• Streams von Online-Casinos werden in Kambodscha ab Oktober gestoppt.
• Behörden haben fast 30.000 Verdächtige festgenommen.
• Glücksspielsteuern sanken im ersten Halbjahr um 25,8 Prozent.
Kambodscha verschärft seinen Kampf gegen illegales Glücksspiel und technologiegestützte Kriminalität aus Online-Casinos. Ab Oktober sollen Online-Glücksspielangebote, die aus landbasierten Casinos heraus betrieben und per Livestream übertragen werden, landesweit eingestellt werden. Die Entscheidung geht auf Premierminister Hun Manet zurück und soll vor allem die Kontrolle über Geldströme sowie die Bekämpfung von Betrugsnetzwerken verbessern.
Innenminister Sar Sokha erklärte, Untersuchungen hätten gezeigt, dass Online-Glücksspiel aus den Casinos heraus nur schwer finanziell überwacht werden könne. Während der Aussetzung sollen Ministerien und andere staatliche Stellen neue rechtliche und technische Kontrollmechanismen entwickeln. Eine Wiederaufnahme ist demnach möglich, sobald ausreichende Schutzvorkehrungen und ein funktionierendes Aufsichtssystem geschaffen wurden.
Kambodschas Innenminister Sar Sokha erklärte:
„Unsere jüngsten Untersuchungen haben ergeben, dass Online-Glücksspiel aus Casinos heraus per Livestream übertragen wird und es für uns schwierig ist, die damit verbundenen Geldströme zu kontrollieren. Deshalb wird es ab Oktober vorerst ausgesetzt.“
Die Konsequenzen für Betreiber können erheblich sein. Casinos, die sich nicht an die neue Vorgabe halten, müssen laut Regierung mit dem Entzug ihrer Lizenz und weiteren rechtlichen Maßnahmen rechnen. Gleichzeitig arbeitet die Glücksspielbehörde (CGMC) an einem Bewertungsrahmen für „Integrität und Qualität“, der künftig Mindestanforderungen für neue und verlängerte Casino-Lizenzen festlegen soll.
Zwischen Juli 2025 und dem 31. August 2026 überprüften kambodschanische Behörden 793 verdächtige Standorte. An 624 Orten wurden Maßnahmen durchgeführt, 86 sogenannte Scam-Zentren aufgelöst und fast 30.000 Verdächtige aus 39 Nationalitäten festgenommen. Zudem wurden 408 Fälle mit 3.477 Beschuldigten aus 29 Nationalitäten an Gerichte übergeben. Mehr als 22.000 ausländische Staatsangehörige aus 38 Ländern wurden gerettet und in ihre Länder zurückgeführt.
Casinos geraten stärker unter Druck
Die Maßnahmen gegen illegale Online-Casinos stehen im Zusammenhang mit einer wesentlich umfassenderen Kampagne gegen technologiegestützte Betrugsdelikte. Im April 2026 verabschiedete Kambodscha ein Gesetz zur Bekämpfung solcher Straftaten, das unter anderem härtere Strafen für kriminelle Aktivitäten vorsieht, zu denen auch Freiheitsberaubung, Folter und Todesfälle gehören können.
Besonders betroffen ist inzwischen auch die klassische Casinoindustrie. Von Juli 2025 bis Ende August 2026 gingen die Behörden gegen 27 Casinos vor. Bei 18 Häusern wurde die Lizenz entzogen, während neun weitere vorübergehend geschlossen beziehungsweise suspendiert wurden. Die Regierung versucht damit, mögliche Verbindungen zwischen Glücksspielstandorten, illegalen Finanzströmen und Betrugsorganisationen stärker zu unterbinden.
Die Maßnahme kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Glücksspielgeschäft bereits unter finanziellem Druck steht. Die staatlichen Einnahmen aus Glücksspielsteuern gingen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 25,8 Prozent auf rund 28 Millionen US-Dollar zurück. Gleichzeitig erreichten die Einnahmen aus dem kommerziellen Glücksspiel 117,7 Prozent des für das gesamte Jahr gesetzten staatlichen Zielwerts.
Die Regierung will den Online-Bereich nicht grundsätzlich dauerhaft abschaffen, sondern zunächst unterbrechen und anschließend stärker regulieren. Geplant sind neue gesetzliche Vorgaben, technische Infrastruktur und zusätzliches Personal für die Überwachung. Damit soll ein „klares und effektives Managementsystem“ entstehen, bevor Online-Angebote aus den Casinos wieder zugelassen werden.
Die Entwicklung zeigt zugleich, wie eng Kambodscha inzwischen Glücksspielregulierung und die Bekämpfung organisierter Kriminalität miteinander verbindet. Bereits 2019 hatte das Land angekündigt, keine neuen Genehmigungen für reine Online-Glücksspielunternehmen mehr auszustellen. Nun richtet sich der regulatorische Druck auch gegen digitale Angebote, die von bestehenden landbasierten Casinos aus betrieben werden.

