• Werbung für Prognosemärkte ist bei der NFL künftig verboten.
• Das Verbot gilt auch für Stadien, Clubs und Spieler.
• DraftKings, FanDuel und Fanatics bleiben offizielle Partner.
Die National Football League (NFL) hat ihre Haltung zu Prognosemärkten erstmals offiziell und ausdrücklich formuliert. Werbung für entsprechende Plattformen ist während NFL-Spielen verboten. Die Regelung umfasst darüber hinaus Werbeflächen in Stadien, Sponsoring von Clubs sowie persönliche Werbekooperationen mit Spielern. Damit zieht die Liga eine klare Grenze zu einem Markt, der in den USA zuletzt stark gewachsen ist.
Tim Schlittner, Director of Communications der NFL, erklärt:
„Jegliche Werbung für Prognosemärkte während NFL-Spielen ist verboten. Dieses Verbot erstreckt sich auf Beschilderungen im Stadion, Club-Sponsoring und Werbekooperationen der Spieler.“
Auch für die drei offiziellen Sportwettenpartner der Liga gelten besondere Einschränkungen. DraftKings, FanDuel und Fanatics Betting and Gaming haben am 27. August 2026 jeweils mehrjährige Vereinbarungen mit der NFL geschlossen. Diese ermöglichen unter anderem die Nutzung von NFL-Marken, Werbung im Zusammenhang mit Sportwetten sowie den Zugriff auf offizielle Echtzeitdaten.
Die American Gaming Association (AGA) dürfte den Schritt der Liga begrüßen. Der Glücksspielverband sieht Prognosemärkte als unfaire Konkurrenz zum regulierten Sportwettenmarkt. Nach Angaben des Verbands könnten Plattformen wie Kalshi und Polymarket den Bundesstaaten seit 2025 mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar an potenziellen Glücksspielsteuern entzogen haben. Die regulierte Glücksspielbranche unterstützt laut AGA 1,8 Millionen Arbeitsplätze und generiert jährlich rund 18 Milliarden US-Dollar an Sportwetten-Steuern.
NFL trennt Unternehmen und Produkte
Entscheidend ist dabei eine Besonderheit der neuen Vereinbarungen: Die NFL lizenziert nicht pauschal die Unternehmen, sondern bestimmte Produkte. Die drei offiziellen Partner betreiben selbst Angebote im Bereich der Prognosemärkte. Die Rechte aus den neuen Verträgen beziehen sich jedoch auf die genehmigten Sportwettenprodukte und übertragen sich nicht automatisch auf die Event-Kontrakte der Unternehmen.
Das bedeutet konkret: Ein Unternehmen wie DraftKings darf im Umfeld von NFL-Spielen werben, darf dort aber nicht für sein Prognosemarkt-Angebot werben. Auch allgemeine Unternehmenswerbung ist nach den nun bestätigten Regeln während NFL-Spielen ausgeschlossen. Schlittner stellte ausdrücklich klar, dass Sportwettenpartner während der Übertragungen eines ihrer von der NFL genehmigten Produkte bewerben müssen.
DraftKings hatte kurz zuvor eine neue Kampagne mit dem Titel „Take Your Game Anywhere“ gestartet. Sie stellt das Unternehmen als in allen 50 US-Bundesstaaten verfügbar dar, wobei Sportwetten- und Prognoseangebote gemeinsam betrachtet werden. Nach Angaben des Unternehmens läuft diese Kampagne jedoch nicht in den für NFL-Übertragungen reservierten Werbezeiten.
Stephen Miraglia, Senior Director of Communications bei DraftKings, erklärt:
„Die NFL hat klargestellt, dass kreative Inhalte, die während NFL-Programmen ausgestrahlt werden, den Richtlinien entsprechen müssen, die sie ihren Partnern vorgibt. DraftKings hält sich an diese Vorgaben, und die von uns während NFL-Programmen ausgestrahlte Werbung wurde von der NFL genehmigt.“
Die NFL hatte ihre drei Partnerschaften Ende August für die Saison 2026 neu geordnet. DraftKings und FanDuel, die bereits seit 2021 zu den offiziellen Partnern gehören, erhielten jeweils neue mehrjährige Verträge. Fanatics kam als dritter offizieller Sportwettenpartner hinzu. Zu den Vereinbarungen gehören neben Werbung auch Auftritte bei Großereignissen wie dem Super Bowl und dem NFL Draft sowie spezielle Hospitality- und VIP-Angebote.
Klassische Buchmacher und Prognosemärkte konkurrieren
Die verschärfte Werberegel kommt in einer Phase, in der Prognosemärkte gerade im Sport stark expandieren. Nach Angaben der AGA machen Sportkontrakte inzwischen rund 80 Prozent des Volumens von Kalshi aus. Allein Nutzer im Alter von 18 bis 20 Jahren sollen dabei ein Handelsvolumen von rund 5,1 Milliarden US-Dollar generiert haben. Diese Altersgruppe liegt in 35 von 40 US-Jurisdiktionen mit legalen Sportwetten unter dem dort geltenden Mindestalter von 21 Jahren.
Gleichzeitig stagniert der klassische NFL-Sportwettenmarkt. Die AGA erwartet für die Saison 2026 ein legales Wettvolumen von 29,5 Milliarden US-Dollar, nach 29,4 Milliarden US-Dollar in der vorherigen Saison. Damit wäre praktisch kein Wachstum zu verzeichnen. Die Prognose umfasst die Preseason, Futures-Wetten seit März, die Playoffs und den Super Bowl LXI im Februar 2027.
Die AGA sieht einen Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und der Expansion der Prognosemärkte. Der Verband argumentiert, dass diese Plattformen Sportkontrakte außerhalb der etablierten einzelstaatlichen Sportwettenregulierung anbieten. Die Anbieter selbst vertreten dagegen die Position, dass ihre Produkte als Finanzkontrakte und nicht als klassische Sportwetten einzuordnen sind. Diese rechtliche Auseinandersetzung beschäftigt inzwischen sowohl Bundes- als auch Landesbehörden.
Die NFL verfolgt derweil einen vorsichtigen Kurs. Commissioner Roger Goodell erklärte zuletzt, die Liga wolle zunächst stärkere regulatorische Rahmenbedingungen und einen besseren Schutz der Integrität des Sports sehen, bevor Partnerschaften mit Prognosemarkt-Anbietern infrage kämen. Die nun bestätigte Werberegelung passt zu diesem Ansatz: Die NFL erlaubt Sportwettenpartnerschaften, zieht bei Prognosemärkten aber weiterhin eine klare Grenze.
Für die Anbieter bedeutet das, dass die enorme Reichweite der NFL nicht ohne Weiteres für die Vermarktung von Sportkontrakten genutzt werden kann. Während DraftKings, FanDuel und Fanatics ihre zugelassenen Sportwettenangebote im NFL-Umfeld bewerben dürfen, bleiben Prognosemärkte von Spielen, Stadien, Club-Sponsoring und Spieler-Endorsements ausgeschlossen. Damit hat die NFL ihre Position für die Saison 2026 erstmals öffentlich und detailliert festgelegt.

