• US-Börsenaufsicht warnt Prognosemärkte vor Quoten nach Vorbild klassischer Buchmacher.
• CFTC sieht Risiken für Transparenz und Verbraucherschutz.
• Anbieter sollen Preise künftig als Nominalwerte oder Wahrscheinlichkeiten darstellen.
Die US-amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) verschärft ihre Haltung gegenüber dem Erscheinungsbild von Prognosemärkten. In einem gemeinsamen Schreiben ihrer Division of Market Oversight und Market Participants Division warnt die Bundesbehörde regulierte Anbieter davor, Preise für Ereigniskontrakte im sogenannten American-Odds-Format darzustellen. Die Börsenaufsicht sieht darin ein mögliches Risiko für Verbraucher und die Marktintegrität.
Konkret geht es um die aus dem Sportwettenbereich bekannten Plus- und Minusquoten. Nach Ansicht der CFTC passt deren Darstellung nicht zu den von ihr regulierten Derivateprodukten.
American Odds stammen aus dem US-Sportwettenmarkt und zeigen über Plus- oder Minuszeichen, wie hoch der mögliche Gewinn beziehungsweise der notwendige Einsatz ist. Bei +200 bringt ein Einsatz von 100 US-Dollar beispielsweise 200 US-Dollar Gewinn, während bei -110 zunächst 110 US-Dollar eingesetzt werden müssen, um 100 US-Dollar Gewinn zu erzielen. Genau diese Darstellung hält die CFTC bei regulierten Ereigniskontrakten für problematisch.
Die Behörde fordert deshalb, Ereigniskontrakte stattdessen mit nominalen Werten oder prozentualen Wahrscheinlichkeiten auszuweisen. Damit soll für Nutzer unmittelbar erkennbar sein, dass sie einen marktpreisbestimmten Derivatekontrakt handeln und keine klassische Wette bei einem Buchmacher platzieren.
CFTC sieht Gefahr einer Vermischung mit Sportwetten
Die Warnung ist mehr als eine Designfrage. Die CFTC argumentiert, dass die Darstellung in Buchmacherquoten Nutzer über die tatsächliche Natur der Transaktion täuschen könnte. Gleichzeitig könnten wichtige Informationen über Markttiefe und Preiseinfluss weniger deutlich sichtbar werden.
Die beiden CFTC-Abteilungen erklären:
„Die Darstellung von Preisinformationen für Derivateprodukte in Quoten nach dem Vorbild von Buchmachern wird Marktteilnehmer wahrscheinlich über die Art der Transaktion irreführen, die sie eingehen, und ihnen den Zugang zu Informationen über Markttiefe und Preiseinfluss erschweren.“
Die Behörde fordert nun von allen betroffenen Unternehmen eine Überprüfung ihrer Preisgestaltung, Marketingmaterialien und sonstigen Informationen. Das gilt ausdrücklich auch für entsprechende Praktiken von Partnern und verbundenen Unternehmen. Die regulierten Unternehmen müssen den Erhalt des Schreibens bis zum 31. August 2026 bestätigen.
Besonders relevant ist die Vorgabe angesichts des rasanten Wachstums von Prognosemärkten im US-Sportbereich. Plattformen versuchen zunehmend, Ereigniskontrakte zu Themen wie Spielen, Meisterschaften oder einzelnen Ereignissen innerhalb von Sportveranstaltungen anzubieten. Gleichzeitig argumentieren die Anbieter, dass ihre Produkte keine klassischen Sportwetten, sondern von der CFTC regulierte Finanzinstrumente sind.
Die CFTC betont:
„Unternehmen müssen Ereigniskontrakte so kennzeichnen, dass die tatsächliche Preisbildung des Marktes klar und verständlich dargestellt wird.“
Hinter dem Streit steht eine größere regulatorische Auseinandersetzung. Die CFTC betrachtet Ereigniskontrakte als Derivate und beansprucht für diese Produkte eine weitreichende Bundeszuständigkeit.
Mehrere US-Bundesstaaten vertreten dagegen die Auffassung, dass bestimmte Sportkontrakte faktisch Sportwetten darstellen und deshalb unter die jeweiligen Glücksspielgesetze fallen. Gerichte haben bislang unterschiedlich entschieden. Die CFTC hat unter anderem Verfahren in New York, New Mexico und Kentucky angestrengt.
Streit um Sportkontrakte verschärft sich
Die Auseinandersetzung zwischen Bundes- und Landesbehörden bildet den größeren Hintergrund der aktuellen Warnung. Mehrere Bundesstaaten versuchen, den Zugang zu bestimmten Sportkontrakten einzuschränken. In Michigan und Nevada gab es Entscheidungen zugunsten der staatlichen Behörden, die unter anderem dazu führten, dass Kalshi den Zugang zu bestimmten Ereigniskontrakten einschränken musste. Gleichzeitig konnten Prognosemarkt-Anbieter beziehungsweise die CFTC in New Jersey, Arizona und Tennessee wichtige juristische Erfolge erzielen.
Kritiker werfen der Bundesbehörde deshalb vor, unter dem Schutz des Derivaterechts ein landesweites Wettangebot zu ermöglichen, das in einzelnen Bundesstaaten eigentlich nicht zulässig wäre. Die CFTC hält dagegen an der Unterscheidung zwischen einem marktpreisbestimmten Derivat und einer vom Buchmacher festgelegten Wette fest.
Die CFTC verteidigt zwar grundsätzlich die rechtliche Stellung der Prognosemärkte, verlangt von ihnen gleichzeitig aber eine deutlichere Abgrenzung vom klassischen Sportwettenangebot. Die Verwendung von American Odds könnte aus Sicht der Behörde diese Trennlinie verwischen.
Die Börsenaufsicht verweist zudem auf Untersuchungen, wonach die Darstellung von Wetten in American Odds zu einem risikoreicheren Verhalten von Sportwettern beitragen kann. Die Behörde behandelt die Angelegenheit deshalb ausdrücklich als Frage des Verbraucherschutzes und der Marktintegrität und nicht lediglich als optische Präferenz.
Für die Betreiber bedeutet die Warnung zunächst vor allem Anpassungsbedarf bei der Darstellung ihrer Produkte. Gleichzeitig könnte sie für die gesamte Branche richtungsweisend sein: Je stärker sich Prognosemärkte dem klassischen Sportwettenmarkt annähern, desto größer wird der regulatorische Druck, ihre Produkte eindeutig als Finanzinstrumente und nicht als gewöhnliche Wetten zu präsentieren.

