aufgrund ihrer Sucht oder ihrer Probleme wieder mit dem Glücksspiel beginnen.“

Für Suchtexperten liegt darin der entscheidende Unterschied zu gewöhnlicher illegaler Glücksspielwerbung. Die Anbieter sprechen nicht nur potenzielle Kunden an, sondern versuchen offenbar, eine bereits bestehende Schutzmaßnahme gezielt zu umgehen.

Die Werbungen waren dabei offenbar nicht besonders gut versteckt. BNR konnte entsprechende Anzeigen bereits über einfache Suchbegriffe wie „CRUKS“ in der Werbebibliothek von Meta finden. Teilweise wurden sie über Facebook-Konten mit Namen wie „Zonder Cruks“ und „Betrouwbare Spelsites“ verbreitet – also „Ohne Cruks“ beziehungsweise „Zuverlässige Spielseiten“.

Meta reagiert erst nach Medienanfrage

Nachdem BNR Meta mit den Ergebnissen der Recherche konfrontiert hatte, veränderte sich die Situation. Die verlinkte Internetseite listet seit August 2026 nicht mehr die zuvor beworbenen illegalen Online-Casinos auf. Stattdessen werden dort inzwischen digitale Spielautomaten angeboten, bei denen weder Geld gewonnen noch verloren werden kann.

Auch Meta selbst entfernte zahlreiche der von BNR gefundenen Anzeigen aus seiner Werbebibliothek. Die Facebook-Konten „Zonder Cruks“ und „Betrouwbare Spelsites“ wurden nach Angaben des Unternehmens gesperrt. Meta erklärte gegenüber BNR, man nehme die Durchsetzung seiner Regeln ernst und Werbung müsse den geltenden Gesetzen und Vorschriften entsprechen.

Auch Judith Noijen vom niederländischen Suchthilfezentrum Jellinek warnt vor den Folgen derartiger Werbung. Sie weist darauf hin, dass Stress, Einsamkeit oder andere belastende Lebenssituationen die Selbstkontrolle schwächen können. Genau in solchen Momenten könnten Betroffene nach Möglichkeiten suchen, wieder zu spielen. Werbung, die ausdrücklich mit einer Umgehung von Cruks wirbt, könne diese Schwachstellen ausnutzen.

Der Fall fügt sich in eine breitere Debatte über die Kontrolle von Glücksspielwerbung in den Niederlanden ein. Der Staat hat die Regeln zuletzt mehrfach verschärft und arbeitet an einem nahezu vollständigen Verbot von Online-Glücksspielwerbung. Gleichzeitig zeigt die Recherche, dass illegale Anbieter weiterhin versuchen, über internationale Plattformen und digitale Werbung niederländische Kunden zu erreichen.

Für Meta stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Reicht die nachträgliche Entfernung einzelner Anzeigen aus, wenn illegale Glücksspielanbieter ihre Werbung gezielt auf Menschen mit dokumentiertem problematischem Spielverhalten ausrichten können? Die aktuellen Erkenntnisse legen nahe, dass nicht nur die Inhalte der Werbung, sondern auch deren Zielgruppensteuerung stärker kontrolliert werden muss. Gerade bei Menschen, die sich bewusst für eine Spielsperre entschieden haben, kann eine solche Werbung die Schutzwirkung des regulierten Glücksspielsystems unmittelbar unterlaufen.

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