StartRecht & BusinessGesetzeFinnland öffnet den Markt: 24 Betreiber wollen Online-Glücksspiel-Lizenz

Finnland öffnet den Markt: 24 Betreiber wollen Online-Glücksspiel-Lizenz

• Bereits 24 Betreiber haben Lizenzanträge für Online-Glücksspiel in Finnland eingereicht.
• Markt geht schneller in die heiße Phase, als viele erwartet hatten.
• Der große Neustart ist für den 1. Juli 2027 geplant.


Online-Glücksspiel in Finnland war lange ein Monopolthema, bald wird daraus jedoch ein echter Wettbewerbsmarkt. Noch bevor der neue Lizenzrahmen überhaupt live geht, haben bereits 24 Betreiber Anträge bei den Behörden eingereicht. Das zeigt klar, dass der finnische Markt trotz der vergleichsweise kleinen Bevölkerung in der Branche als ernst zu nehmende Chance gesehen wird.

Der Hintergrund ist politisch wie wirtschaftlich relevant. Finnland verabschiedete im Dezember 2025 die neue Glücksspielreform, Präsident Alexander Stubb unterzeichnete das Gesetz im Januar 2026. Seit dem 1. März 2026 können Betreiber Lizenzen beantragen. Offiziell öffnen darf der Markt dann ab 1. Juli 2027. Damit endet die jahrzehntelange digitale Sonderrolle des Landes, in der Anbieter Veikkaus das Monopol auf große Teile des Online-Glücksspiels hielt.

Interessant ist dabei vor allem die Geschwindigkeit. Laut Berichten soll die Lizenzprüfung zwischen drei und sechs Monaten dauern. Gleichzeitig rechnen Marktbeobachter damit, dass zum Start nicht nur 24, sondern eher 40 bis 50 Lizenznehmer aktiv sein könnten. Brisant: Jeder lizenzierte Betreiber könnte dabei mehrere Marken in Finnland an den Start bringen.

Auch der Veikkaus-Manager Jarkko Nordlund zeigt sich optimistisch:

„Ich bin positiv, dass der Markt attraktiv und für alle geeignet sein wird, einzutreten – zumindest für die ernsthaften Anbieter.“

Das sagt einiges aus, gerade weil das Zitat vom bisherigen Monopolisten kommt. Denn Veikkaus wird im neuen Modell zwar weiter präsent bleiben, aber eben nicht mehr allein. Besonders im Bereich Online-Casino, Sportwetten und Online-Bingo wird Finnland künftig deutlich offener aufgestellt sein. Im Monopol bleiben dagegen Lotterien, Rubbellose und weite Teile des landbasierten Automatenspiels.

Kleiner Markt, große Erwartungen

Dass der Markt trotzdem so begehrt ist, liegt an der starken Online-Affinität finnischer Spieler. Laut Schätzungen von H2 Gambling Capital könnte der finnische iGaming-Markt 2026 insgesamt 1,9 Milliarden Euro an Bruttospielerträgen erreichen.

Davon sollen 1,1 Milliarden Euro allein auf das Segment „Gaming“ entfallen – und davon wiederum 81 Prozent das boomende Online-Glücksspiel. Hinzukommt ein weiterer Punkt: Rund 70 Prozent der finnischen Bevölkerung nehmen laut Branchenberichten jährlich an irgendeiner Form von Glücksspiel teil.

Finnlands Reform zielt nicht nur auf Wettbewerb, sondern auch auf Kanalisierung. Der Staat will mehr Spieler aus dem bislang schwer kontrollierbaren Offshore-Markt in ein reguliertes Umfeld holen. Künftig sollen lokale Lizenzen, Werberegeln und Aufsicht dafür sorgen, dass Umsätze, Kontrolle und Verbraucherschutz stärker im eigenen Land bleiben.

Genau darin liegt auch die eigentliche Relevanz dieses Umbaus. Finnland öffnet seinen Markt nicht aus reiner Liberalisierungslust, sondern weil das alte Modell digital immer schwerer zu verteidigen war. Für Europa ist das deshalb ein ziemlich deutliches Signal: Selbst Märkte mit starker Monopoltradition bewegen sich inzwischen in Richtung Mehranbieter-Modell.

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