• Prognosemärkte wie Polymarket treiben einen Keil in die US-Glücksspielbranche.
• Mit OpenBet und Sportradar verlassen weitere Schwergewichte den US-Glücksspielverband.
• Der Streit dreht sich um die Abgrenzung von Wetten und Prognosemärkten.
Die boomenden Prognosemärkte sowie der US-Glücksspielverband stehen im Zentrum eines wachsenden Konflikts, der die American Gaming Association (AGA) zunehmend Mitglieder kostet. Nachdem bereits zuvor Kritik an der Haltung des Verbands zu Prognosemärkten wie Polymarket und Kalshi laut geworden war, haben nun mit OpenBet und Sportradar zwei weitere prominente Unternehmen ihren Austritt erklärt. Damit verschärft sich der Richtungsstreit darüber, wie stark sich die Branche von Plattformen abgrenzen sollte, die Ereignisse über Marktmechanismen „vorhersagen“ lassen.
Auslöser ist die Sorge vieler klassischer Wettanbieter, dass Prognosemärkte faktisch Sportwetten und politische Wetten abbilden, aber nicht unter die gleichen regulatorischen Regeln fallen. Die AGA hatte in den vergangenen Monaten eine harte Linie vertreten und solche Modelle als Umgehung der Glücksspielregulierung kritisiert. Immer mehr Branchenvertreter halten diese Haltung jedoch für zu konfrontativ und strategisch riskant.
Prognosemärkte funktionieren wie Handelsplätze: Nutzer kaufen und verkaufen Anteile an möglichen Ereignissen. Der Preis spiegelt dabei die erwartete Eintrittswahrscheinlichkeit wider. Kritiker sehen darin verkappte Wetten, Befürworter hingegen ein wichtiges Informationsinstrument.
Mit dem Abgang von OpenBet und Sportradar verliert der Verband nicht nur zwei Mitglieder, sondern auch wichtige Technologie- und Datenpartner der Branche. Beobachter werten das als Signal, dass der Konflikt nicht mehr nur eine Grundsatzdebatte ist, sondern handfeste wirtschaftliche Interessen berührt. So werden Prognosemärkte von Investoren und Medien zunehmend als neues, dynamisches Segment wahrgenommen.
Was hinter dem Streit steckt
Die AGA verteidigt ihren Kurs und warnt vor einem unkontrollierten Graubereich. Verbandspräsident Bill Miller betonte in einer Stellungnahme, es gehe nicht darum, Innovation zu verhindern, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen.
Miller warnte:
„Wenn Produkte in ihrer Wirkung wie Wetten anzusehen sind, dann müssen sie auch denselben Regeln unterliegen. Alles andere untergräbt den regulierten Markt.“
Sportradar und Co. argumentieren hingegen, dass die bspw. in Deutschland illegalen Prognosemärkte nicht automatisch mit klassischem Glücksspiel gleichzusetzen seien. Sie verweisen auf den Informations- und Analysecharakter solcher Plattformen und auf die Gefahr, dass sich die Branche durch eine zu harte Abwehrhaltung selbst von neuen Geschäftsmodellen abschneidet.
Der Streit fällt in eine Phase, in der der US-Wettmarkt ohnehin unter zunehmendem politischen und regulatorischen Druck steht. Nach Jahren starken Wachstums rücken Fragen der Marktordnung, des Spielerschutzes und der Abgrenzung neuer Produkte stärker in den Fokus. Prognosemärkte sind dabei nur das sichtbarste Beispiel für die Grauzonen, die durch technologische Innovation entstehen.
Für die AGA ist der Mitgliederschwund ein spürbarer Rückschlag, auch wenn der Verband weiterhin den Großteil der großen Casino- und Wettanbieter hinter sich weiß. Gleichzeitig zeigt der Konflikt, wie fragmentiert die Interessen innerhalb der Branche inzwischen sind. Ob es zu einer Annäherung kommt oder sich zwei Lager dauerhaft gegenüberstehen, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie sich die US-Regulierungsbehörden künftig zu Polymarket & Co. positionieren.
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