• In Italien will der Fußball an der Glücksspielsteuer beteiligt werden.
• Verband fordert einen Anteil von 2 Prozent an den Steuereinnahmen.
• Geld soll in Infrastruktur und Nachwuchsarbeit investiert werden.
Der italienische Fußball drängt auf eine stärkere Beteiligung an den Einnahmen aus dem Glücksspielsektor. Vertreter des Verbands Federazione Italiana Giuoco Calcio (FIGC) haben vorgeschlagen, künftig 2 Prozent der staatlichen Glücksspielsteuereinnahmen direkt dem Fußball zur Verfügung zu stellen. Der Vorstoß ist Teil einer umfassenderen Diskussion über die Finanzierung des Sports und die Zukunft der Glücksspielregulierung in Italien.
Nach Ansicht des Verbands profitiert der Glücksspielmarkt erheblich von der Popularität des Fußballs. Woche für Woche werden Millionen Wetten auf Spiele der Serie A, der Coppa Italia oder internationale Wettbewerbe abgegeben. Die FIGC argumentiert deshalb, dass ein kleiner Teil der staatlichen Einnahmen wieder in den Sport zurückfließen sollte, der die Grundlage vieler Wettangebote bildet.
Zusätzlichen Druck verspürt die FIGC auf sportlicher Ebene. Die italienische Nationalmannschaft verpasste die Qualifikation für die Fußball-WM 2026 und wird damit zum dritten Mal in den vergangenen fünf Weltmeisterschaftszyklen nicht am Turnier teilnehmen. Die erneute Enttäuschung hat die Debatte über Investitionen in Nachwuchsarbeit, Talentförderung und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des italienischen Fußballs weiter angeheizt.
Der Vorschlag wird insbesondere vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Herausforderungen vieler Vereine diskutiert. Zahlreiche Klubs kämpfen mit steigenden Kosten, Investitionsbedarf bei der Infrastruktur und wachsendem internationalen Konkurrenzdruck. Zusätzliche Einnahmen könnten nach Ansicht des Verbands dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit des italienischen Fußballs langfristig zu stärken.
Die FIGC betont, dass es bei der Forderung nicht nur um zusätzliche Einnahmen für Profiklubs geht. Auch Amateurvereine, Nachwuchsprogramme und Maßnahmen zur Integrität des Sports sollen von den Geldern profitieren. Der Verband sieht darin eine Investition in die Zukunft des gesamten italienischen Fußballs.
Geld für die Zukunft des Fußballs
Gleichzeitig verweist die FIGC darauf, dass andere Länder bereits Modelle kennen, bei denen Teile von Glücksspiel- oder Wettabgaben dem Sport zugutekommen. Italien würde mit einem solchen Schritt also keinen völlig neuen Weg einschlagen.
Ein Schwerpunkt der Initiative liegt auf der Modernisierung der Infrastruktur. Viele italienische Stadien gelten im internationalen Vergleich als sanierungsbedürftig. Zusätzliche Mittel könnten helfen, Modernisierungen schneller umzusetzen und die Attraktivität der Spielstätten zu erhöhen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Nachwuchsförderung. Die FIGC möchte die Ausbildung junger Talente stärken und Vereinen bessere Bedingungen für die Entwicklung künftiger Nationalspieler bieten. Auch Programme zur Bekämpfung von Spielmanipulation und Wettbetrug sollen finanziell gestärkt werden.
Gabriele Gravina, ehemaliger Präsident der FIGC, erklärt:
„Es ist angemessen, dass ein Teil der Einnahmen aus einem Sektor, der erheblich von der Popularität des Fußballs profitiert, wieder in die Entwicklung unseres Sports investiert wird.“
Die Forderung stößt allerdings nicht überall auf Zustimmung. Kritiker warnen davor, den finanziellen Zusammenhang zwischen Glücksspiel und Sport weiter auszubauen. Sie befürchten, dass dadurch neue Abhängigkeiten entstehen könnten. Zudem ist unklar, wie hoch die tatsächlichen Zusatzeinnahmen für den Fußball am Ende ausfallen würden.
Befürworter sehen dagegen vor allem die Chancen. Zusätzliche Mittel könnten Vereinen helfen, dringend notwendige Investitionen umzusetzen, ohne die Belastung für öffentliche Haushalte zu erhöhen. Gerade angesichts des internationalen Wettbewerbsdrucks sei dies ein wichtiger Faktor.
Ob die italienische Regierung den Vorschlag der FIGC aufgreift, bleibt vorerst offen. Die Debatte zeigt jedoch, dass die Beziehungen zwischen Glücksspielbranche und Fußball weiterhin ein politisch sensibles Thema bleiben. Mit der Forderung nach einem Anteil von 2 Prozent an der Glücksspielsteuer hat der Verband jedenfalls eine Diskussion angestoßen, die den italienischen Sport noch längere Zeit beschäftigen dürfte.

