• Glücksspiel im Schwarzmarkt boomt in Großbritannien stärker als je zuvor.
• Milliardenbeträge wandern zunehmend zu illegalen Wettanbietern ab.
• Die Branche warnt vor strengeren Regeln mit unerwarteten Nebenwirkungen.
Der illegale Glücksspielmarkt in Großbritannien wächst mit rasanter Geschwindigkeit, was Politik sowie legalen Wettanbietern zunehmend Sorgen bereitet. Neue Daten von H2 Gambling Capital zeigen, dass sich das Volumen von Offshore-Wetten seit 2019 mehr als verdreifacht hat. Damals lag der Markt noch bei rund fünf Milliarden Pfund, inzwischen sollen illegale Anbieter im Jahr 2025 bereits etwa 16,6 Milliarden Pfund umsetzen.
Besonders alarmierend aus Sicht des Glücksspielverbands BGC: Das Wachstum hat sich illegaler Online-Casinos und -Sportwetten zuletzt noch einmal deutlich beschleunigt. Zwischen 2023 und 2025 haben sich sowohl die Einsätze der Kunden als auch die Gewinne der Betreiber verdoppelt. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Wetten, die bei regulierten und lizenzierten Anbietern platziert werden. Während 2019 noch rund 97 Prozent des Glücksspiels über legale Plattformen liefen, liegt dieser Wert 2025 nur noch bei etwa 92 Prozent.
Damit fließen immer größere Summen an Unternehmen vorbei, die britischen Glücksspielregeln unterliegen. Genau darin sehen Experten ein erhebliches Risiko. Denn illegale Anbieter zahlen keine britischen Steuern, umgehen Vorgaben zum Spielerschutz und bieten oft deutlich weniger Sicherheitsmechanismen für Kunden an. Viele Plattformen operieren zudem aus dem Ausland und sind für britische Behörden nur schwer erreichbar.
Die Studie von H2 Gambling Capital zeigt nicht nur steigende Umsätze, sondern auch eine zunehmende Professionalisierung illegaler Anbieter. Viele illegale Plattformen werben inzwischen aggressiv über soziale Medien, Messenger-Dienste und Influencer. Gleichzeitig nutzen sie moderne Zahlungsdienste und internationale Domains, um Sperren und regulatorische Maßnahmen leichter zu umgehen.
Vor allem die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre sorgt für Nervosität in der Branche. Lange galt Großbritannien als einer der am stärksten regulierten Glücksspielmärkte der Welt. Nun wächst jedoch die Sorge, dass immer strengere Vorschriften ungewollt dazu beitragen könnten, Kunden in den Schwarzmarkt abzudrängen.
Branche warnt vor den Folgen strenger Regulierung
Besonders kritisch blickt die Glücksspielindustrie auf geplante zusätzliche Kontrollen für Spieler. Diskutiert werden unter anderem umfangreichere finanzielle Überprüfungen und Bonitätschecks, mit denen problematisches Spielverhalten früher erkannt werden soll. Das Betting and Gaming Council warnt allerdings davor, dass zu komplizierte Prüfprozesse legale Anbieter unattraktiver machen könnten.
Grainne Hurst vom BGC erklärt:
„Was wir derzeit sehen, ist ein schädlicher Schwarzmarkt, der sich in rasantem Tempo ausbreitet.“
Die Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands betonte außerdem, dass illegale Anbieter immer professioneller, sichtbarer und aggressiver bei der Ansprache britischer Kunden würden.
Nach Ansicht des BGC hören Menschen nicht einfach mit dem Wetten auf, wenn regulierte Angebote komplizierter oder weniger attraktiv werden. Stattdessen könnten viele Spieler zu unregulierten Plattformen wechseln. Deshalb fordert die Branche, dass neue finanzielle Risikoüberprüfungen möglichst „reibungslos“ ablaufen müssten – oder gar nicht eingeführt werden sollten.
Die Glücksspielindustrie argumentiert zudem, dass der legale Markt wichtige Schutzmechanismen bietet, die im Schwarzmarkt vollständig fehlen. Dazu gehören Identitätsprüfungen, Einzahlungslimits, Maßnahmen gegen Spielsucht und die Überwachung verdächtiger Aktivitäten. Genau diese Standards würden bei Offshore-Anbietern häufig umgangen.
Für die britische Politik entsteht damit ein schwieriger Balanceakt. Einerseits wächst der Druck, den Spielerschutz weiter auszubauen. Andererseits könnte eine zu harte Regulierung genau jene illegalen Märkte stärken, die sich staatlicher Kontrolle entziehen. Die aktuellen Zahlen zeigen jedenfalls deutlich: Der Kampf gegen den Glücksspiel-Schwarzmarkt entwickelt sich in Großbritannien zunehmend zu einer der größten Herausforderungen der Branche.

