• Die Casino-Lizenz in Brüssel wird neu ausgeschrieben.
• Steht aktueller Betreiber Casinos Austria vor einer Zäsur?
• Der Standort könnte vor einem strategischen Neustart stehen.
Die bestehende Casino-Lizenz in Brüssel wird neu ausgeschrieben. Damit rückt auch die Zukunft des bisherigen Betreibers Casinos Austria International in den Mittelpunkt. Für den österreichischen Konzern geht es darum, den ebenso etablierten wie lukrativen Standort im Herzen Europas zu verteidigen oder ihn an einen neuen Wettbewerber zu verlieren.
Die Stadt Brüssel hat die Casino-Konzession offiziell neu ausgeschrieben. Veröffentlicht wurde das Verfahren am 26. März im Amtsblatt der Europäischen Union. Bewerber haben nun bis zum 22. Mai Zeit, ihre Unterlagen einzureichen.
Für Casinos Austria International ist das alles andere als Routine. Das Unternehmen betreibt das Viage Casino in Brüssel bereits seit 2010. Die bestehende Konzession läuft zum 31. Dezember 2026 aus – nachdem sie wegen der COVID-19-Pandemie ausnahmsweise um ein Jahr verlängert worden war.
Vertreter der Stadt Brüssel äußerten sich zur Vergabe der Casino-Konzession:
„Diese Ausschreibung bietet die Chance, das Casino neu zu positionieren und seine Attraktivität langfristig zu sichern.“
Der Standort selbst ist kein Nebenschauplatz. Das 14.000 Quadratmeter große Casino liegt mitten in der belgischen Hauptstadt und gilt als einer der sichtbarsten landbasierten Glücksspielstandorte des Landes. Nach Angaben aus dem Ausschreibungsumfeld verzeichnet das Haus rund 310.000 Besuche pro Jahr und beschäftigt etwa 270 Mitarbeitende.
Mehr als nur ein Betreiberwechsel
Die Ausschreibung ist deshalb weit mehr als ein formaler Lizenzprozess. In Belgien sind Casino-Konzessionen begrenzt und entsprechend wertvoll. Gerade deshalb wird der Wettbewerb um Brüssel in der Branche genau beobachtet.
Casinos Austria International geht mit einem klaren Vorteil ins Rennen: Das Unternehmen hat laut Bericht in Brüssel und an einem früheren Standort in der Salle de la Madeleine insgesamt fast 80 Millionen Euro investiert. Gleichzeitig wird der finanzielle Wert der Brüsseler Konzession auf rund 750 Millionen Euro geschätzt.
Casinos Austria International ist die internationale Tochter der österreichischen Casinos-Austria-Gruppe. Während die Muttergesellschaft 12 Spielbanken in Österreich betreibt, führt die internationale Sparte aktuell fünf Standorte in Australien, der Schweiz, Serbien und Belgien. Das Brüsseler Viage Casino zählt dabei zu den sichtbarsten City-Casino-Assets des Portfolios.
Doch der Bestandsschutz ist keineswegs garantiert. Laut Bericht interessiert sich auch das belgische Unternehmen Gaming1, eine Tochter der Ardent Group, für die Lizenz. Weitere Betreiber sollen das Verfahren ebenfalls genau prüfen.
Hinzu kommt der fiskalische Druck. Das Casino zahlt derzeit auf die 400 Spielautomaten eine regionale Steuer von 50 Prozent des Bruttospielertrags (GGR), während die 37 klassischen Spieltische davon ausgenommen sind. Gleichzeitig plant die neue Brüsseler Regierung, ihre Einnahmen aus dem Glücksspielsektor künftig um 20 Millionen Euro pro Jahr zu erhöhen.
Auch wirtschaftlich ist der Standort für das Glücksspiel in Belgien relevant: Das Viage Casino erzielte Ende des Geschäftsjahres 2023 einen Bruttospielertrag von 52,45 Millionen Euro und stand damit für 37,5 Prozent des gesamten landbasierten Casino-GGR aller neun belgischen Casinos. Die entscheidende Frage lautet nun: Setzt Brüssel auf Kontinuität mit Casinos Austria oder auf einen neuen Betreiber mit frischer Strategie? Für den Markt wäre beides ein starkes Signal.

