StartRecht & BusinessGesetzeAustralien zieht die Notbremse: Glücksspielwerbung wird eingeschränkt

Australien zieht die Notbremse: Glücksspielwerbung wird eingeschränkt

• Australien schränkt TV-, Radio- und Online-Glücksspielwerbung für Sport deutlich ein.
• Künftig gelten klare Werbeobergrenzen und ein Komplettverbot bei Live-Sport am Tag.
• Die Reform soll ab 1. Januar 2027 in Kraft treten.


Australien schränkt die Glücksspielwerbung künftig ein, und zwar deutlich schärfer, als es die Branche zuletzt erwartet hatte. Die Regierung von Premierminister Anthony Albanese hat ein umfassendes Reformpaket angekündigt, das Glücksspielwerbung im Fernsehen, Radio, Internet und im direkten Sportumfeld massiv zurückdrängen soll. Ziel ist vor allem, Kinder und Jugendliche deutlich seltener mit Wett- und Glücksspielwerbung zu konfrontieren.

Im Zentrum steht ein Schritt, der im australischen Sportmarkt besonders einschlagen dürfte: Während Live-Sportübertragungen am Tag wird Glücksspielwerbung künftig komplett verboten. Darüber hinaus dürfen im linearen Fernsehen zwischen 6:00 Uhr und 20:30 Uhr insgesamt nur noch maximal drei Glücksspielspots pro Stunde ausgestrahlt werden. Das ist kein Totalverbot, aber ein massiver Einschnitt in einem Markt, in dem Wettwerbung bislang nahezu allgegenwärtig war.

Auch im Radio zieht die Regierung die Zügel an. Glücksspielwerbung soll während der typischen Schulwegezeiten zwischen 8:00 und 9:00 Uhr sowie 15:00 und 16:00 Uhr untersagt werden. Online-Werbung bleibt nur dann zulässig, wenn Nutzer eingeloggt, über 18 Jahre alt sind und zusätzlich eine Opt-out-Möglichkeit für Glücksspielwerbung erhalten. Damit verschiebt Australien den Fokus klar in Richtung Zugangskontrolle statt bloßer Selbstregulierung.

Premierminister Albanese betont:

„Wir wollen nicht, dass Kinder damit aufwachsen, zu glauben, dass Fußball und Glücksspiel dasselbe sind.“

Besonders sichtbar wird die Reform im Sport selbst. Glücksspielanbieter dürfen künftig keine Prominente oder aktiven Sportler mehr in ihrer Werbung einsetzen. Zusätzlich sollen Wettwerbung in Sportstätten sowie auf den Trikots von Spielern und Offiziellen verboten werden. Damit greift die Regierung genau dort ein, wo die Verbindung zwischen Sport und Wetten in den vergangenen Jahren besonders stark geworden ist.

Weniger Werbung, mehr Eingriffe

Die Reform geht aber über klassische Werbebeschränkungen noch hinaus. Australien kündigt zugleich ein schärferes Vorgehen gegen „schädliche und neue Online-Lotterieprodukte“ an und will Online-Keno vollständig verbieten. Zusätzlich soll Match-Fixing ausdrücklich kriminalisiert und der Druck auf illegale Offshore-Anbieter erhöht werden. Wie genau diese Durchsetzung im Netz am Ende funktionieren soll, ist zwar noch offen – die politische Richtung ist aber eindeutig.

Auslöser für den Vorstoß war auch der politische Druck rund um den Parlamentsbericht „You win some, you lose more“ aus dem Jahr 2023. Darin wurden insgesamt 31 Empfehlungen ausgesprochen, darunter ursprünglich sogar ein vollständiges Werbeverbot für Online-Glücksspiel. Die Regierung geht nun nicht ganz so weit – setzt aber dennoch auf einen der schärfsten Regulierungsansätze, die Australien in diesem Bereich bislang gesehen hat.

Australien gilt seit Jahren als einer der sichtbarsten Märkte für Glücksspielwerbung im Sportbereich. Besonders Sportwetten wurden dort eng mit Live-Übertragungen, Expertenformaten und In-Play-Kommunikation verknüpft. Genau diese kulturelle Nähe zwischen Sport und Wetten geriet in den vergangenen Jahren zunehmend politisch und gesellschaftlich unter Druck.

Für die Branche bedeutet das: Weniger Reichweite, weniger Sportpräsenz, weniger Normalisierung. Für die Politik ist es ein Balanceakt zwischen legalem Markt, Werbefreiheit und öffentlicher Gesundheit. Und für Australien ist es vor allem ein klares Signal, dass Glücksspielwerbung künftig nicht mehr als selbstverständlicher Teil des Sportalltags behandelt werden soll.

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