StartRecht & BusinessSchwarzmarkt außer Kontrolle? 5-Punkte-Plan soll britische Spieler schützen

Schwarzmarkt außer Kontrolle? 5-Punkte-Plan soll britische Spieler schützen

• Illegales Online-Glücksspiel wächst in Großbritannien rasant.
• BGC fordert einen umfassenden Fünf-Punkte-Plan gegen den Schwarzmarkt.
• Bis 2028 könnten über 33 Milliarden Pfund bei illegalen Anbietern landen.


Die britische Glücksspielbranche schlägt Alarm. Nach Einschätzung des Betting and Gaming Council (BGC) wächst der Markt für illegales Online-Glücksspiel so schnell wie nie zuvor. Deshalb hat der Branchenverband nun einen umfassenden Fünf-Punkte-Plan vorgestellt, mit dem der Schwarzmarkt eingedämmt und Spieler besser geschützt werden sollen.

Hintergrund sind aktuelle Prognosen, die einen drastischen Anstieg illegaler Glücksspielaktivitäten erwarten. Laut Berechnungen von H2 Gambling Capital könnten die Einsätze bei nicht lizenzierten Anbietern von derzeit rund 17 Milliarden Pfund auf mehr als 33 Milliarden Pfund im Jahr 2028 steigen. Damit würde fast jedes fünfte online gesetzte Pfund in Großbritannien über den Schwarzmarkt laufen. Gleichzeitig warnt das World Advertising Research Center (WARC) davor, dass illegale Anbieter inzwischen fast 50 Prozent aller Glücksspiel-Werbeausgaben im Vereinigten Königreich ausmachen und innerhalb von zwei Jahren sogar die Mehrheit erreichen könnten.

Besonders besorgt zeigt sich der Verband mit Blick auf die Fußball-WM 2026. Großereignisse dieser Größenordnung gelten als ideale Gelegenheit für illegale Betreiber, neue Kunden zu gewinnen. Viele Plattformen locken mit anonymem Spielen, Kryptowährungen und dem Verzicht auf Identitätsprüfungen – alles Faktoren, die bei regulierten Anbietern nicht möglich sind.

Warum der Schwarzmarkt wächst
Nach Ansicht des BGC profitieren illegale Anbieter zunehmend von ihrer Sichtbarkeit im Internet. Viele Plattformen werben mit fehlenden Identitätskontrollen, höheren Einsatzmöglichkeiten oder Kryptowährungen. Gleichzeitig ahmen sie häufig das Erscheinungsbild seriöser Wettseiten nach. Für Verbraucher wird es dadurch schwieriger, legale und illegale Angebote auseinanderzuhalten. Der Verband befürchtet, dass strengere Regulierungen im legalen Markt unbeabsichtigt zusätzliche Spieler in Richtung Schwarzmarkt treiben könnten.

Der BGC betont, dass der regulierte Glücksspielsektor einen erheblichen Beitrag zur britischen Wirtschaft leistet. Nach Verbandsangaben erwirtschaftet die legale Branche jährlich 6,8 Milliarden Pfund, zahlt rund 4 Milliarden Pfund Steuern und sichert etwa 109.000 Arbeitsplätze. Illegale Betreiber dagegen leisten keinen Beitrag zu Steuereinnahmen, Sportförderung oder Spielerschutzprogrammen.

Die fünf Forderungen des BGC

1. Illegale Werbung konsequent bekämpfen

Der Verband fordert ein härteres Vorgehen gegen Werbenetzwerke, Suchmaschinen und Plattformen, die Werbung für nicht lizenzierte Anbieter verbreiten. Die Sichtbarkeit illegaler Angebote müsse deutlich reduziert werden.

2. Zahlungsströme unterbrechen

Banken, Zahlungsdienstleister und Finanzunternehmen sollen stärker eingebunden werden, um Transaktionen zu illegalen Glücksspielseiten zu blockieren. Dadurch soll den Betreibern die wirtschaftliche Grundlage entzogen werden.

3. Technologieunternehmen stärker in die Pflicht nehmen

Suchmaschinen, Hosting-Anbieter und soziale Netzwerke sollen schneller gegen illegale Glücksspielseiten vorgehen und entsprechende Inhalte entfernen.

4. Regulierungsfolgen prüfen

Der BGC fordert, neue Regulierungsmaßnahmen künftig stärker darauf zu überprüfen, ob sie unbeabsichtigt Spieler in den Schwarzmarkt treiben könnten.

5. Verbraucher besser informieren

Spieler sollen gezielter über die Risiken illegaler Angebote aufgeklärt werden. Dazu gehören Informationskampagnen, Aufklärung über fehlenden Spielerschutz und Hinweise zur Erkennung lizenzierter Anbieter.

Nach Angaben des BGC setzen jeden Monat rund 22,5 Millionen Erwachsene in Großbritannien auf legale Glücksspielangebote. Die überwältigende Mehrheit tue dies verantwortungsvoll und innerhalb des regulierten Marktes. Genau diese Spieler müssten vor illegalen Anbietern geschützt werden, so der Verband.

Grainne Hurst, CEO des Betting and Gaming Council, betont die Gefahr:

„Die Richtung ist eindeutig: Regulierte Unternehmen ziehen sich zurück, während der schädliche Schwarzmarkt rasant wächst.“

Ob die Politik die Forderungen des BGC aufgreift, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch schon jetzt: Der Kampf gegen den Glücksspiel-Schwarzmarkt wird zu einer der wichtigsten regulatorischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, könnte das illegale Online-Glücksspiel in Großbritannien schon bald eine Größenordnung erreichen, die weit über die Branche hinaus wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen hat.

ÄHNLICHE ARTIKEL

BELIEBTE ARTIKEL

Entdecke mehr von Gaming-Affairs

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen