StartRecht & BusinessGesetzeSpielerkarte, Werbebremse, Bargeld-Aus: Litauen baut den Markt radikal um

Spielerkarte, Werbebremse, Bargeld-Aus: Litauen baut den Markt radikal um

• In Litauen wird das Glücksspiel in den kommenden Jahren deutlich strenger reguliert.
• Künftig soll ohne verpflichtende Spielerkarte kein legales Glücksspiel mehr möglich sein.
• Dazu wird weniger Bargeld erlaubt und Werbung weiter beschränkt.


Das Glücksspiel wird in Litauen künftig rechtlich weiter beschränkt. Die Regierung will ab 1. Januar 2029 eine verpflichtende Spielerkarte einführen, die zur zentralen Zugangsvoraussetzung für legale Glücksspiele werden soll. Sie dürfte sowohl online als auch vor Ort in Spielhallen oder Casinos gelten. Wer keine solche Karte hat, soll künftig schlicht nicht mehr spielen können.

Das Ziel dahinter ist klar: mehr Nachvollziehbarkeit, weniger anonyme Einsätze und ein schärferes Instrument gegen problematisches Spielverhalten. Nach den Plänen der litauischen Regierung sollen mit der Karte künftig Einzahlungen, Gewinne und Aktivitäten spielerbezogen erfasst werden. Gleichzeitig soll das System helfen, auffällige Muster früher zu erkennen – also genau dort einzugreifen, wo Glücksspiel aus Sicht der Politik kippen könnte.

Begleitet wird dies von dem schrittweisen Ende klassischer Barzahlungen im legalen Glücksspiel. Auch dieser Teil der Reform soll bis 2029 umgesetzt werden. Betreiber erhalten dafür eine dreijährige Übergangsfrist, um Technik und Prozesse entsprechend umzubauen. Erste regulatorische Anpassungen sollen allerdings bereits ab 1. Mai 2027 greifen.

Litauens Finanzminister Kristupas Vaitiekūnas begründet den Schritt:

„Das stärkt die Prävention problematischen Glücksspiels und stellt sicher, dass das Hauptziel – die Verringerung des Zugangs zu Glücksspiel und seines potenziellen Schadens für die Gesundheit – tatsächlich erreicht wird.“

Die politische Stoßrichtung ist dabei nicht neu, aber sie wird jetzt deutlich konsequenter. Litauen hatte bereits in den vergangenen Jahren mehrfach signalisiert, dass der Glücksspielmarkt enger geführt werden soll. Mit der Spielerkarte wird aus diesem Kurs nun ein System, das viel stärker auf Identifizierung, Zentralisierung und staatliche Nachverfolgbarkeit setzt als bisher.

Weniger Werbung, mehr Überwachung

Die neue Spielerkarte ist allerdings nur ein Teil eines größeren Umbaus. Schon seit dem 1. Juli 2025 gelten in Litauen deutlich strengere Regeln für Glücksspielwerbung. Dabei handelt es sich um eine Übergangsphase vor einem vollständigen Werbeverbot ab 2028. Schon jetzt dürfen Anbieter ihre Marken im Außenraum nur noch sehr eingeschränkt zeigen, und klassische Glücksspielwerbung wurde massiv zurückgedrängt.

Erlaubt sind im Fernsehen, Radio und Internet aktuell nur noch Wettwerbungen mit einer Länge von maximal 15 Sekunden. Diese dürfen zwischen 06:00 und 18:00 Uhr höchstens dreimal pro Stunde, zwischen 18:00 und 00:00 Uhr höchstens zweimal pro Stunde ausgestrahlt werden. Auch online gelten zusätzliche Einschränkungen – etwa, dass Werbung nicht direkt auf Wettseiten verlinken darf.

Litauen verschärft seine Glücksspielpolitik nicht aus dem Nichts. Laut Regulierungsdaten stieg der Bruttospielertrag des Marktes von 44,6 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 241,9 Millionen Euro im Jahr 2024. Gleichzeitig entfielen bereits 73 Prozent des Marktes auf den Online-Bereich – ein zentraler Treiber für die härtere Regulierung.

Dass der politische Druck steigt, zeigt auch ein weiterer Wert: Allein 2024 wurden in Litauen 16.354 Anträge auf Selbstsperre gestellt. Seit 2017 summiert sich diese Zahl auf 78.690. Für ein vergleichsweise kleines Land ist das eine bemerkenswerte Entwicklung – und erklärt, warum die Regierung den Markt inzwischen nicht mehr nur regulieren, sondern deutlich enger kontrollieren will.

Für die Branche bedeutet das einen tiefen Einschnitt. Für den Spielerschutz ist es ein mutiger Versuch, legale Angebote deutlich stärker an Kontrolle und Identität zu binden. Und für Europa ist Litauen damit ein interessanter Testfall: Sollte das Modell funktionieren, könnte es in einigen Jahren auch in anderen Märkten als Blaupause auftauchen.

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