StartPrognosemärkteIndonesien sperrt Polymarket nach Wetten auf Präsident Prabowo

Indonesien sperrt Polymarket nach Wetten auf Präsident Prabowo

• Indonesien verbietet Polymarket nach Wetten auf Abritt von Präsident Prabowo.
• Offizielle Gleichsetzung mit Online-Glücksspiel.
• Prognosemärkte geraten weltweit weiter unter Druck.


Indonesien hat die Krypto-Wettplattform Polymarket offiziell gesperrt, wobei der Zeitpunkt alles andere als zufällig wirkt. Kurz zuvor konnten Nutzer dort darauf wetten, wann Präsident Prabowo Subianto möglicherweise vorzeitig aus dem Amt scheidet. Genau diese Märkte sorgten in sozialen Netzwerken für enorme Aufmerksamkeit und brachten die Regierung in Jakarta offenbar zusätzlich unter Zugzwang.

Offiziell begründet das Kommunikations- und Digitalministerium die Sperre mit dem nationalen Verbot von Online-Glücksspiel. Alexander Sabar vom indonesischen Kommunikationsministerium erklärte dazu:

„Die Regierung wird keinerlei Form von Online-Glücksspiel in Indonesien zulassen.“

Die Prognoseplattformen, auf denen mit Geld auf bestimmte Ereignisse gewettet wird, würden unabhängig von Blockchain-Technologie oder Krypto-Bezug als illegales Glücksspiel eingestuft. Damit fällt Polymarket in Indonesien nun in dieselbe Kategorie wie klassische Online-Casinos oder Sportwettenseiten.

Besonders brisant: Die Wette auf Prabowos politische Zukunft entstand nur einen Tag nach der Ankündigung, den staatlichen Einfluss auf wichtige Rohstoffexporte wie Kohle und Palmöl auszuweiten. Die Entscheidung hatte Investoren und Teile der eigenen Regierung überrascht und Diskussionen über wirtschaftspolitische Risiken ausgelöst.

Mit rund 280 Millionen Einwohnern gilt Indonesien als viertbevölkerungsreichste Nation der Welt. Trotz strenger Gesetze boomt dort der illegale Glücksspielmarkt weiterhin. Laut offiziellen Angaben belief sich das Volumen von Transaktionen im Zusammenhang mit Online-Glücksspiel im vergangenen Jahr auf etwa 286 Billionen Rupiah, umgerechnet rund 16 Milliarden US-Dollar.

Seit dem Amtsantritt von Präsident Prabowo im Oktober 2024 hat die Regierung ihren Kurs deutlich verschärft. Nach Regierungsangaben wurden bereits rund 3,4 Millionen Webseiten und digitale Inhalte blockiert, die mit Glücksspiel in Verbindung stehen sollen. Polymarket ist nun eines der prominentesten Opfer dieser Offensive.

Auf Polymarket hielten Händler ein vorzeitiges Ende der Präsidentschaft zwar für eher unwahrscheinlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass Prabowo bis zum 31. Mai aus dem Amt scheidet, wurde lediglich mit 1 % bewertet. Bis Ende Juni stieg der Wert nur auf 2 %, bis Jahresende jedoch auf 11 %. Das gesamte Handelsvolumen dieses Marktes lag zuletzt bei vergleichsweise überschaubaren 51.531 US-Dollar. Trotzdem reagierte die Regierung konsequent.

Prognosemärkte weltweit unter Druck

Der Fall zeigt, wie stark Prognosemärkte inzwischen politisch wahrgenommen werden. Plattformen wie Polymarket oder Kalshi bewegen sich international in einer rechtlichen Grauzone zwischen Finanzprodukt, Meinungsmarkt und Glücksspielangebot. Gerade politische Wetten gelten in vielen Ländern als besonders sensibel.

Hinzu kommt die Sorge vor Manipulationen und Insiderwissen. In den USA wurde zuletzt sogar ein Angehöriger der Special Forces beschuldigt, vertrauliche Informationen genutzt zu haben, um auf Polymarket Wetten im Zusammenhang mit Venezuela abzuschließen. Laut Ermittlern sollen dabei Gewinne von rund 400.000 US-Dollar erzielt worden sein.

Indonesien steht mit seinem Vorgehen nicht allein da. Auch Brasilien und Frankreich haben Polymarket bereits gesperrt. In China, Thailand, Taiwan und Japan existieren Zugangsbeschränkungen oder regulatorische Hürden. Indien warnt ebenfalls vor der Nutzung solcher Plattformen. Selbst in den USA geriet Polymarket zeitweise unter massiven regulatorischen Druck und musste bereits eine Strafe von 1,4 Millionen US-Dollar zahlen. In Deutschland ist die Nutzung der Plattform ebenfalls illegal.

Für Polymarket bedeutet die neue Sperre einen weiteren Rückschlag in Asien. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie schnell politische Prognosemärkte zum Problem werden können, wenn sie nationale Machtfragen oder wirtschaftspolitische Unsicherheiten zum Wettobjekt machen.

Die Entwicklung dürfte deshalb weit über Indonesien hinaus beobachtet werden. Denn je populärer Prognosemärkte werden, desto stärker wächst weltweit der politische Wunsch, deren Einfluss zu kontrollieren – oder sie im Zweifel komplett auszusperren.

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