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Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen Kambodscha-Casinos

• Amnesty kritisiert Kambodscha-Casinos wegen möglicher schwerer Menschenrechtsverletzungen.
• Laut Studie stehen 12 lizenzierte Casinos in direkter Verbindung zu sogenannten Scam-Compounds.
• Amnesty sieht darin nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern ein mögliches Staatsversagen.


Amnesty hat deutliche Kritik an einigen lizenzierten Kambodscha-Casinos geübt. Dabei geht es der Organisation nicht um Regulierungsfragen, Steuern oder Marktstruktur, sondern um deutlich härtere Vorwürfe in Bezug auf Zwangsarbeit, Menschenhandel, Kinderausbeutung und Folter. In einer neuen Untersuchung wirft die Menschenrechtsorganisation den kambodschanischen Behörden vor, Casino-Standorte offiziell anzuerkennen, obwohl genau dort schwere Missstände dokumentiert wurden.

Im Zentrum des Berichts stehen 12 lizenzierte Casinos, die laut Amnesty direkt mit sogenannten Scam-Compounds verbunden sind. Das sind abgeschottete Anlagen, in denen Menschen laut Zeugenaussagen unter Gewalt und Freiheitsentzug zu Online-Betrug gezwungen wurden. Besonders heikel: Die betroffenen Casino-Komplexe wurden von der staatlichen Glücksspielbehörde noch im Dezember 2025 und Januar 2026 offiziell anerkannt – also genau zu dem Zeitpunkt, als die Regierung eigentlich öffentlich gegen diese Strukturen vorgehen wollte.

Amnesty stützt sich dabei auf offizielle Lizenz- und Lagepläne, Satellitenbilder, eigene Ortsbesuche sowie Aussagen von zahlreichen Überlebenden. Bereits in einem früheren Bericht vom Juni 2025 hatte die Organisation 53 Scam-Compounds in Kambodscha identifiziert. Besonders brisant: Fast die Hälfte davon stand laut Amnesty in Verbindung zu einem Casino.

Montse Ferrer, Co-Regionaldirektorin von Amnesty International, stellt fest:

„Diese Untersuchung stellt eine klare Verbindung zwischen Kambodschas lizenzierten Casinos und seinen Scam-Compounds her.“

Die Fälle, die Amnesty beschreibt, sind verstörend konkret. Betroffene berichteten, in Casino-Komplexen über Monate festgehalten worden zu sein. Zwei Überlebende gaben an, in einem Komplex in Poipet eingesperrt, mit Elektroschock-Stäben bedroht und gezwungen worden zu sein, Bankkonten zu eröffnen, die mutmaßlich zur Geldwäsche genutzt wurden. Zwei weitere Personen aus Kenia berichteten Amnesty, noch bis Dezember 2025 im Crown Bavet Casino ihrer Freiheit beraubt und zur Arbeit gezwungen worden zu sein.

Lizenz ja, Verantwortung nein?

Besonders problematisch ist dabei nicht nur die Existenz solcher Anlagen, sondern die Frage, warum sie weiter Teil eines offiziell regulierten Casino-Ökosystems bleiben konnten. Unter den von Amnesty genannten Standorten finden sich unter anderem mehrere Crown-Casinos, das Majestic Hotel & Casino, Majestic Two, Peak Casino, Marinan International sowie The New Venetian Casino. In allen genannten Fällen sieht Amnesty Hinweise auf Freiheitsentzug, Zwangsarbeit oder andere schwere Übergriffe.

Der Bericht legt damit einen Widerspruch offen, der für die Branche unangenehm ist: Während Kambodscha international versucht, seinen Glücksspielsektor als regulierten Wirtschaftszweig darzustellen, zeigen die Recherchen, wie eng legale Casino-Strukturen und kriminelle Ausbeutungskomplexe offenbar miteinander verwoben sein können.

Scam-Compounds sind abgeschottete Anlagen, in denen Menschen unter Zwang zu Online-Betrug, Romance-Scams oder Fake-Investment-Betrug eingesetzt werden. In Südostasien haben sich solche Strukturen in den vergangenen Jahren massiv ausgebreitet. Gerade in Grenzregionen und Casino-Städten verschwimmen dabei häufig die Grenzen zwischen legalem Glücksspiel, Immobilienprojekten und organisierter Kriminalität.

Für Kambodscha ist der Bericht deshalb nicht nur ein Menschenrechtsskandal, sondern auch ein Reputationsproblem für den gesamten Glücksspielstandort. Denn wenn lizenzierte Casinos mit Orten verbunden sind, an denen laut Amnesty systematisch Menschen misshandelt und ausgebeutet wurden, trifft das am Ende nicht nur einzelne Betreiber – sondern die Glaubwürdigkeit des gesamten regulatorischen Systems.

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