StartPrognosemärkteFrankreich macht Ernst: Warum Polymarket jetzt komplett gesperrt wird

Frankreich macht Ernst: Warum Polymarket jetzt komplett gesperrt wird

• Frankreich sperrt Polymarket und verschärft den Kurs gegen die Plattform.
• Behörden sehen ein illegales Glücksspielangebot mit erheblichen Risiken.
• Auch andere Länder nehmen Prognosemärkte zunehmend ins Visier.


Frankreich geht einen weiteren Schritt gegen die Krypto-Prognoseplattform Polymarket. Nachdem bereits seit November 2024 Finanztransaktionen französischer Nutzer auf der Plattform unterbunden worden waren, müssen Internetanbieter den Zugang zur Website nun vollständig sperren. Die französische Glücksspielaufsicht begründet den Schritt damit, dass Polymarket weiterhin ein nicht genehmigtes Glücksspielangebot betreibe und trotz früherer Maßnahmen zahlreiche Nutzer aus Frankreich erreiche.

Die Anordnung stammt von der französischen Glücksspielbehörde Autorité Nationale des Jeux (ANJ). Nach Angaben der Behörde wurde die Sperre am 16. Juli 2026 angeordnet. Sie bleibt bestehen, bis Polymarket die französischen Vorschriften erfüllt. Die Plattform reagierte zunächst nicht auf entsprechende Anfragen.

Frankreich verschärft seinen Kurs

Bereits Ende 2024 hatte die ANJ erreicht, dass Finanztransaktionen französischer Nutzer auf Polymarket per Geoblocking unterbunden wurden. Die Behörde erklärt jedoch, dass diese Maßnahme nicht ausgereicht habe. Viele Nutzer hätten die Beschränkungen umgangen und die Plattform weiterhin besucht. Im Juni 2026 registrierte Polymarket laut ANJ 578.751 Besuche, darunter 205.057 eindeutige Besucher aus Frankreich.

Ein Sprecher der französischen Glücksspielaufsicht ANJ erklärt:

„Am 16. Juli 2026 ordnete der Präsident der Nationalen Glücksspielbehörde an, dass französische Internetanbieter den Zugang zur Polymarket-Website sperren. Die Seite, die ein besonders großes Publikum anzieht, bewirbt ein illegales Glücksspiel- und Wettangebot.“

Nach Auffassung der Behörde genügte bereits die weiterhin erreichbare Startseite, um für ein unerlaubtes Glücksspielangebot zu werben. Dort konnten Nutzer in Echtzeit Quoten zu politischen Ereignissen, Sportveranstaltungen oder anderen Entwicklungen verfolgen – auch wenn französische Kunden offiziell keine Wetten mehr platzieren durften.

Prognosemärkte unterscheiden sich von klassischen Sportwetten dadurch, dass Nutzer auf den Eintritt nahezu beliebiger Ereignisse setzen können. Gehandelt werden Ja- oder Nein-Kontrakte zu politischen Entscheidungen, Wirtschaftsdaten, Wetterereignissen oder Sportresultaten. Die daraus entstehenden Kurse gelten häufig als Indikator für die von Marktteilnehmern erwartete Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses. Gleichzeitig stehen solche Plattformen wegen möglicher Manipulationen und ihrer Nähe zum Glücksspiel zunehmend im Fokus von Aufsichtsbehörden.

Manipulationsrisiken und internationale Entwicklung

Die französische Aufsicht verweist nicht nur auf mögliche hohe finanzielle Verluste für Nutzer. Nach ihrer Einschätzung könnten einzelne Märkte auch manipuliert werden. Als Beispiel nennt die Behörde Wetterwetten, bei denen Insiderwissen eine Rolle spielen könnte. Deshalb stuft sie das Angebot als besonders problematisch ein.

Wer in Frankreich für nicht genehmigte Wett- oder Glücksspielseiten wirbt, muss zudem mit empfindlichen Konsequenzen rechnen. Laut ANJ können Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro verhängt werden.

Die französische Entscheidung steht nicht allein. Im Mai 2026 untersagte Spanien den Betrieb von Polymarket und dem Konkurrenten Kalshi vorläufig. Einen Monat später veröffentlichte auch die US-Derivateaufsicht neue Regulierungsentwürfe für Prediction Markets. Parallel laufen in mehreren US-Bundesstaaten rechtliche Verfahren gegen Anbieter dieser Plattformen.

Polymarket zählt zu den größten Blockchain-basierten Prediction Markets weltweit. Nutzer handeln dort Verträge auf den Ausgang verschiedenster Ereignisse – von Wahlen über Sport bis hin zu geopolitischen Entwicklungen. Nach Angaben einer mit den Geschäftszahlen vertrauten Quelle hat die Plattform inzwischen einen auf das Gesamtjahr hochgerechneten Umsatz von mehr als 1 Milliarde US-Dollar erreicht. Diese starke Expansion erklärt, warum Regulierungsbehörden den Markt inzwischen deutlich intensiver beobachten.

Die Debatte dreht sich längst nicht mehr nur um Frankreich. Politiker und Aufsichtsbehörden argumentieren, dass manche Wetten keinen wirtschaftlichen Nutzen hätten und dem öffentlichen Interesse schaden könnten. Befürworter sehen Prediction Markets dagegen als Instrument zur Bündelung von Informationen und zur Einschätzung zukünftiger Entwicklungen.

Mit der vollständigen Netzsperre setzt Frankreich nun auf eine deutlich härtere Durchsetzung seiner Glücksspielgesetze. Die Entscheidung dürfte den regulatorischen Druck auf Anbieter wie Polymarket weiter erhöhen – insbesondere, weil inzwischen mehrere Staaten vergleichbare Maßnahmen ergreifen und der weltweite Markt für Prediction Markets trotz wachsender Regulierung weiterhin stark expandiert.

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