StartPrognosemärkteDraftKings drängt nach Kalifornien: Prognosemarkt umgeht Sportwetten-Verbot

DraftKings drängt nach Kalifornien: Prognosemarkt umgeht Sportwetten-Verbot

• DraftKings umgeht mit Prognosemarkt Sportwetten-Verbot in Kalifornien.
• Event-Kontrakte werden anders behandelt als klassische Sportwetten.
• DraftKings wirbt offensiv um Kunden in Kalifornien und weiteren Bundesstaaten.


DraftKings hat seinen Prognosemarkt in Kalifornien gestartet und betritt damit einen Markt, in dem klassische Sportwetten weiterhin verboten sind. Das Unternehmen bietet mit DraftKings Predictions Event-Kontrakte an, über die Nutzer auf den Ausgang von Sportereignissen, politischen Entwicklungen und anderen Ereignissen handeln können. Damit folgt DraftKings dem Beispiel von Kalshi und Polymarket, die ebenfalls in Kalifornien aktiv sind.

Besonders bemerkenswert ist der Schritt wegen der politischen Vorgeschichte des Bundesstaates. Kalifornische Wähler lehnten 2022 gleich zwei Vorlagen zur Legalisierung von Sportwetten ab. So scheiterten mehrere Eingaben, die Online- und mobile Sportwetten zugelassen hätten.

Bei Prognosemärkten handeln Nutzer Kontrakte, deren Wert davon abhängt, ob ein bestimmtes Ereignis eintritt. Anders als bei klassischen Sportwetten tritt dabei nicht zwingend ein Anbieter als Gegenpartei auf. Befürworter betrachten solche Kontrakte deshalb als Finanzmarktinstrumente. Kritiker sehen dagegen faktisch Sportwetten, wenn auf den Ausgang von Spielen gesetzt wird. Genau diese unterschiedliche Einordnung ist der Kern des regulatorischen Konflikts in den USA.

DraftKings setzt nun auf eine rechtliche Unterscheidung: Die angebotenen Event-Kontrakte werden nicht als klassische Sportwetten behandelt. Stattdessen fallen sie unter die Regulierung der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) auf Bundesebene. Dadurch können Prognosemärkte in Bundesstaaten aktiv werden, in denen herkömmliche Sportwetten nicht erlaubt sind.

Kalifornien ein besonders lukrativer Zielmarkt

Für DraftKings ist Kalifornien nicht irgendein neuer Markt. Der Bundesstaat hat fast 40 Millionen Einwohner und verfügt über die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Für Anbieter von Sportwetten gilt Kalifornien deshalb seit Jahren als eine Art unerschlossenes Eldorado.

DraftKings Predictions war bereits im Dezember 2025 in Kalifornien gestartet. Im Juni dieses Jahres bestätigte das Unternehmen die Verfügbarkeit seines Angebots über die eigene Plattform. Nutzer können dort inzwischen nicht nur auf Sportereignisse handeln, sondern unter anderem auf den erfolgreichsten Song bei Spotify, die nächste Präsidentschaftswahl, Kryptowährungen, Aktien, Wetterereignisse und kulturelle Entwicklungen setzen.

Damit geht DraftKings über ein reines Sportwetten-Ersatzangebot hinaus. Das Unternehmen bezeichnet DraftKings Predictions ausdrücklich als „Finanzmarkt“. Gleichzeitig sind Sportereignisse ein wichtiger Bestandteil des Angebots – genau jener Bereich also, der in Kalifornien auf herkömmlichem Weg weiterhin nicht angeboten werden darf.

James Siva, Vorsitzender der California Nations Indian Gaming Association (CNIGA), erklärt:

„Es ist ziemlich einfach: Aufgrund der Größe des Marktes ist Kalifornien das goldene Kalb, wenn es um Glücksspiel geht.“

Er befürchtet, dass die Expansion von Prognosemärkten den Stammesgemeinschaften schaden könnte, die auf Casinos als Quelle für Arbeitsplätze und Finanzierung angewiesen sind. Der Konflikt um Prognosemärkte berührt damit auch die seit Jahren umkämpfte Frage, wer in Kalifornien das Recht auf Glücksspielangebote erhält und welche Rolle die Stammescasinos dabei spielen.

DraftKings erhöht den Druck auf die Politik

DraftKings beschränkt seine Expansion zudem nicht auf Kalifornien. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Aldrin wirbt DraftKings Predictions derzeit besonders offensiv in Kalifornien, Texas und Georgia. Auch in Florida wird das Angebot beworben – dort verfügt die Seminole Tribe mit Hard Rock Bet über ein Monopol auf legale Sportwetten.

Die Werbekampagne setzt dabei auf attraktive Einstiegskonditionen. Neukunden können nach einer Einzahlung von lediglich 5 US-Dollar Bonus-Trades im Wert von 200 US-Dollar erhalten. Das Unternehmen versucht damit, die Prognoseplattform schnell als eigenständiges Angebot neben seinem klassischen Glücksspielgeschäft zu etablieren.

Prognosemarkt oder Sportwetten? Der entscheidende Unterschied liegt laut den Befürwortern in der Marktstruktur. Bei klassischen Sportwetten setzt der Kunde gegen den Buchmacher. Bei Prognosemärkten handeln Teilnehmer dagegen Kontrakte auf der Basis erwarteter Wahrscheinlichkeiten. In der Praxis können jedoch auch Finanzunternehmen wie Susquehanna International Group als Market Maker Liquidität bereitstellen. Genau deshalb bezweifeln Kritiker, dass die Angebote wirtschaftlich und funktional wirklich von Sportwetten zu trennen sind.

Die Entwicklung dürfte in Kalifornien deshalb genau beobachtet werden. Während DraftKings die bundesrechtliche Einordnung der Event-Kontrakte nutzt, stehen die politischen und gesellschaftlichen Folgen weiterhin im Raum. Besonders die Stammescasinos sehen die Gefahr, dass ihnen ein lukrativer Teil des Glücksspielmarktes entzogen wird, ohne dass die Bevölkerung jemals ausdrücklich für diese Form des Wettens gestimmt hat.

Für DraftKings ist Kalifornien dagegen eine einmalige Wachstumschance. Der Konzern kann Millionen potenzieller Kunden erreichen, ohne auf eine klassische Legalisierung von Sportwetten warten zu müssen. Ob die Behörden und die Politik diese Abgrenzung dauerhaft akzeptieren, dürfte nun zu einer der wichtigsten Fragen für die Zukunft der Prognosemärkte in den USA werden.

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