• Illegale Sportwetten auf die Premier League könnten auf 1 Milliarde Pfund steigen.
• Am ersten Spielwochenende könnten 20 Millionen Pfund auf dem Schwarzmarkt landen.
• Höhere Steuern und weniger legale Werbung könnten den illegalen Markt stärken.
Der illegale Wettmarkt rund um die Premier League könnte in Großbritannien deutlich wachsen. Nach einer aktuellen Analyse des Betting and Gaming Council (BGC) könnten in der neuen Saison bis zu 800 Millionen Pfund auf Premier-League-Spiele bei nicht lizenzierten Anbietern gesetzt werden. Allein am ersten Spielwochenende werden demnach rund 20 Millionen Pfund an illegalen Wetteinsätzen erwartet.
Für die darauffolgende Saison wird ein weiterer Anstieg um 200 Millionen Pfund prognostiziert. Damit könnte das Volumen illegaler Wetten auf die höchste englische Fußballliga bereits in der kommenden Spielzeit bei rund 1 Milliarde Pfund pro Jahr liegen. Hintergrund ist unter anderem die für April geplante Erhöhung der General Betting Duty, der allgemeinen Wettsteuer.
Illegale Glücksspielanbieter unterliegen nicht den britischen Vorgaben für Verbraucherschutz, verantwortungsvolles Spielen und finanzielle Sicherheit. Sie zahlen außerdem keine entsprechenden Steuern und müssen sich nicht an die Regeln des regulierten Marktes halten. Für Spieler bedeutet der Wechsel zu solchen Angeboten daher weniger Schutz. Für den Staat und den Sport entstehen zugleich Einnahmeausfälle. Der BGC fordert deshalb, illegale Anbieter konsequenter aus dem britischen Markt zu drängen.
Die Premier League gilt als meistgesehene Fußballliga der Welt und gehört gleichzeitig zu den wichtigsten Ereignissen im internationalen Wettkalender. Nach den Berechnungen des BGC werden an einem typischen Premier-League-Wochenende zwischen 15 und 20 Millionen Pfund bei nicht lizenzierten Anbietern eingesetzt. Damit fließen potenziell Millionenbeträge an praktisch jedem Spieltag in den Schwarzmarkt.
Weniger legale Werbung, aber mehr illegale Angebote
Der BGC sieht dabei eine paradoxe Entwicklung. Die regulierte Glücksspielbranche hat zur neuen Saison damit begonnen, Wettwerbung auf der Vorderseite von Premier-League-Trikots zurückzufahren. Der Verband unterstützt diesen Schritt ausdrücklich, weil er nach eigener Einschätzung zu höheren Standards beitragen kann. Gleichzeitig warnt er davor, dass weniger sichtbare legale Werbung die Nachfrage nach Sportwetten nicht automatisch reduziert.
Stattdessen könnte sich ein Teil der Nachfrage in weniger kontrollierte Kanäle verlagern. Illegale Anbieter seien bereits dabei, ihre Aktivitäten auszubauen. Der BGC begrüßt deshalb auch den Plan der britischen Regierung, Premier-League-Klubs künftig die Zusammenarbeit mit Glücksspielunternehmen zu untersagen, die keine britische Lizenz besitzen. Der Verband fordert sogar eine Ausweitung dieser Regelung auf sämtliche Sportarten im Vereinigten Königreich.
Grainne Hurst, Chief Executive des Betting and Gaming Council, erklärt:
„Der kriminelle Schwarzmarkt versucht ebenfalls, davon zu profitieren, indem er an jedem Spieltag Millionen Pfund einnimmt und den Kunden keinerlei Schutz bietet, wie er im regulierten Sektor vorhanden ist.“
Hurst verweist insbesondere auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Lizenzierte Anbieter müssen sich an umfangreiche Vorgaben zum Spielerschutz, zu verantwortungsvollem Glücksspiel und zur finanziellen Sicherheit halten. Illegale Anbieter unterliegen diesen Anforderungen nicht. Nach Darstellung des BGC gefährden sie deshalb nicht nur Verbraucher, sondern entziehen dem Staat gleichzeitig Steuereinnahmen.
Steuerdruck könnte Schwarzmarkt zusätzlich befeuern
Die Warnung fällt in eine Phase, in der die britische Glücksspielbranche ohnehin mit steigenden Belastungen konfrontiert ist. H2 Gambling Capital erwartet, dass die für April des kommenden Jahres geplante weitere Anhebung der General Betting Duty zusätzlichen Druck auf lizenzierte Wettanbieter ausüben wird.
Gleichzeitig kommt eine Analyse des Marktforschungsunternehmens WARC zu dem Ergebnis, dass nicht regulierte Anbieter inzwischen für fast die Hälfte der gesamten britischen Glücksspiel-Werbeausgaben verantwortlich sind. Der Schwarzmarkt ist damit längst kein Randphänomen mehr, sondern verfügt über erhebliche Mittel, um potenzielle Kunden zu erreichen.
Noch deutlicher fällt eine weitere Prognose von H2 Gambling Capital aus. Demnach könnte der Betrag, der in Großbritannien bei illegalen Anbietern eingesetzt wird, von nahezu 17 Milliarden Pfund in diesem Jahr auf mehr als 33 Milliarden Pfund im Jahr 2028 steigen. Das Volumen würde sich damit innerhalb weniger Jahre nahezu verdoppeln.
Der lizenzierte britische Wett- und Glücksspielsektor ist wirtschaftlich erheblich. Nach Angaben des BGC sichert die Branche mehr als 109.000 Arbeitsplätze, trägt jährlich 6,8 Milliarden Pfund zur britischen Wirtschaft bei und bringt dem Staat mehr als 4 Milliarden Pfund Steuereinnahmen. Ein wachsender illegaler Markt gefährdet deshalb nicht nur den Spielerschutz, sondern kann auch direkte Folgen für Arbeitsplätze, öffentliche Einnahmen und die Finanzierung des Sports haben.
Für den BGC steht deshalb die Bekämpfung der kriminellen Betreiber illegaler Glücksspielseiten weit oben auf der politischen Agenda. Ziel müsse sein, Kunden innerhalb des regulierten Marktes zu halten, wo Kontrollmechanismen und Schutzmaßnahmen greifen. Gerade die enorme Reichweite der Premier League macht die Fußballliga dabei zu einem besonders attraktiven Ziel für illegale Anbieter.
Die Entwicklung könnte sich durch die geplante Steuererhöhung weiter verschärfen. Wenn legale Anbieter stärker belastet werden, während illegale Betreiber weder Steuern zahlen noch vergleichbare regulatorische Anforderungen erfüllen müssen, entsteht ein deutlicher Wettbewerbsnachteil für den lizenzierten Markt.
Die Prognose von bis zu 1 Milliarde Pfund illegaler Premier-League-Wetten pro Saison ist daher vor allem ein Warnsignal. Sie zeigt, dass der Schwarzmarkt nicht nur parallel zum legalen Wettgeschäft existiert, sondern bei einem der größten Sportereignisse Großbritanniens ein beträchtliches Volumen erreichen könnte. Für Politik, Glücksspielbranche und Sportorganisationen dürfte die Eindämmung dieses Marktes damit zu einer der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre werden.

