StartRecht & BusinessGesetzeNiederlande: Regierung plant Verbot von Online-Glücksspielwerbung

Niederlande: Regierung plant Verbot von Online-Glücksspielwerbung

• Werbeverbot für Online-Glücksspiel rückt in den Niederlanden näher.
• Regierung will Werbung stark einschränken und Lizenzen begrenzen.
• Spielerschutz soll über wirtschaftliche Interessen gestellt werden.


Ein Werbeverbot für Online-Glücksspiel steht in den Niederlanden offenbar kurz vor der Umsetzung. Die neue Regierungskoalition plant laut Branchenberichten ein weitreichendes Maßnahmenpaket, das Glücksspielwerbung drastisch einschränken und gleichzeitig die Zahl der Lizenzen für Anbieter begrenzen soll. Ziel ist es, vor allem junge Erwachsene und gefährdete Spieler besser zu schützen.

Konkret diskutiert die Koalition ein umfassendes Werbeverbot für Online-Casinos und Sportwetten, das über die bisherigen Restriktionen hinausgeht. Bereits jetzt sind personalisierte Werbung und Sponsoring im Sport stark reguliert. Künftig könnten jedoch nahezu alle Formen öffentlicher Werbung untersagt werden. Darunter würde neben TV-Spots und Online-Bannern auch die Außenwerbung fallen.

Die Politik reagiert damit auf wachsende Kritik aus Gesellschaft und Wissenschaft. Seit der Legalisierung des Online-Glücksspiels im Jahr 2021 sei die Sichtbarkeit von Wett- und Casinoangeboten stark gestiegen. Verbraucherschützer warnen, dass aggressive Marketingstrategien besonders junge Menschen anlockten und problematisches Spielverhalten begünstigten.

Michel Groothuizen, Vorsitzender der Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA), begrüßte den Vorstoß:

„Werbung darf nicht dazu führen, dass gefährdete Gruppen ständig mit Glücksspielangeboten konfrontiert werden. Prävention muss Vorrang haben.“

Neben dem Werbeverbot plant die Regierung offenbar auch eine Begrenzung neuer Lizenzen, um den Markt überschaubarer zu machen. Weniger Anbieter sollen die Aufsicht erleichtern und die Einhaltung strenger Spielerschutzregeln verbessern. Branchenvertreter warnen allerdings, dass zu harte Eingriffe legale Anbieter schwächen und Spieler wieder zu illegalen Plattformen abwandern könnten.

Boomender Markt gerät unter politischen Druck

Kontinuierlich steigende Umsätze zeigen, wie attraktiv der Markt mittlerweile geworden ist. Zugleich verstärkt dies den politischen Druck, da auch die Zahl der problematischen Fälle zunimmt. Studien deuten darauf hin, dass insbesondere junge Männer über Online-Wetten und Casino-Apps früh in riskantes Spielverhalten geraten.

Der Online-Glücksspielmarkt wächst in den Niederlanden seit 2021. So nahm der Bruttospielertrag von rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf etwa 1,5 Milliarden in 2024 zu. 2025 näherte er sich der Marke von 1,7 Milliarden Euro.

Experten sehen das geplante Werbeverbot als möglichen Wendepunkt. Während viele europäische Länder bislang auf Teilbeschränkungen setzten, würde ein nahezu vollständiges Verbot die Niederlande zu einem der strengsten Märkte machen. Die Regierung signalisiert damit klar, dass Spielerschutz vor Wachstum gehen soll.

Ob und wann die Maßnahmen konkret in Kraft treten, ist noch offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Für Anbieter und Werbepartner könnte sich der niederländische Markt grundlegend verändern. Für die Öffentlichkeit dürfte das Glücksspiel damit künftig deutlich weniger im Alltag präsent sein.

Glücksspielbranche warnt vor Verbot

Die niederländische Glücksspielbranche warnt derweil vor dem geplanten Werbeverbot für das Online-Glücksspiel. Branchenvertreter wie der Verband VNLOK befürchten, dass ein weitreichendes Verbot die Sichtbarkeit legaler Anbieter reduziert und das illegale Glücksspiel weiter stärken könnte.

Der VNLOK-Vorsitzende Björn Fuchs warnte:

„Die Menge illegaler Glücksspielwerbung auf Meta-Plattformen ist schockierend und untergräbt das Vertrauen in den regulierten Markt.“

Statt Werbeverboten plädiert der Verband für gezielte Beschränkungen, die junge Menschen und Risikogruppen schützen, ohne den regulierten Markt zu schwächen. Die Anbieter argumentieren, ein generelles Verbot könne dazu führen, dass Spieler wieder auf nicht lizenzierte Plattformen ausweichen, was dem Spielerschutz langfristig schade. Die Regierung will laut aktuellem Stand dennoch an ihrem restriktiveren Kurs festhalten.

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