StartRecht & BusinessIllegale Online-Casinos kosten Europas Finanzämter Milliarden

Illegale Online-Casinos kosten Europas Finanzämter Milliarden

• Illegale Online-Casinos kosten die EU-Länder alljährlich Milliarden.
• Entgangene Steuereinnahmen 2025 bei 22,9 Milliarden Euro.
• European Casino Association fordert entschlossenes Handeln der Politik.


Illegale Online-Casinos entwickeln sich für Europa zunehmend zu einem milliardenschweren Problem. Nach einer aktuellen Studie der European Casino Association (ECA) in Zusammenarbeit mit Gambling Compliance International (GCI) entgingen den 27 EU-Mitgliedstaaten allein im Jahr 2025 rund 22,9 Milliarden Euro an Steuereinnahmen. Gleichzeitig wuchs der illegale Online-Glücksspielmarkt auf 91,6 Milliarden Euro Bruttospielertrag (GGR) an; ein Plus von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen wurden bei einem hochrangigen Fachgespräch im Europäischen Parlament vorgestellt.

Besonders alarmierend ist die Größe des Schwarzmarktes. Nach Angaben der ECA richten sich inzwischen mehr als 6.200 illegale Glücksspielanbieter gezielt an Verbraucher innerhalb der Europäischen Union. Bereits die Vorgängerstudie hatte gezeigt, dass illegale Betreiber einen erheblichen Teil des europäischen Online-Glücksspielmarktes kontrollieren und dabei weder Steuern zahlen noch verbindliche Spielerschutzregeln einhalten.

Nach Einschätzung der ECA arbeiten viele illegale Plattformen mit professionellen Marketingstrategien. Sie werben über Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Affiliate-Websites, imitieren teilweise das Erscheinungsbild lizenzierter Anbieter und locken Kunden mit unrealistisch hohen Bonusangeboten oder fehlenden Einsatzlimits. Gleichzeitig entziehen sie sich Steuern, Spielerschutzauflagen und Kontrollen gegen Geldwäsche. Dadurch entstehen Wettbewerbsnachteile für legale Anbieter und erhebliche Risiken für Verbraucher.

Die Branchenvereinigung warnt davor, das Problem ausschließlich als Glücksspielthema zu betrachten. Vielmehr gehe es inzwischen um organisierte Kriminalität, Geldwäsche, Verbraucherschutz und erhebliche Einnahmeverluste für die öffentlichen Haushalte.

Schwarzmarkt wächst deutlich schneller als legales Angebot

Die neuen Zahlen zeigen, dass der illegale Markt weiter an Dynamik gewinnt. Mit einem geschätzten Bruttospielertrag von 91,6 Milliarden Euro erreicht der Schwarzmarkt inzwischen eine Größenordnung, die viele nationale Glücksspielmärkte deutlich übertrifft. Gleichzeitig entgehen den Mitgliedstaaten Jahr für Jahr 22,9 Milliarden Euro, die ansonsten in Bildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur oder den Ausbau von Spielerschutzmaßnahmen fließen könnten.

Die ECA sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf auf europäischer Ebene. Im Mittelpunkt stehen eine konsequentere Durchsetzung des Digital Services Act (DSA), ein schnelleres Entfernen illegaler Werbung sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Regulierungsbehörden, Strafverfolgungsbehörden und Online-Plattformen.

Erwin van Lambaart, Vorsitzender der European Casino Association, erklärt:

„Jeder Euro, der an kriminelle Betreiber verloren geht, ist ein Euro, der europäischen Bürgern, legalen Unternehmen und unseren Gemeinschaften gestohlen wird.“

Nach Auffassung der ECA reicht es nicht aus, ausschließlich einzelne Webseiten zu sperren. Vielmehr müssten auch Zahlungsdienstleister, Suchmaschinen, Werbenetzwerke und soziale Medien stärker in die Verantwortung genommen werden, damit illegale Anbieter ihre Angebote nicht mehr so einfach verbreiten können.

Verbraucher geraten zunehmend ins Visier

Neben den finanziellen Folgen hebt die Studie vor allem die Risiken für Spieler hervor. Illegale Plattformen unterliegen weder verbindlichen Alterskontrollen noch Sperrsystemen oder Vorgaben zum verantwortungsvollen Glücksspiel. Auch Maßnahmen gegen Geldwäsche oder Betrug fehlen häufig vollständig.

Hinzu kommt, dass viele der illegalen Anbieter außerhalb Europas operieren und sich dadurch dem Zugriff nationaler Behörden entziehen. Für Verbraucher wird es dadurch oftmals schwierig zu erkennen, ob eine Plattform tatsächlich über eine gültige Lizenz verfügt oder lediglich den Eindruck eines legalen Angebots vermittelt.

Die European Casino Association fordert deshalb ein gemeinsames Vorgehen aller EU-Staaten. Nur wenn Regulierungsbehörden, Strafverfolger, Technologieunternehmen und die legale Glücksspielbranche enger zusammenarbeiten, lasse sich das Wachstum des Schwarzmarktes nachhaltig eindämmen.

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