• Betfred schließt 132 Shops in Großbritannien.
• Mehr als 600 Arbeitsplätze stehen vor dem Aus.
• Buchmacher macht steigende Steuern für Sparkurs verantwortlich.
Der britische Buchmacher Betfred hat einen der größten Einschnitte seiner Unternehmensgeschichte angekündigt. Das Unternehmen wird 132 Wettshops schließen und dabei mehr als 600 Arbeitsplätze abbauen. Die Schließungen sollen ab September 2026 beginnen und betreffen mehr als 10 Prozent des gesamten Filialnetzes. Nach Abschluss der Maßnahme wird Betfred noch rund 1.100 Wettshops in Großbritannien betreiben.
Nach Angaben des Unternehmens ist der Schritt eine direkte Folge der gestiegenen Kostenbelastung. Betfred verweist auf höhere Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, steigende Löhne, wachsende Betriebskosten sowie die zunehmende steuerliche Belastung des Glücksspielsektors. Kumuliert hätten diese Faktoren den wirtschaftlichen Betrieb zahlreicher Filialen unmöglich gemacht.
Steuern und Kosten setzen Wettanbieter unter Druck
Betfred-Geschäftsführerin Jo Whittaker macht insbesondere die jüngsten politischen Entscheidungen für den Stellenabbau verantwortlich. Neben den gestiegenen Personalkosten verweist sie auf die geplanten Änderungen bei den Glücksspielsteuern sowie auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld im Vereinigten Königreich.
Der Streit zwischen Betfred und dem britischen Finanzministerium hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Das Unternehmen warnt seit längerem, dass höhere Glücksspielsteuern zahlreiche stationäre Wettshops unrentabel machen könnten. Das Finanzministerium weist diese Darstellung jedoch zurück und betont, dass die Glücksspielabgaben für stationäre Wettbüros derzeit nicht erhöht wurden. Die laufende Steuerreform konzentriere sich vor allem auf den Online-Glücksspielmarkt und eine Vereinheitlichung der Abgabenstruktur.
Die Steuerpläne der britischen Regierung sehen unter anderem vor, die Remote Gaming Duty für Online-Casinospiele von 21 Prozent auf 40 Prozent anzuheben. Zusätzlich soll ab April 2027 eine neue Steuer von 25 Prozent auf Online-Sportwetten eingeführt werden. Nach Schätzungen der Regierung könnten dadurch bis zum Haushaltsjahr 2029/30 zusätzliche Einnahmen von 1,1 Milliarden Pfund erzielt werden.
Jo Whittaker, Chief Executive Officer von Betfred, erklärt:
„Die Kombination aus höheren Arbeitgeberabgaben, steigenden Lohnkosten, zusätzlichen Steuerbelastungen und wirtschaftlicher Unsicherheit lässt uns keine andere Wahl, als diese schwierige Entscheidung zu treffen.“
Die Schließungen haben auch Auswirkungen auf den britischen Pferderennsport. Wettshops leisten über Medienrechte und weitere Abgaben wichtige finanzielle Beiträge für die Rennbranche. Branchenvertreter befürchten deshalb, dass ein weiterer Rückgang stationärer Wettbüros auch die Einnahmen des Pferdesports spürbar belasten könnte.
Strukturwandel beschleunigt sich
Betfred ist nicht der einzige Anbieter, der auf den veränderten Markt reagiert. Auch andere große Buchmacher haben in den vergangenen Monaten Filialen geschlossen oder Stellen abgebaut. Der Trend spiegelt die zunehmende Verlagerung des Wettgeschäfts ins Internet wider, während gleichzeitig die regulatorischen Anforderungen für stationäre und digitale Anbieter steigen.
Trotz der Schließung vieler Wettbüros bleibt Betfred ein bedeutender Steuerzahler in Großbritannien. Im Geschäftsjahr 2024/25 entrichtete das Unternehmen nach eigenen Angaben nahezu 200 Millionen Pfund an Glücksspielabgaben sowie weitere 14 Millionen Pfund an kommunalen Gewerbesteuern. Nach Ansicht des Unternehmens zeigen diese Zahlen, welchen wirtschaftlichen Beitrag stationäre Wettshops weiterhin leisten – sowohl für den Staat als auch für viele Innenstädte.
Jo Whittaker betont außerdem:
„Diese Entscheidung ist uns außerordentlich schwergefallen. Unsere Priorität ist es nun, die betroffenen Mitarbeiter während dieses Prozesses bestmöglich zu unterstützen.“
Mit der Schließung von 132 Wettshops verliert der britische Wettmarkt einen weiteren Teil seines traditionellen Filialnetzes. Während Online-Angebote weiter wachsen, geraten stationäre Standorte zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Der Schritt von Betfred könnte daher auch für andere Buchmacher richtungsweisend sein, die sich ebenfalls mit steigenden Kosten und strengeren regulatorischen Vorgaben konfrontiert sehen.

