StartSportwettenPrognose: NFL-Sportwetten stagnieren – Prognosemärkte wachsen rasant

Prognose: NFL-Sportwetten stagnieren – Prognosemärkte wachsen rasant

• NFL-Sportwetten wachsen 2026 nur noch um 0,3 Prozent.
• Prognosemärkte könnten auf 36,8 Milliarden Dollar kommen.
• Kalshi und Co. geraten zugleich regulatorisch unter Druck.


Die jahrelange Wachstumsserie bei legalen NFL-Sportwetten in den USA verliert deutlich an Schwung. Die American Gaming Association (AGA) erwartet für die NFL-Saison 2026 Einsätze von 29,5 Milliarden US-Dollar bei regulierten kommerziellen Sportwettenanbietern. In der vergangenen Saison waren es 29,4 Milliarden Dollar – laut ESPN entspricht das lediglich einem Plus von 0,3 Prozent.

AGA-Präsident Bill Miller warnt deshalb:

„Wir freuen uns auf den Start der NFL-Saison, ebenso wie Millionen Fans, die mit ihren Lieblingsteams mitfiebern wollen. Aber dieses Jahr ist anders. Seit der breiten Einführung von Sportwetten durch die Hintertür auf sogenannten ‚Prognosemärkten‘ ist das Wachstum der legalen Einsätze zum Stillstand gekommen.“

Seit der Aufhebung des bundesweiten Sportwettenverbots durch den Supreme Court im Jahr 2018 hatte die Branche stark expandiert. Seit 2025 kam mit Missouri allerdings nur noch ein weiterer Bundesstaat mit legalen Sportwetten hinzu. Von September der vergangenen Saison bis Mai wuchs das Einsatzvolumen der US-Sportwettenanbieter deshalb lediglich um 4 Prozent. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte der Zuwachs noch 14 Prozent betragen.

Prognosemärkte wachsen deutlich schneller

Besonders auffällig ist die gegensätzliche Entwicklung bei Prognosemärkten. In der vergangenen Football-Saison boten Plattformen wie Kalshi erstmals ein breites Spektrum an Sportkontrakten an. Für die neue NFL-Saison rechnen Experten laut einer von ESPN zitierten Analyse von RotoWire mit einem Handelsvolumen von bis zu 36,8 Milliarden Dollar und damit ungefähr doppelt so viel wie in der Vorsaison. Die Statistiker ermittelten zudem, dass das NFL-Handelsvolumen auf Prognosemärkten im August bereits 4,6-mal so hoch lag wie ein Jahr zuvor.

Die Zahlen sind allerdings nicht unmittelbar mit dem Einsatzvolumen klassischer Buchmacher vergleichbar. Auf Prognosemärkten können Kontrakte mehrfach zwischen verschiedenen Marktteilnehmern gehandelt werden. Dennoch verdeutlicht die Entwicklung, wie schnell sich sportbezogene Kontrakte zu einem wichtigen Geschäftsfeld entwickelt haben. Nach Angaben der AGA entfallen mittlerweile rund 80 Prozent des Kalshi-Volumens auf Sport.

Prognosemärkte wie Kalshi stehen Nutzern bereits ab 18 Jahren offen, während regulierte Sportwettenanbieter in den meisten US-Bundesstaaten ein Mindestalter von 21 Jahren verlangen. Die AGA schätzt das Kalshi-Volumen der 18- bis 20-Jährigen auf 5,1 Milliarden Dollar. Diese Altersgruppe liegt damit unter dem vorgeschriebenen Sportwettenalter in 35 der 40 US-Jurisdiktionen, in denen Sportwetten grundsätzlich legal angeboten werden dürfen.

Die AGA kritisiert zudem die steuerlichen Folgen. Die regulierte Glücksspielbranche unterstützt nach Angaben des Verbands 1,8 Millionen Arbeitsplätze und generiert durch Sportwetten jährlich rund 18 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen. Kalshi, Polymarket und andere Prognosemärkte sollen den Bundesstaaten seit 2025 dagegen potenzielle Glücksspielsteuern von mehr als 1,3 Milliarden Dollar entzogen haben.

Rechtsstreit um Sportkontrakte verschärft sich

Klassische Sportwetten sind inzwischen in 40 US-Jurisdiktionen erlaubt. Die AGA wirft Prognosemärkten vor, diese staatlichen und indigenen Regulierungsstrukturen zu umgehen und gleichzeitig auch in den 11 Bundesstaaten tätig zu sein, die Sportwetten nicht legalisiert haben. Damit erreichen entsprechende Angebote praktisch alle 50 Bundesstaaten sowie Washington, D.C.

Der Konflikt beschäftigt zunehmend die Gerichte. Ein Bundesberufungsgericht entschied zuletzt, dass Nevada seine Glücksspielvorschriften gegen Kalshis Sportkontrakte durchsetzen darf. New Jersey wandte sich anschließend an den Supreme Court, um die grundsätzliche Rechtmäßigkeit solcher Angebote klären zu lassen. Auch die NFL selbst sieht Risiken für die Integrität des Sports.

Sabrina Perel, Chief Compliance Officer der NFL, erklärt:

„Es ist äußerst besorgniserregend, dass Wetten aus den problematischen Kategorien, die wir bereits vor Monaten benannt haben, weiterhin als Kontrakte an Börsen angeboten werden.“

Die AGA-Prognose von 29,5 Milliarden Dollar umfasst unterdessen die komplette NFL-Saison einschließlich Preseason, bereits seit März abgeschlossener Langzeitwetten, Playoffs und Super Bowl LXI im Februar 2027. Während das regulierte Geschäft damit auf hohem Niveau stagniert, dürfte die Frage, wie Prognosemärkte künftig rechtlich eingeordnet werden, für die weitere Entwicklung des US-Sportwettenmarktes entscheidend werden.

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