• Die Planungen für neues Glücksspielgesetz in Österreich kommen voran.
• Monopol vs. Marktöffnung wird politisch verhandelt.
• Der Entwurf für neue Regulierungsstruktur wird bald erwartet.
Das Glücksspielgesetz in Österreich steht vor einer Neubewertung, die die seit Jahrzehnten bestehende Monopolordnung für Online-Glücksspiel auf den Prüfstand stellt. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf für einen neuen Glücksspiel-Monopol-Tender in Arbeit, der sowohl die künftige Marktstruktur als auch den Spielerschutz thematisiert.
Bisher ist der österreichische Online-Glücksspielmarkt durch Win2Day, eine Tochter der Österreichischen Lotterien, streng monopolisiert. Andere Anbieter dürfen nur über ausländische Lizenzen im sogenannten Graumarkt agieren. Die zentralen Konzessionen – sowohl für Lotterien und Online-Glücksspiel als auch für zahlreiche landbasierte Casinos – laufen zwischen 2027 und 2030 aus, was den politischen Druck zur Neuausrichtung der Regulierung erhöht.
Ein Knackpunkt in den aktuellen Gesprächen ist, ob Einzelkonzessionen weiterhin exklusiv sein sollen oder ob ein offeneres Lizenzsystem möglich ist. Während Teile der Regierung an der Monopolstruktur festhalten, argumentieren andere politisch wie wirtschaftlich, dass ein liberalisiertes System mehr Wettbewerb, höhere Steuereinnahmen und besseres Verbraucherschutz-Monitoring bringen könnte.
Politische Auseinandersetzungen und Spielerinteressen
Der neue Entwurf wird nicht nur über die reine Lizenzvergabe entscheiden, sondern auch über zentrale Regelungen zur Spielerschutzpolitik, dem Umgang mit illegalen Anbietern und technischen Kontrollmechanismen wie IP-Blocking oder Payment-Blocking. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass nicht lizenzierte Websites weiterhin österreichische Spieler erreichen.
Einflussreiche Branchenvertreter sind in Stellung, um auf eine Marktöffnung hinzuwirken. Christoph Pramhofer, Glücksspielsprecher der Neos im Nationalrat, bringt den wirtschaftlichen Aspekt auf den Punkt:
„Die Glücksspielabgabe ist eine wichtige Einnahmequelle. Wenn es um so große mögliche Einnahmenströme geht, ist unsere Aufgabe als Regierung, dass man das offen und wertoptimierend ausschreibt.“
Diese Haltung zeigt den wachsenden Druck innerhalb der Koalition, traditionelle Monopolmodelle zu überdenken. Mit den auslaufenden Lizenzen rückt auch der Zeitplan in den Vordergrund.
Experten erwarten, dass der Tenderprozess bereits im Sommer starten könnte, was wiederum eine zügige gesetzliche Grundlage erfordern würde. Dabei ist noch offen, ob die Reform noch 2026 in Kraft treten kann, oder ob politische und bürokratische Hürden den Prozess verzögern.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Österreichs Glücksspielgesetz eine der stärksten strukturellen Reformen der letzten Jahre erfährt. Zwischen Monopolinteressen, Marktöffnung und Spielerschutz wird sich entscheiden, wie der österreichische Markt ab 2027 organisiert sein wird.

