• Spielerschutz in Großbritannien wird für Vielspieler deutlich verschärft.
• Neue Finanz-Risikoanalysen sollen gefährdete Kunden frühzeitig erkennen.
• Die meisten Spieler bleiben von den neuen Kontrollen vollständig unberührt.
Die britische Gambling Commission führt ein neues System zur finanziellen Risikoanalyse von Vielspielern ein. Ziel der verstärkten Maßnahmen zum Spielerschutz ist es, Kunden mit besonders hohen Einsätzen und möglichen finanziellen Problemen früher zu erkennen und gezielt zu unterstützen.
Die Einführung erfolgt schrittweise nach einer mehrjährigen Testphase sowie umfangreichen Gesprächen mit Glücksspielanbietern, Kreditagenturen und weiteren Interessengruppen. Die Behörde betont ausdrücklich, dass sich die neuen Maßnahmen ausschließlich an einen sehr kleinen Teil der Spielerschaft richten.
Die neuen Finanz-Risikoanalysen ersetzen in vielen Fällen die bislang üblichen Dokumentenprüfungen. Statt Kontoauszüge oder Gehaltsnachweise anzufordern, greifen die Anbieter auf Daten von Wirtschaftsauskunfteien zurück. Die Prüfung erfolgt automatisch, ohne Einfluss auf die Bonität des Kunden. Laut Pilotprojekt konnten 97 Prozent aller betroffenen Spieler auf diesem Weg überprüft werden. Weniger als 0,1 Prozent aller Spielerkonten benötigen voraussichtlich eine weitergehende manuelle Prüfung.
Hintergrund der Reform sind Studien der UKGC. Demnach besitzen Spieler mit sehr hohen Einsätzen ein deutlich höheres Risiko finanzieller Schwierigkeiten. Sie sind zwei- bis viermal häufiger in einem Schuldensanierungsprogramm und zwei- bis fünfmal häufiger von Zahlungsausfällen innerhalb der vergangenen zwölf Monate betroffen als die Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig würden viele dieser Kunden bislang von den Anbietern nicht erkannt und erhielten teilweise weiterhin Werbeangebote oder Bonusaktionen.
Einführung erfolgt in mehreren Stufen
In der ersten Phase gelten die neuen Regeln zunächst nur für die größten Glücksspielanbieter. Eine Finanz-Risikoanalyse wird zunächst erst dann ausgelöst, wenn Kunden ab 25 Jahren innerhalb von 24 Stunden einen Nettoeinzahlungsbetrag von mehr als 5.000 Pfund erreichen. Für Spieler unter 25 Jahren liegt diese erste Schwelle bei 2.500 Pfund innerhalb von 24 Stunden. Nach einer Einführungsphase sollen die Grenzwerte schrittweise abgesenkt werden.
Endgültig gelten deutlich niedrigere Schwellen. Für Spieler ab 25 Jahren wird eine Prüfung bei mehr als 1.000 Pfund Nettoeinzahlungen innerhalb von 24 Stunden oder 3.000 Pfund innerhalb von 90 Tagen ausgelöst. Für jüngere Erwachsene unter 25 Jahren liegen die Grenzen bei 750 Pfund innerhalb von 24 Stunden beziehungsweise 2.000 Pfund innerhalb von 90 Tagen. Damit berücksichtigt die Behörde das erhöhte Risiko jüngerer Spieler.
Sarah Gardner, kommissarische Geschäftsführerin der Gambling Commission, erklärt:
„Wir sind überzeugt, dass unser Ansatz mit hochwertigen Daten dabei hilft, Vielspieler in finanziellen Schwierigkeiten zu unterstützen und gleichzeitig unnötige sowie unpopuläre Dokumentenprüfungen für Kunden zu vermeiden, die keine finanziellen Probleme haben.“
Nach Angaben der Glücksspielaufsicht werden die allermeisten Kunden die neuen Prüfungen niemals bemerken. Selbst regelmäßige Spieler, die mehrere Hundert Pfund einsetzen oder gelegentlich größere Gewinne erzielen, sollen in der Regel nicht überprüft werden.
Mehrheit der Spieler bleibt unbeeinflusst
Lediglich außergewöhnlich hohe Nettoeinzahlungen lösen eine Risikoanalyse aus. Während der ersten Einführungsphase verzichtet die Behörde zudem auf Sanktionen gegen Betreiber, sofern diese die neuen Bewertungen noch nicht vollständig umgesetzt haben und alle übrigen Lizenzauflagen erfüllen.
Sollte eine Risikoanalyse auf finanzielle Schwierigkeiten hinweisen, entscheidet der jeweilige Glücksspielanbieter über angemessene Schutzmaßnahmen. Dazu können beispielsweise die Reduzierung von Werbemaßnahmen, die Empfehlung freiwilliger Einzahlungslimits oder weitere individuelle Unterstützungsangebote gehören. Die Ergebnisse dürfen ausschließlich für regulatorische Zwecke verwendet werden und nicht in kommerzielle Entscheidungen einfließen.
Mit dem neuen Verfahren möchte die Gambling Commission einen Mittelweg zwischen effektivem Spielerschutz und möglichst geringen Eingriffen für unauffällige Kunden schaffen. Durch den Verzicht auf umfangreiche Dokumentenprüfungen sollen gleichzeitig Reibungsverluste reduziert und die Gefahr verringert werden, dass Spieler aus Frust zu unregulierten Anbietern auf dem Schwarzmarkt wechseln.

