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Polymarket-Betrug – fünfstelliger Gewinn durch manipulierte Wetterdaten in Paris

• Polymarket meldet Betrug mit manipulierten Daten zum Wetter in Paris.
• Zehntausende Dollar Gewinn durch betrügerische Event Contracts.
• Gezielter Eingriff in Daten der Wetterstation am Flughafen.


Wetten auf das Wetter in Paris boten Anlass für einen ungewöhnlichen Betrug bei Polymarket. Frankreichs Wetterdienst Météo-France hat deshalb offiziell Anzeige erstattet. Zuvor waren auf dem Prognosemarkt Event Contracts dahingehend abgeschlossen worden, dass in der französischen Hauptstadt an einem bestimmten Tag Anfang März 2026 definierte Temperaturschwellen überschritten werden.

Entscheidend für den Betrugsfall ist, dass die Meldung der Wetterdaten der offiziellen Messstation am Charles-de-Gaulle-Flughafen manipuliert wurden. Am 6. April sowie am 15. April kam es demnach zu ungewöhnlichen Messwerten: Die Temperatur stieg innerhalb weniger Minuten um mehrere Grad Celsius, am 15. April begleitet von einem abrupten Feuchtigkeitsabfall. Genau zu diesen Zeitpunkten setzten einzelne Nutzer auf Polymarket gezielt auf steigende Temperaturen, und das mit bemerkenswerter Treffsicherheit.

Mit detaillierten Wetterkenntnissen zum hohen Wettgewinn

Am 6. April platzierte ein Konto kurz vor 19 Uhr eine Wette darauf, dass die Temperatur 21 °C erreichen würde. Die Eintrittswahrscheinlichkeit lag zu diesem Zeitpunkt bei lediglich 0,2 %. Mit einem Einsatz von unter 30 US-Dollar erzielte der Nutzer einen Gewinn von 13.990 US-Dollar. Parallel setzte derselbe Account auf Temperaturen über 18 °C (Wahrscheinlichkeit: 3,9 %) und gewann weitere 2.254 US-Dollar.

Am 15. April wiederholte sich das Muster. Innerhalb weniger Minuten sprang die gemessene Temperatur von 18 °C auf 22 °C, bevor sie wieder fiel. Ein anderer Nutzer hatte zuvor mit einem Einsatz von nur 119 US-Dollar auf Temperaturen über 18 °C gesetzt. Angesichts einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von lediglich 0,5 % lag der Gewinn bei über 21.000 US-Dollar.

Auffällig ist auch das Handelsvolumen: An beiden Tagen überschritt es auf dem Markt „Höchste Temperatur in Paris“ die Marke von 500.000 US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie üblich.

Zweifel wachsen – und der Verdacht erhärtet sich

Zunächst hielten Beobachter die Ausschläge für technische Fehler. Doch als sich das Muster wiederholte, wuchs die Skepsis. Besonders, weil Polymarket seine Wettabrechnungen direkt auf Basis der Messdaten von Météo-France am Flughafen durchführt.

Sébastien Brana vom Datendienstleister Infoclimat erklärt:

„Wir dachten, es sei ein Problem mit den Sensoren (…) Es kann bei Sonnenuntergang mit einem Sturm plötzliche Temperaturänderungen geben. Aber die Wetterlage erklärte nicht, was passierte.“

Spätestens nach dem zweiten Vorfall am 15. April sei klar gewesen, dass „etwas anderes im Gange war“, so Brana. Es entstand der Verdacht, dass es sich um eine gezielte Manipulation der Messgeräte handelte, um Polymarket-Wetten zu beeinflussen.

Erschwert wird die Aufklärung des aufsehenerregenden Falls durch ein strukturelles Problem. So verlangt Polymarket auf seiner internationalen Plattform meist keine Identitätsnachweise. Zwar sind Wallets öffentlich einsehbar, doch die tatsächlichen Personen dahinter bleiben anonym.

Prognoseplattformen wie Polymarket boomen, insbesondere bei Wetten auf politische Ereignisse in den USA. Doch genau hier liegt ein Problem: Insider könnten durch exklusives Wissen, etwa über Wahlausgänge, Entscheidungen oder Daten, gezielt profitieren. Anders als bei klassischen Finanzmärkten fehlen strenge Regulierungen. Das macht Manipulation schwer nachweisbar und untergräbt langfristig das Vertrauen in diese neuen Märkte.

Die Pariser Polizei und die Flughafenpolizei reagierten Medien zufolge nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme. Auch Polymarket hielt sich bedeckt. Klar ist: Die Ermittlungen laufen, doch der Fall zeigt bereits jetzt, dass neben Insiderwissen auch die Datenmanipulation eine mögliche Schwachstelle des boomenden Sektors darstellt.

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