StartCasinosSocial-Casino-Klage: Amazon stimmt 200-Millionen-Dollar-Vergleich zu

Social-Casino-Klage: Amazon stimmt 200-Millionen-Dollar-Vergleich zu

• Amazon steht wegen Casino-Apps vor einem millionenschweren Vergleich.
• Kläger können 201 Mio. Dollar Schadenersatz von App-Entwicklern verlangen.
• Parallel laufen Verfahren gegen Apple, Google und Meta weiter.


Amazon hat im Rechtsstreit um sogenannte Social-Casino-Apps einem weitreichenden Vergleich zugestimmt. Die Einigung wurde vor einem Bundesgericht in Seattle eingereicht und muss noch von einem Richter genehmigt werden.

Im Mittelpunkt steht eine Sammelklage aus dem Jahr 2023, in der dem Unternehmen vorgeworfen wird, über den Amazon Appstore unerlaubte Glücksspieltransaktionen ermöglicht und damit gegen das Glücksspielgesetz sowie das Verbraucherschutzgesetz des US-Bundesstaates Washington verstoßen zu haben.

Bemerkenswert ist die Konstruktion des Vergleichs: Amazon zahlt den Betrag nicht unmittelbar an die Kläger. Stattdessen akzeptiert das Unternehmen ein Urteil über 201 Millionen US-Dollar und überträgt den Klägern seine möglichen Regressansprüche gegen die Entwickler der Social-Casino-Apps. Die Mitglieder der Sammelklage verpflichten sich im Gegenzug, die Summe nicht von Amazon einzufordern. Damit können sie künftig versuchen, die Gelder direkt von den App-Anbietern einzutreiben.

Vergleich eröffnet neue Möglichkeiten für Verbraucher

Nach Angaben der Kläger entspricht das Urteil über 201 Millionen US-Dollar rund 30 Prozent der gesamten Ausgaben, die Mitglieder der Sammelklage für In-App-Käufe in den betroffenen Online-Glücksspiel-Anwendungen getätigt haben.

Die Berechnung basiert auf Transaktionsdaten, die Amazon während des Gerichtsverfahrens zur Verfügung stellte. Sämtliche Beträge, die künftig von den App-Entwicklern eingezogen werden können, sollen anschließend an die Mitglieder der Sammelklage verteilt werden.

Mit dem Amazon-Vergleich ist die juristische Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen. Parallel laufen vergleichbare Verfahren gegen Apple, Google und Meta. Den Unternehmen wird ebenfalls vorgeworfen, durch ihre App-Stores oder Plattformen illegale Glücksspieltransaktionen ermöglicht beziehungsweise wirtschaftlich davon profitiert zu haben. Darüber hinaus sehen sich Apple und Google zusätzlich Sammelklagen nach dem RICO Act gegenüber. Dieses US-Bundesgesetz wird normalerweise gegen organisierte Kriminalität eingesetzt und ermöglicht weitreichende Schadenersatzforderungen bei mutmaßlich systematischen rechtswidrigen Geschäftsmodellen.

Bereits in den vergangenen Jahren konnten die Kläger in ähnlichen Verfahren gegen Entwickler von Social-Casino-Apps erhebliche Erfolge erzielen. Nach Angaben der Prozessvertreter wurden Verbrauchern in Washington und anderen US-Bundesstaaten durch frühere Vergleiche bereits mehr als 650 Millionen US-Dollar zurückerstattet. Der aktuelle Vergleich mit Amazon stellt nun den nächsten Schritt dieser juristischen Strategie dar.

Amazon gesteht keine Schuld ein

Amazon weist sämtliche Vorwürfe weiterhin zurück. Mit dem Vergleich erkenne das Unternehmen kein Fehlverhalten an. Stattdessen soll die Einigung den langjährigen Rechtsstreit beenden und gleichzeitig den Klägern ermöglichen, ihre Ansprüche direkt gegenüber den eigentlichen Entwicklern der Social-Casino-Apps geltend zu machen.

Die Klägervertreter hingegen zeigen sich laut Gerichtsunterlagen zufrieden:

„Die Sammelklage steht kurz davor, einen erheblichen Teil ihrer gesamten Verluste zurückzuerhalten – im Einklang mit den bereits gegen Entwickler von Social Casinos erzielten Vergleichen.“

Signalwirkung für die gesamte App-Branche

Der Fall könnte weit über Amazon hinaus Bedeutung erlangen. Erstmals wird ein großer Plattformbetreiber nicht unmittelbar zu einer Zahlung verpflichtet, räumt den Klägern aber seine eigenen möglichen Ersatzansprüche gegenüber Drittunternehmen ein. Juristen sehen darin ein ungewöhnliches Modell, das auch in anderen Verfahren, bspw. gegen KI-Casinos, als Vorlage dienen könnte.

Social-Casino-Apps ermöglichen zwar den Einsatz virtueller Chips an Spielautomaten, Roulette- oder Pokertischen, zahlen jedoch in der Regel keine echten Geldgewinne aus. Kritiker argumentieren dennoch, dass kostenpflichtige Nachkäufe virtueller Spielwährung wirtschaftlich einem Glücksspiel ähneln. Genau diese Frage beschäftigt seit Jahren zahlreiche Gerichte in den USA und bildet den Kern mehrerer Sammelklagen gegen Entwickler und Plattformbetreiber.

Sollte das Bundesgericht in Seattle den Vergleich genehmigen, wäre ein weiteres Kapitel in der juristischen Auseinandersetzung um Social-Casino-Apps abgeschlossen. Gleichzeitig dürften die Verfahren gegen Apple, Google und Meta den Druck auf große Technologieplattformen weiter erhöhen. Die Entscheidungen könnten langfristig prägen, welche Verantwortung App-Stores künftig für Inhalte und Zahlungsströme ihrer Drittanbieter tragen.

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