StartRecht & BusinessSpielerschutzIllinois stellt Spielsucht mit Alkohol- und Drogensucht gleich

Illinois stellt Spielsucht mit Alkohol- und Drogensucht gleich

• Spielsucht wird in Illinois künftig wie andere Suchterkrankungen behandelt.
• Das neue Gesetz erweitert Therapie- und Präventionsangebote.
• Experten sehen darin einen Meilenstein für den Spielerschutz.


Illinois hat als erster US-Bundesstaat einen bedeutenden Schritt im Umgang mit problematischem Glücksspiel vollzogen. Gouverneur JB Pritzker unterzeichnete das Senate Bill 2749, das die Glücksspielsucht offiziell in das bestehende Gesetz über Suchterkrankungen aufnimmt. Künftig wird die Spielsucht rechtlich unter demselben Rahmen behandelt wie Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Dadurch erhält das Illinois Department of Human Services (IDHS) neue Möglichkeiten, Beratungs-, Präventions- und Behandlungsangebote speziell für Betroffene und deren Familien bereitzustellen.

Das Gesetz trat unmittelbar mit der Unterschrift des Gouverneurs in Kraft. Bislang konnten Betroffene eine staatlich finanzierte stationäre Behandlung in vielen Fällen nur dann erhalten, wenn zusätzlich eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit vorlag. Mit der Gesetzesänderung kann Spielsucht künftig eigenständig behandelt werden. Außerdem sollen Fortbildungen für Suchtberater ausgeweitet sowie Präventionsprogramme an Schulen und Hochschulen unterstützt werden.

Glücksspielsucht gilt als sogenannte Verhaltenssucht. Anders als bei Alkohol oder Drogen entstehen keine körperlichen Entzugserscheinungen durch eine Substanz. Dennoch zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass beim Glücksspiel ähnliche Belohnungsmechanismen im Gehirn aktiviert werden. Nach Angaben des National Council on Problem Gambling hat etwa jeder fünfte pathologische Spieler mindestens einmal versucht, sich das Leben zu nehmen. Deshalb stufen Fachleute die Erkrankung als besonders schwerwiegend ein.

Hintergrund der Reform ist die wachsende Bedeutung des Glücksspiels in Illinois. Nach Schätzungen leiden inzwischen mehr als eine Million Menschen im Bundesstaat – also mehr als jeder zehnte Erwachsene – unter problematischem Glücksspiel oder gelten als gefährdet. Gleichzeitig verloren die Einwohner von Illinois im vergangenen Jahr mehr als 7,7 Milliarden US-Dollar beim Glücksspiel.

Mehr Behandlungsmöglichkeiten und bessere Prävention

Mit dem neuen Gesetz soll sich nicht nur der Zugang zu Therapien verbessern. Das IDHS erhält außerdem die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Bildungsministerium Unterrichtsmaterialien zur Prävention von Glücksspielsucht zu entwickeln und mit Hochschulen Programme zur Aufklärung und Forschung aufzubauen. Ziel ist es, problematisches Spielverhalten möglichst früh zu erkennen und Betroffene schneller in professionelle Hilfe zu vermitteln.

Julie Morrison, Senatorin des Bundesstaates Illinois und Initiatorin des Gesetzes, erklärt:

„Wir erkennen Alkohol- und Drogenabhängigkeit bereits als Suchterkrankungen an. Mit diesem Gesetz erkennen wir an, dass auch Glücksspielsucht eine Abhängigkeit ist und die Betroffenen dieselbe Unterstützung verdienen.“

Ein wichtiger Kritikpunkt bleibt allerdings die Finanzierung. Zwar stellte Illinois im Haushaltsjahr 2026 insgesamt 15 Millionen US-Dollar für Prävention und Behandlung von Glücksspielsucht bereit. Im Vorjahr waren es noch 10 Millionen US-Dollar, sodass die Mittel um 5 Millionen US-Dollar erhöht wurden. Dennoch floss im vergangenen Jahr lediglich 0,06 US-Dollar je 100 US-Dollar an Glücksspielsteuereinnahmen in Behandlung und Prävention. Nach Ansicht vieler Experten reicht dies angesichts der steigenden Zahl Betroffener nicht aus.

Experten sehen nur den ersten Schritt

Suchtexperten begrüßen den gesteigerten Spielerschutz ausdrücklich, weisen jedoch darauf hin, dass nun weitere Maßnahmen folgen müssten. So schafft das Gesetz zwar die rechtliche Grundlage für neue Behandlungsangebote, enthält jedoch keine automatische Finanzierung zusätzlicher Therapieeinrichtungen. Auch eine Kostenübernahme durch Medicaid ist bislang nicht vorgesehen. Dadurch könnten insbesondere einkommensschwache Betroffene weiterhin Schwierigkeiten haben, geeignete Hilfe zu erhalten.

Nach Einschätzung der Illinois Association for Behavioral Health (IABH) hinkt die Versorgung von Menschen mit Glücksspielsucht der Behandlung anderer Suchterkrankungen deutlich hinterher. Während für Alkohol- und Drogenabhängige zahlreiche spezialisierte Einrichtungen existieren, gibt es bislang nur wenige Angebote ausschließlich für problematisches Glücksspiel. Das neue Gesetz soll diese Lücke langfristig schließen und die gesellschaftliche Wahrnehmung der Erkrankung verbessern.

Der IABH-Experte Ryan Aten betont:

„Dieses Gesetz ist ein gewaltiger Schritt nach vorn. Vor allem bringt es die notwendige Aufmerksamkeit für ein Problem, das viel zu lange unterschätzt wurde.“

Mit der Reform nimmt Illinois in den USA eine Vorreiterrolle ein. Erstmals wird Glücksspielsucht rechtlich vollständig mit anderen Suchterkrankungen gleichgestellt. Ob andere Bundesstaaten diesem Beispiel folgen, bleibt abzuwarten. Fachleute sind jedoch überzeugt, dass die neue Regelung den Zugang zu Hilfsangeboten verbessern und gleichzeitig dazu beitragen wird, die gesellschaftliche Stigmatisierung der Erkrankung weiter abzubauen.

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