• Werbung für Prognosemärkte nimmt in den USA rasant zu.
• Die AGA sieht Risiken für Verbraucher und den Spielerschutz.
• Viele Nutzer verwechseln Prognosemärkte mit klassischen Investments.
Die Werbung für Prognosemärkte wie Kalshi oder Polymarket erreicht in den USA immer mehr Menschen – und genau das bereitet der American Gaming Association (AGA) Sorgen. Eine neue Untersuchung des Branchenverbands zeigt, dass fast 80 Prozent der Verbraucher davon ausgehen, bei Problemen mit Prognosemarkt-Plattformen auf staatlichen Schutz vertrauen zu können.
Gleichzeitig betrachten 28 Prozent der Nutzer ihre Aktivitäten auf solchen Plattformen als Investition. Bei klassischen Sportwetten sind es dagegen lediglich 9 Prozent. Hinzu kommt: Nur 28 Prozent der Befragten geben an, verantwortungsvolle Schutz- und Hilfsangebote auf Prognosemarkt-Plattformen leicht finden zu können.
Komplexe Risikowahrnehmung
Auch die Wahrnehmung der Risiken fällt unterschiedlich aus. Zwar erklären 58 Prozent der Nutzer von Prognosemärkten, dass ihnen mögliche Glücksspielrisiken bewusst seien. Die AGA sieht dennoch erhebliche Probleme. Nach Ansicht des Verbands deutet die Kombination aus Investment-Sprache, Finanzmarkt-Image und aggressiver Werbung darauf hin, dass viele Verbraucher die tatsächliche Natur dieser Angebote falsch einschätzen.
Bill Miller, Präsident der American Gaming Association, betont:
„Diese Untersuchung zeigt erneut, warum staatlich und von Stämmen regulierte Sportwettenanbieter wichtig sind. Sie bieten Aufsicht und Schutzmechanismen, mit denen Prognosemärkte derzeit nicht mithalten können.“
Die Untersuchung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Prognosemärkte in den USA stark wachsen. Plattformen wie Kalshi werben inzwischen offensiv rund um Sportereignisse, politische Wahlen und wirtschaftliche Entwicklungen. Nutzer können dort auf den Ausgang künftiger Ereignisse setzen und die entsprechenden Kontrakte handeln. Kritiker sehen darin faktisch eine neue Form des Wettens, während die Betreiber ihre Produkte häufig als Finanzinstrumente präsentieren.
Für die AGA liegt genau darin das Problem. Anders als lizenzierte Sportwettenanbieter unterliegen Prognosemärkte nicht den gleichen Vorgaben der einzelnen Bundesstaaten. Der Verband warnt deshalb vor einer Regulierungslücke, die Verbraucher benachteiligen könnte.
Streit um die Zukunft der Prognosemärkte
Die Studie kritisiert insbesondere die zunehmende Werbepräsenz der Branche. Prognosemärkte investieren verstärkt in Online-Kampagnen, Medienkooperationen und Influencer-Marketing. Dadurch erreichen sie Zielgruppen, die möglicherweise bisher wenig Berührung mit Sportwetten oder anderen Glücksspielen hatten. Gleichzeitig werde in vielen Werbebotschaften stärker auf Renditechancen und Marktmechanismen verwiesen als auf mögliche Verlustrisiken.
Die Diskussion um Prognosemärkte hat längst eine politische Dimension erreicht. Regulierungsbehörden, Glücksspielverbände und Unternehmen streiten darüber, ob die Angebote als Finanzprodukte oder als Glücksspiel eingestuft werden sollten. Die Entscheidung könnte erhebliche Auswirkungen auf Aufsicht, Besteuerung und Verbraucherschutz haben.
Die umstrittene Haltung der AGA gegenüber Prognosemärkten sorgt seit Monaten für Spannungen innerhalb der Branche. Anfang 2026 verließen unter anderem OpenBet und Sportradar den Verband. Hintergrund waren unterschiedliche Ansichten über die regulatorische Behandlung der neuen Plattformen. Während die AGA strengere Regeln und eine klare Abgrenzung zu regulierten Sportwetten fordert, sehen andere Unternehmen in Prognosemärkten eine innovative Weiterentwicklung digitaler Handels- und Wettmodelle. Der Konflikt verdeutlicht, wie umstritten das Thema inzwischen geworden ist.
Die Kontroverse hat inzwischen auch den Profisport erreicht. Anfang 2026 untersagte die NFL Werbung für Prognosemärkte während des Super Bowl. Die Liga verwies auf offene regulatorische Fragen und Unterschiede zu klassischen Sportwettenanbietern. Für die Branche war dies ein deutliches Signal, dass die Akzeptanz der neuen Plattformen keineswegs selbstverständlich ist.
Die AGA sieht in den Ergebnissen ihrer Untersuchung vor allem einen Handlungsauftrag für Politik und Aufsichtsbehörden. Verbraucher müssten klar erkennen können, ob sie an einem regulierten Wettangebot teilnehmen oder auf einer Plattform handeln, die anderen Regeln unterliegt. Aus Sicht des Verbands ist diese Transparenz entscheidend, um Fehlwahrnehmungen und Risiken zu reduzieren.
Mit dem weiteren Wachstum von Kalshi, Polymarket und anderen Anbietern dürfte die Debatte in den kommenden Monaten weiter an Fahrt aufnehmen. Die zentrale Frage bleibt, ob Prognosemärkte künftig als Finanzprodukte, als Glücksspiel oder als eigenständige Kategorie behandelt werden. Die Antwort darauf könnte die Zukunft eines milliardenschweren Marktes maßgeblich beeinflussen.

