• Casino-Spielerschutz in New South Wales soll deutlich verschärft werden.
• Gesichtserkennung und Sperrregister sollen gesperrte Spieler erkennen.
• Zahl der Spielautomaten soll von derzeit 87.000 weiter sinken.
Die Regierung des australischen Bundesstaats New South Wales (NSW) plant eine umfassende Reform des Glücksspiels. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die insbesondere Spieler an Spielautomaten in Pubs und Clubs besser vor problematischem Spielverhalten schützen sollen. Vorgesehen sind unter anderem verpflichtende Gesichtserkennung, ein landesweites Sperrregister, strengere Werbevorgaben und ein Verbot von VIP-Programmen im Zusammenhang mit Spielautomaten.
Großer Reformdruck
Der Reformdruck wird durch aktuelle Daten zum Glücksspielverhalten untermauert. Die NSW Gambling Survey 2024 ergab, dass 3,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung im Bundesstaat ein Glücksspielverhalten mit moderatem Risiko zeigen. Weitere 0,9 Prozent werden der Gruppe mit hohem Risiko zugerechnet. Die Regierung will für mehr Spielerschutz deshalb Technologie und Regulierung stärker miteinander verbinden.
Schon heute können sich Spieler in NSW freiwillig von einzelnen Hotels, Clubs oder sogar einem kompletten Veranstaltungsort ausschließen lassen. Die Kontrolle liegt dabei weitgehend bei den jeweiligen Betreibern und deren Mitarbeitern. Künftig soll ein einheitliches staatliches Register gelten. Wer sich sperren lässt, soll damit nicht nur von einer einzelnen Spielstätte, sondern von sämtlichen teilnehmenden Glücksspielbereichen erfasst werden. Gesichtserkennung soll verhindern, dass ausgeschlossene Personen die Sperre durch einen Besuch in einem anderen Club umgehen.
Für die Umsetzung des Reformpakets sind 95,2 Millionen australische Dollar über einen Zeitraum von vier Jahren vorgesehen, umgerechnet rund 57,5 Millionen Euro. Das Geld stammt teilweise aus den noch vorhandenen Mitteln eines 100 Millionen australischen Dollar schweren Fonds zur Verringerung von Glücksspielschäden; zusätzlich sollen höhere Lizenzgebühren für Clubs und Hotels mit Spielautomaten zur Finanzierung beitragen.
Gesichtserkennung soll Sperren durchsetzen
Eine der einschneidendsten Neuerungen ist die verpflichtende Gesichtserkennung an den Eingängen von Spielbereichen. Die Technologie soll gemeinsam mit dem neuen landesweiten Sperrregister im Jahr 2028 eingeführt werden. Damit würde NSW bei der technischen Kontrolle von Spielersperren einen deutlich umfassenderen Ansatz verfolgen.
Die bisherige freiwillige Selbstsperre funktioniert wesentlich fragmentierter. Spieler können sich zwar bereits heute von bestimmten Spielstätten ausschließen lassen, doch die Durchsetzung hängt von den jeweiligen Betreibern und ihrem Personal ab. Mit dem neuen System soll die Sperre dagegen betriebsübergreifend gelten und automatisiert kontrolliert werden.
David Harris, Minister für Glücksspiel und Rennsport in New South Wales, erklärt:
„Das sind vernünftige Reformen, die gemeinsam mit der Branche, Organisationen zur Schadensminimierung, Interessengruppen und Datenschutzexperten entwickelt wurden, um Glücksspielschäden zu bekämpfen, gleichzeitig die Branche zu unterstützen und die Lebensgrundlage der vielen dort Beschäftigten zu schützen.“
Neu ist außerdem die Möglichkeit einer Fremdsperre. Künftig sollen nicht nur die Spieler selbst, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch Familienmitglieder, Freunde, Veranstaltungsorte oder die Polizei eine Ausschlussmaßnahme anstoßen können. Damit soll früher eingegriffen werden, wenn Anzeichen für problematisches oder exzessives Glücksspiel erkennbar sind.
