StartStories & SkandaleCrime1.400 Knochenreste gefunden: Die Blutspur illegaler Hahnenkämpfe

1.400 Knochenreste gefunden: Die Blutspur illegaler Hahnenkämpfe

• Illegale Hahnenkämpfe stehen im Zentrum möglicher Serienmorde.
• 1.400 Knochenfragmente in einem philippinischen See gefunden.
• Nach Drahtzieher Atong Ang wird intensiv gefahndet.


Die Aufarbeitung eines der spektakulärsten Kriminalfälle der Philippinen hat eine neue, erschütternde Wendung genommen. Ermittler haben in einem See 80 Kilometer südlich von Manila rund 1.400 menschliche Knochenfragmente geborgen. Die Funde stehen im Zusammenhang mit dem Verschwinden zahlreicher Männer, die zwischen 2021 und 2022 in die dunkle wie lukrative Welt der illegalen Hahnenkämpfe – auf den Philippinen als „Sabong“ bekannt – verwickelt gewesen sein sollen.

Die Vermissten waren überwiegend Teilnehmer, Mitarbeiter oder Personen aus dem Umfeld von Hahnenkampf-Veranstaltungen. Schon seit Jahren vermuteten Angehörige und Ermittler, dass hinter ihrem Verschwinden mehr steckt als einzelne Entführungen. Aussagen von Zeugen und Informanten deuteten zuletzt auf ein organisiertes kriminelles Netzwerk hin, das Personen beseitigt haben soll, die als Bedrohung für illegale Geschäfte angesehen wurden.

Die Bergungsarbeiten laufen bereits seit Juli 2025. Taucher und Forensiker suchten systematisch den See ab und stießen dabei auf immer weitere Knochenreste. Ob sämtliche Fragmente tatsächlich den verschwundenen Sabong-Beteiligten zugeordnet werden können, ist bislang unklar. Dennoch sehen Ermittler in dem Fund einen möglichen Durchbruch in einem Fall, der die philippinische Öffentlichkeit seit Jahren beschäftigt.

Die Identifizierung der Toten gestaltet sich außerordentlich kompliziert. Nach Angaben der philippinischen Forensik wurden die Überreste medizinisch, anthropologisch und mittels DNA-Analysen untersucht. Das Problem: Das Wasser des Sees ist sehr sauer, wodurch die Knochen über Jahre angegriffen wurden. Hinzu kommen Wassertemperaturen von etwa 29 bis 35 Grad Celsius, die den Zerfall biologischer Spuren beschleunigen und die Gewinnung verwertbarer DNA erheblich erschweren.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der Unternehmer Charlie „Atong“ Ang. Gegen ihn und weitere Beschuldigte wurden inzwischen Verfahren wegen Entführung mit Todesfolge sowie schwerer Freiheitsberaubung eingeleitet. Die Vorwürfe beziehen sich auf die verschwundenen Sabong-Teilnehmer und mögliche Verbindungen zu den mutmaßlichen Tötungen.

Geflüchteter Drahtzieher

Ang gehört seit Jahren zu den bekanntesten Figuren der philippinischen Glücksspielbranche. Besondere Aufmerksamkeit erlangte er durch das sogenannte E-Sabong. Dabei werden traditionelle Hahnenkämpfe live ins Internet übertragen, während Zuschauer online Wetten platzieren können. Während der Corona-Pandemie erlebte dieses Geschäftsmodell einen regelrechten Boom und lockte Millionen Nutzer an. Gleichzeitig entstanden Vorwürfe über Manipulationen, illegale Wettgeschäfte und Verbindungen zur organisierten Kriminalität.

Randy David  von der Zeitung Philippine Daily Inquirer beschreibt die Tragweite des Falls. Er erklärt:

„Flüchtige wie Ang sind das Ergebnis eines kaputten Justizsystems, das die Mächtigen begünstigt und die Machtlosen dazu verurteilt, spurlos zu verschwinden.“

Bis heute bestreitet Atong Ang die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Sein Aufenthaltsort war zeitweise Gegenstand widersprüchlicher Berichte. Während Behörden davon ausgehen, dass er sich weiterhin auf den Philippinen aufhält, kursierten zuletzt auch Spekulationen über eine mögliche Flucht ins Ausland.

Der Fall hat eine landesweite Debatte über die Schattenseiten des E-Sabong ausgelöst. Bereits 2022 reagierte die Regierung auf den öffentlichen Druck und beendete die damals legalen Online-Hahnenkampf-Angebote. Die Ermittlungen zu den Vermissten gingen jedoch weiter und führten schließlich zu den aktuellen Funden.

Ob die geborgenen Knochenfragmente tatsächlich die letzten Antworten für die Familien der Verschwundenen liefern können, ist noch offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Der Sabong-Skandal hat sich von einem Vermisstenfall zu einer der größten kriminalistischen Affären der jüngeren philippinischen Geschichte entwickelt.

ÄHNLICHE ARTIKEL

BELIEBTE ARTIKEL

Entdecke mehr von Gaming-Affairs

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen