• Angebliche Kalshi-Versicherung gegen Abstieg sorgt für Diskussionen.
• Spanischer Klub soll sich gegen den Gang in die zweite Liga abgesichert haben.
• Der Fall zeigt neue Einsatzmöglichkeiten von Prognosemärkten.
Können Prognosemärkte künftig eine Art Versicherung für Profisportvereine werden? Genau diese Frage beschäftigt derzeit die Sport- und Glücksspielbranche auf der Iberischen Halbinsel. Auslöser ist ein Bericht, wonach der spanische Erstligist CA Osasuna über die US-Plattform Kalshi eine finanzielle Absicherung gegen einen möglichen Abstieg aus der höchsten Spielklasse abgeschlossen haben soll.
Der Hintergrund ist einfach: Ein Abstieg aus der spanischen La Liga kann Vereine wirtschaftlich schwer treffen. Durch den Verlust von TV-Einnahmen, Sponsorenverträgen und Vermarktungserlösen entstehen häufig Millionenverluste. Prognosemärkte könnten in diesem Zusammenhang als neues Instrument dienen, um finanzielle Risiken abzufedern.
Dem Bericht zufolge soll Osasuna Positionen auf einem Kalshi-Markt im Wert von 1,1 Millionen Dollar erworben haben, der sich auf den Abstieg des Vereins bezog. Wäre die Mannschaft tatsächlich abgestiegen, wäre der Wert dieser Kontrakte auf 6 Millionen Dollar gestiegen. Die Gewinne hätten dann einen Teil der sportlich bedingten Einnahmeverluste kompensieren können. Im Ergebnis würde der Klub zwar weiterhin sportlich verlieren, wäre finanziell aber besser abgesichert.
Befürworter sehen darin eine innovative Form des Risikomanagements. Unternehmen sichern sich seit Jahrzehnten gegen Währungsrisiken, Rohstoffpreise oder Zinsschwankungen ab. Prognosemärkte könnten nun erstmals auch sportliche Ereignisse handelbar machen und damit völlig neue Möglichkeiten eröffnen.
Anders als klassische Sportwetten ermöglichen Prognosemärkte den Kauf und Verkauf von Ereigniskontrakten. Unternehmen könnten solche Märkte künftig nutzen, um sich gegen unerwünschte Entwicklungen abzusichern. Ein Fußballverein könnte auf den eigenen Abstieg setzen, ein Veranstalter auf schlechtes Wetter oder eine Fluggesellschaft auf steigende Kerosinpreise. Befürworter betrachten Prognosemärkte deshalb zunehmend als Instrument des Risikomanagements und nicht nur als spekulatives Produkt für private Nutzer.
Die Diskussion fällt in eine Phase starken Wachstums der Plattformen. Sie profitieren derzeit von der steigenden Popularität ereignisbasierter Märkte. Allein im Vorfeld der Fußball-WM 2026 wurden auf großen Prognosemarkt-Plattformen bereits Handelsvolumina von mehr als 2 Milliarden US-Dollar registriert. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Unternehmen künftig verstärkt als Nutzer solcher Märkte auftreten könnten.
Gleichzeitig wirft der Fall Fragen auf. Kritiker sehen mögliche Interessenkonflikte, wenn Vereine finanzielle Vorteile aus negativen sportlichen Ergebnissen ziehen können. Zwar würde niemand aktiv einen Abstieg anstreben, dennoch könnte allein die Existenz solcher Absicherungen bei Fans und Aufsichtsbehörden für Unbehagen sorgen.
Osasuna weist Darstellung zurück
Kurz nach Veröffentlichung der Berichte meldete sich der Klub selbst zu Wort. In einer offiziellen Stellungnahme widersprach Osasuna der Darstellung, man habe auf den eigenen Abstieg gewettet. Der Verein betonte, dass es sich nicht um eine Spekulation gegen die eigene Mannschaft gehandelt habe.
Nach Angaben von Osasuna handelte es sich um eine Absicherung in Höhe von 450.000 Euro, die der Verein über einen spezialisierten Finanzdienstleister abgeschlossen hatte. Die Police sollte im Fall eines Abstiegs aus der La Liga eine Auszahlung von bis zu 10 Millionen Euro ermöglichen. Der Klub betonte, dass die Vereinbarung bereits vor Beginn der Saison abgeschlossen worden sei und ausschließlich dazu diente, die erheblichen wirtschaftlichen Folgen eines Abstiegs – insbesondere bei TV-Erlösen und Sponsoreneinnahmen – abzufedern. Nach dem Klassenerhalt verfiel die Absicherung erwartungsgemäß wertlos.
Der Klub erklärt in seiner Stellungnahme:
„Osasuna hat keine Wette auf den eigenen Abstieg abgeschlossen. Das verwendete Instrument diente ausschließlich der Absicherung eines wirtschaftlichen Risikos.“
Nach Angaben des Vereins war das Ziel nicht, von einem sportlichen Misserfolg zu profitieren, sondern die finanziellen Folgen eines möglichen Abstiegs zu begrenzen. Osasuna verglich die Maßnahme mit klassischen Versicherungs- oder Absicherungsinstrumenten, wie sie in anderen Wirtschaftsbereichen üblich seien.
Für die Prognosemarkt-Branche könnte der Vorgang dennoch wegweisend sein. Sollte sich die Nutzung solcher Märkte zur Absicherung wirtschaftlicher Risiken etablieren, würden sich völlig neue Kundengruppen erschließen. Statt privater Wetter könnten künftig Unternehmen, Sportvereine oder andere Organisationen zu den wichtigsten Nutzern gehören.
Ob Osasunas Vorgehen tatsächlich Schule macht, bleibt abzuwarten. Schon jetzt hat der Fall jedoch gezeigt, dass Prognosemärkte längst mehr sein können als eine Alternative zu klassischen Sportwetten. Die Diskussion dreht sich zunehmend um die Frage, ob sie künftig als ernst zu nehmendes Instrument des finanziellen Risikomanagements anerkannt werden.

