• Sportwetten-Werbung beeinflusst laut Studie das Wettverhalten erheblich.
• Britische Forscher warnen vor negativen Effekten rund um die WM 2026.
• Besonders junge Männer reagieren stark auf Werbereize.
Werbung für Sportwetten steht erneut im Fokus der wissenschaftlichen Diskussion. Eine aktuelle Studie der University of Sheffield zeigt deutliche Zusammenhänge zwischen intensiver Glücksspielwerbung und verändertem Wettverhalten. Demnach steigt nicht nur die Zahl der Wetten, sondern auch deren Risiko, sobald Fans verstärkt mit Werbebotschaften konfrontiert werden.
Für die Untersuchung wurden mehrere tausend Erwachsene im Vereinigten Königreich befragt. Besonders auffällig: 72 Prozent der regelmäßig Sportinteressierten gaben an, während großer Turniere deutlich mehr Glücksspielwerbung wahrzunehmen.
Fast jeder Zweite dieser Gruppe setzte daraufhin häufiger oder mit höheren Einsätzen auf Sportwetten. Unter jungen Männern im Alter zwischen 18 und 34 Jahren lag dieser Anteil sogar bei rund 60 Prozent.
Riskanteres Wettverhalten
Die Studie zum Sportwettenmarkt hebt hervor, dass Werbung nicht nur zur Teilnahme motiviert, sondern auch das Verhalten verändert. 46 Prozent der Befragten erklärten, sie hätten durch Bonusangebote oder sogenannte „risk-free bets“ Einsätze platziert, die sie ohne Werbung nicht getätigt hätten. Gleichzeitig berichtet ein Drittel der regelmäßigen Wetter, dass es während stark beworbener Sportereignisse die Kontrolle über Zeit oder Geld teilweise verloren habe.
David Zendle, leitender Forscher der Studie an der University of Sheffield, erklärte:
„Unsere Daten zeigen klar, dass Werbung das Wettverhalten intensiviert – besonders in emotional aufgeladenen Momenten. Großereignisse wie eine Weltmeisterschaft wirken dabei wie ein Verstärker.“
Kritiker warnen, dass die massive Präsenz von Wettwerbung während Großturnieren zu einem sprunghaften Anstieg riskanter Einsätze führt. Studien zeigen, dass insbesondere Kombiwetten und Live-Wetten während solcher Phasen stark zunehmen, was das Verlustrisiko deutlich erhöht.
Besonders kritisch bewerten die Forscher die Wirkung von personalisierter Werbung. Nutzer, die bereits gewettet haben, erhielten laut Studie bis zu doppelt so viele zielgerichtete Angebote. Diese Form der Ansprache erhöhe die Wahrscheinlichkeit erneuter Einsätze signifikant. Gleichzeitig sei vielen Betroffenen nicht bewusst, wie stark Algorithmen ihr Spielverhalten beeinflussen.
Auch die BBC greift die Ergebnisse auf und verweist auf frühere Turniere. Während der WM 2022 sei das Wettvolumen in Großbritannien zeitweise um über 30 Prozent gestiegen. Parallel dazu habe sich die Anzahl der ausgestrahlten oder online platzierten Wettanzeigen vervielfacht – insbesondere in sozialen Medien und rund um Live-Übertragungen.
Die Autoren der Studie fordern nun strengere Regeln für Werbung im Umfeld großer Sportevents. Diskutiert werden zeitliche Beschränkungen, reduzierte Sichtbarkeit während Live-Spielen und ein Verbot besonders aggressiver Bonusversprechen. Ziel sei es, den Übergang von Unterhaltung zu problematischem Spiel zu verhindern.
Mit Blick auf die WM 2026 sehen Experten dringenden Handlungsbedarf. Die Studie mache deutlich, dass Glücksspielwerbung nicht neutral wirkt, sondern aktiv in Entscheidungsprozesse eingreift. Ob Politik und Regulierungsbehörden rechtzeitig reagieren, dürfte entscheidend dafür sein, wie stark Sportwetten während des kommenden Sommers an Fahrt aufnehmen.

