• Casino-Security-Personal in Macau steht wegen Bestechung unter Anklage.
• Neun Mitarbeiter sollen Glücksspielkriminelle vor der Polizei geschützt haben.
• Mutmaßliche Schmiergeldzahlungen belaufen sich auf umgerechnet gut 140.000 Euro.
Ein neuer Korruptionsfall erschüttert die Casino-Branche in Macau. Die dortige Kommission gegen Korruption (CCAC) wirft neun Sicherheitsmitarbeitern mehrerer Casinos im Stadtteil Cotai vor, über Jahre hinweg Glücksspielkriminelle gegen Bestechung geschützt zu haben. Anstatt Verdächtige nach ihrer Festnahme an die Polizei zu übergeben, sollen sie diese vor Strafverfolgung gewarnt und ihnen gegen Geld eine sichere Flucht ermöglicht haben.
Nach Angaben der Ermittler erstreckten sich die mutmaßlichen Taten von März 2022 bis Mai 2025. Insgesamt sollen die Beschuldigten dabei Schmiergelder in Höhe von rund 1,34 Millionen Macau-Pataca (MOP) erhalten haben. Das entspricht umgerechnet etwa 144.000 Euro. Die Ermittlungen führten schließlich zur Festnahme aller neun Verdächtigen.
Die Sicherheitsmitarbeiter waren bei mehreren großen Casino-Resorts beschäftigt. Nach Auffassung der Ermittler nutzten sie ihre Position gezielt aus, um Personen zu identifizieren, die bei unerlaubten Glücksspielaktivitäten wie illegalem Geldwechsel oder anderen Straftaten aufgegriffen worden waren. Statt diese ordnungsgemäß den Behörden zu übergeben, sollen sie gegen Bezahlung ihre Freilassung ermöglicht haben.
Ermittler sprechen von organisiertem Vorgehen
Nach den bisherigen Erkenntnissen handelte es sich nicht um Einzelfälle. Die Antikorruptionsbehörde geht vielmehr von einem systematischen Vorgehen aus. Verdächtige Glücksspielkriminelle sollen zunächst in den Sicherheitsbereichen der Casinos festgehalten worden sein. Anschließend hätten die Sicherheitskräfte Kontakt zu Komplizen aufgenommen, die Geldzahlungen organisierten und im Gegenzug zusicherten, dass die Betroffenen nicht der Polizei übergeben würden.
Die Kommission gegen Korruption (CCAC) ist eine unabhängige Ermittlungsbehörde Macaus. Sie untersucht Korruptionsdelikte sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor und besitzt weitreichende Befugnisse zur Strafverfolgung. In den vergangenen Jahren richtete die Behörde ihren Fokus verstärkt auf die Casino-Branche, nachdem mehrere Fälle von Bestechung, illegalem Geldwechsel und organisierter Kriminalität bekannt geworden waren.
Die Ermittlungen ergaben, dass auf diese Weise mindestens 48 Personen einer strafrechtlichen Verfolgung entgangen sein sollen. Die Schmiergeldzahlungen fielen dabei unterschiedlich hoch aus und richteten sich offenbar nach Art und Schwere des jeweiligen Delikts.
Die neun Beschuldigten müssen sich nun unter anderem wegen Bestechlichkeit, Amtsmissbrauchs sowie Beteiligung an organisierter Kriminalität verantworten. Die Ermittler prüfen zudem, ob weitere Personen aus dem Umfeld der Casinos oder krimineller Netzwerke beteiligt waren.
Die Kommission gegen Korruption (CCAC) erklärt dazu:
„Die Beschuldigten nutzten ihre berufliche Stellung aus, um Personen, die Glücksspielstraftaten begangen hatten, gegen finanzielle Vorteile vor der Strafverfolgung zu schützen.“
Der Fall sorgt in Macau für besondere Aufmerksamkeit, weil Sicherheitskräfte normalerweise eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung von Kriminalität innerhalb der Casinos spielen. Sie arbeiten eng mit der Polícia Judiciária zusammen und melden verdächtige Aktivitäten wie Betrug, Geldwäsche oder unerlaubte Geldwechsel.
Sicherheitsstandards geraten erneut in den Fokus
Macau verschärft seit mehreren Jahren seine Maßnahmen gegen glücksspielbezogene Kriminalität. Allein im ersten Halbjahr 2026 registrierten die Behörden insgesamt 1.278 glücksspielbezogene Straftaten. Das entsprach einem Anstieg von 32,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Behörden führen den Zuwachs vor allem auf die gestiegene Besucherzahl nach der Erholung des Tourismus sowie auf intensivere Kontrollen in den Casino-Resorts zurück.
Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die jüngsten Enthüllungen zu einer weiteren Verschärfung der internen Kontrollmechanismen führen werden. Casino-Betreiber dürften ihre Überwachungs- und Compliance-Systeme überprüfen und zusätzliche Maßnahmen einführen, um vergleichbare Vorfälle künftig zu verhindern. Gerade Sicherheitsmitarbeiter stehen dabei künftig noch stärker unter Beobachtung.
Die CCAC betont:
„Korruption innerhalb der Casino-Branche untergräbt das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit und beeinträchtigt die wirksame Bekämpfung glücksspielbezogener Kriminalität.“
Der Fall verdeutlicht, dass selbst umfangreiche Sicherheitsstrukturen nicht vor Korruptionsrisiken schützen. Gerade in einem der weltweit größten Glücksspielzentren können einzelne Mitarbeiter erheblichen Einfluss auf Strafverfolgung und Sicherheitsmaßnahmen nehmen. Für Macau kommt der Skandal zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da die Regierung erst in den vergangenen Jahren die Regulierung des Casinosektors deutlich verschärft und von den Betreibern höhere Standards bei Compliance und internen Kontrollen verlangt hat.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dürfte der Fall nicht nur strafrechtliche Konsequenzen für die Beschuldigten haben. Auch die betroffenen Casino-Unternehmen könnten ihre internen Sicherheitsprozesse grundlegend überarbeiten müssen, um das Vertrauen von Behörden, Investoren und Besuchern in die Integrität des Glücksspielstandorts Macau langfristig zu sichern.

