StartRecht & BusinessNiederlande: Legales Online-Glücksspiel stagniert, doch Schwarzmarkt wächst

Niederlande: Legales Online-Glücksspiel stagniert, doch Schwarzmarkt wächst

• Legales Online-Glücksspiel in den Niederlanden stagniert auf konstantem Niveau.
• Online-Schwarzmarkt legt hingegen zu.
• Regulierer schlagen Alarm wegen sinkender Kanalisierung.


Das legale Online-Glücksspiel in den Niederlanden weist kaum noch Wachstum auf. Was einst als Erfolgsgeschichte der Regulierung galt, zeigt inzwischen deutliche Ermüdungserscheinungen. Aktuelle Daten der Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit belegen: Der legale Markt wächst kaum noch, während illegale Angebote zunehmend an Boden gewinnen.

Im Frühjahr 2026 lag der Bruttospielertrag stabil bei rund 1,47 Milliarden Euro pro Jahr und damit nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der aktiven Spielerkonten stagnierte laut KSA bei etwa 1,1 bis 1,2 Millionen. Das entspricht rund 7 bis 8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung – ein Wert, der seit Monaten kaum Bewegung zeigt.

Besonders kritisch: Die sogenannte Kanalisierungsquote, also der Anteil der Spieler im legalen Markt, ist rückläufig. Während sie 2023 noch bei etwa 90 Prozent lag, wird sie inzwischen nur noch auf 80 bis 85 Prozent geschätzt. Das bedeutet, dass ein wachsender Teil der Spieler auf nicht regulierte Anbieter ausweicht.

Ein KSA-Sprecher verwies auf zunehmende Risiken für den Spielerschutz:

„Wir sehen, dass das Wachstum des legalen Marktes zum Stillstand gekommen ist, während illegale Angebote attraktiver werden.“

Ein Grund dafür liegt in strengeren Werbebeschränkungen und Maßnahmen zum Spielerschutz, die legale Anbieter zunehmend einschränken. Gleichzeitig agieren illegale Plattformen ohne vergleichbare Auflagen, dafür oft mit aggressiveren Bonusangeboten und weniger Kontrolle.

Warum der Schwarzmarkt wieder stärker wird

Die Entwicklung wirft grundlegende Fragen zur Balance zwischen staatlicher Glücksspielgesetzgebung und Marktattraktivität auf. Zwar sollten strengere Regeln problematisches Spielverhalten eindämmen, doch sie könnten unbeabsichtigt Spieler in unkontrollierte Bereiche treiben.

Laut Branchenanalysen liegt der Anteil der Spieler, die zumindest gelegentlich illegale Seiten nutzen, inzwischen bei rund 15 bis 20 Prozent. Besonders jüngere Zielgruppen zeigen sich anfällig für diese Angebote, die oft leichter zugänglich sind und weniger Einschränkungen bieten.

Auch wirtschaftlich ist die Stagnation spürbar. Trotz stabiler Umsätze bleibt das Wachstum aus, während gleichzeitig die Kosten für Compliance und Regulierung steigen. Für Anbieter wird es dadurch schwieriger, profitabel zu arbeiten.

Seit der Legalisierung im Jahr 2021 hat sich der niederländische Glücksspielmarkt zunächst dynamisch entwickelt. Die Zahl lizenzierter Anbieter stieg kontinuierlich, ebenso die Umsätze. Inzwischen zeigt sich jedoch eine Phase der Konsolidierung.

Gleichzeitig bleibt die politische Diskussion groß. So sind weitere Einschränkungen im Bereich Werbung und Spielerschutz bereits im Gespräch. Dies sind jedoch Maßnahmen, die den Trend zum unlizenzierten Spiel möglicherweise weiter verstärken könnten.

Fest steht: Das niederländische Modell steht an einem Wendepunkt. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, den legalen Markt wieder attraktiver zu machen oder ob der Schwarzmarkt weiter an Einfluss gewinnt.

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