Parallel soll auch die technische Infrastruktur der Spielautomaten modernisiert werden. Das Centralised Monitoring System (CMS) soll innerhalb der kommenden zwei Jahre überarbeitet werden. Ziel ist, den Übergang zu einem kontobasierten Spiel zu ermöglichen, bei dem sich genauer nachvollziehen lässt, wer spielt und welche Spielaktivitäten stattfinden.
Weniger Spielautomaten und strengere Werbung
Auch die Zahl der Spielautomaten selbst soll sinken. In NSW stehen derzeit rund 87.000 Spielautomaten in etwa 2.100 Clubs und Hotels. Bei der Übertragung von Berechtigungen für Spielautomaten soll künftig nur noch eine von zwei Berechtigungen weiterbestehen. Bislang lag die sogenannte Verfallsquote bei einem von drei übertragenen Rechten.
Konkret bedeutet das: Werden zwei Berechtigungen gehandelt, soll künftig eine dauerhaft aus dem Verkehr gezogen werden. Zusätzlich soll eine sogenannte „Sinking Cap“ dafür sorgen, dass die landesweite Obergrenze für Spielautomaten automatisch sinkt, sobald Berechtigungen aus dem Umlauf genommen werden.
Die Reform beschränkt nicht nur die Zahl der Spielautomaten. Auch kommerzielle Anreize sollen reduziert werden. VIP-Programme, die unmittelbar mit Spielautomaten verbunden sind, sollen verboten werden. Zudem sollen Anbieter potenzielle Kunden nicht mehr ohne vorherige ausdrückliche Zustimmung telefonisch, per E-Mail oder SMS kontaktieren dürfen. Für Glücksspielwerbung von Affiliates und Influencern sind zusätzliche Transparenzvorgaben geplant; Provisionen für besonders risikoreiche Glücksspielprodukte sollen ebenfalls eingeschränkt werden.
Auch Glücksspielwerbung auf staatlichen und kommunalen Flächen soll vollständig untersagt werden. Das betrifft Werbung auf Grundstücken und Anlagen der NSW-Regierung sowie auf kommunalen Einrichtungen. Gleichzeitig sollen Affiliate-Marketing und Influencer-Werbung transparenter werden, damit Nutzer besser erkennen können, wenn Inhalte kommerziell motiviert sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Online-Glücksspiel. Die Regierung will eine eigene Strategie zur Reduzierung der damit verbundenen Schäden entwickeln. Gleichzeitig sollen Unternehmen, die illegal operieren, stärker verfolgt werden. Geplant sind unter anderem neue Straftatbestände und härtere Sanktionen.
Damit verfolgt NSW einen deutlich breiteren Ansatz als eine reine technische Modernisierung. Gesichtserkennung soll Sperren durchsetzen, ein zentrales Register soll die bisherige Fragmentierung beseitigen und weniger Spielautomaten sollen das Angebot langfristig reduzieren. Gleichzeitig werden Marketing und VIP-Anreize eingeschränkt.
Für die Glücksspielbranche bedeutet das erhebliche Veränderungen. Betreiber von Clubs und Hotels müssen sich auf neue technische Anforderungen und höhere Lizenzkosten einstellen. Für Spieler wiederum könnte insbesondere das landesweite Sperrsystem einen erheblichen Unterschied machen, weil eine einmal getroffene Entscheidung zur Selbstsperre künftig nicht mehr an der Grenze einer einzelnen Spielstätte endet.
Die Regierung will die Reformen nach eigenen Angaben gemeinsam mit Branche, Suchtexperten, Datenschutzfachleuten und weiteren Interessengruppen umsetzen. Wann die notwendigen Gesetze endgültig verabschiedet werden, ist allerdings noch nicht festgelegt. Klar ist jedoch bereits, dass NSW den Spielerschutz bei Spielautomaten grundlegend neu aufstellen will – mit Technologie, weniger Geräten und deutlich strengeren Vorgaben für Betreiber und Marketing.

