• Problemspiel soll künftig europaweit nach einheitlichen Kriterien erkannt werden.
• EGBA unterstützt dem neuen europäischen Standard für Risikosignale.
• Glücksspielanbieter wollen gefährdete Spieler besser schützen.
Die European Gaming and Betting Association (EGBA) unterstützt den neuen europäischen Standard zur Erkennung problematischen Spielverhaltens. Ziel der EU-Initiative ist es, Online-Glücksspielanbietern erstmals einen gemeinsamen Rahmen an die Hand zu geben, um riskantes Spielverhalten frühzeitig und möglichst einheitlich zu erkennen. Der neue Standard wurde von der europäischen Normungsorganisation CEN veröffentlicht und soll künftig als Orientierung für die gesamte Branche dienen.
Bislang nutzten viele Unternehmen eigene Modelle und Kriterien, um gefährdete Spieler zu identifizieren. Das führte dazu, dass Warnsignale teilweise unterschiedlich bewertet wurden. Mit dem neuen Standard sollen Anbieter nun auf einer gemeinsamen Grundlage arbeiten und problematische Entwicklungen schneller erkennen können.
Besonders wichtig: Der Standard konzentriert sich nicht auf einzelne Verhaltensweisen, sondern auf eine Kombination verschiedener Risikofaktoren. Dadurch sollen Fehlbewertungen reduziert und Interventionen gezielter ausgelöst werden. Die EGBA-Mitglieder haben bereits angekündigt, ihre bestehenden Systeme schrittweise an die neuen Vorgaben anzupassen.
Im Mittelpunkt stehen sogenannte „Markers of Harm“, also Anzeichen dafür, dass ein Spieler möglicherweise die Kontrolle über sein Spielverhalten verliert. Zu den wichtigsten Risikosignalen zählen unter anderem:
- Häufige oder starke Erhöhungen von Einzahlungen
- Wiederholte Einzahlungen innerhalb kurzer Zeiträume
- Längere oder intensivere Spielsitzungen als üblich
- Auffällige Verluste über einen bestimmten Zeitraum
- Mehrfache Stornierungen von Auszahlungen
- Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten
- Veränderungen im Spielverhalten, die auf Kontrollverlust hindeuten
- Wiederholte Kontakte zum Kundendienst mit problembezogenen Hinweisen
Der neue Standard beschränkt sich nicht auf die Erkennung problematischen Verhaltens. Er beschreibt auch mögliche Schutzmaßnahmen. Dazu gehören persönliche Hinweise an Spieler, Informationen über verantwortungsvolles Spielen, freiwillige Einzahlungslimits, Spielpausen, Selbsttests sowie direkte Kontaktaufnahmen durch geschulte Mitarbeiter. In schwerwiegenden Fällen können Anbieter auch Einschränkungen oder Sperren von Spielerkonten prüfen.
Die EGBA verweist darauf, dass moderne Datenanalysen inzwischen deutlich bessere Möglichkeiten bieten, riskantes Verhalten frühzeitig zu erkennen. Online-Anbieter verfügen über umfangreiche Informationen zu Einzahlungen, Einsätzen, Spielzeiten und Verhaltensmustern. Diese Daten können genutzt werden, um Warnsignale automatisch zu identifizieren.
Nach Angaben des Verbandes sollen die neuen Leitlinien nicht nur den Spielerschutz verbessern, sondern auch die Vergleichbarkeit innerhalb Europas erhöhen. Gerade internationale Anbieter, die in mehreren Ländern tätig sind, profitieren von einheitlichen Standards.
Europa setzt stärker auf Prävention statt Reaktion
Der neue Standard zeigt einen grundlegenden Wandel im Umgang mit problematischem Glücksspiel. Während in der Vergangenheit häufig erst reagiert wurde, wenn bereits erhebliche Probleme entstanden waren, rückt nun die Prävention stärker in den Mittelpunkt. Ziel ist es, gefährdete Spieler möglichst früh zu unterstützen, bevor finanzielle oder soziale Schäden entstehen.
Die EGBA-Mitglieder haben angekündigt, ihre bestehenden Systeme mit den neuen Vorgaben abzugleichen. Dazu gehören unter anderem die Überprüfung bestehender Risikoindikatoren, die Anpassung automatisierter Warnsysteme sowie die Schulung von Mitarbeitern im Umgang mit gefährdeten Spielern.
Maarten Haijer, Generalsekretär der European Gaming and Betting Association, erklärt:
„Dieser neue europäische Standard ist ein wichtiger Schritt, um die Früherkennung glücksspielbezogener Schäden weiter zu verbessern und die Schutzmaßnahmen in der Branche zu stärken.“
Branchenbeobachter sehen darin einen wichtigen Schritt für die weitere Professionalisierung des europäischen Online-Glücksspielmarktes. Einheitliche Standards könnten nicht nur den Spielerschutz verbessern, sondern auch das Vertrauen von Politik und Regulierungsbehörden stärken.
Gleichzeitig wird entscheidend sein, wie konsequent die Vorgaben tatsächlich umgesetzt werden. Denn ein Standard allein schützt noch keine Spieler. Erst wenn die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen übersetzt werden, kann die Früherkennung problematischen Spielverhaltens ihre volle Wirkung entfalten.
Für die europäische Glücksspielbranche markiert die Veröffentlichung dennoch einen wichtigen Meilenstein. Erstmals existiert nun ein gemeinsamer Rahmen, der definiert, woran Problemspiel erkannt werden kann – und wie Anbieter darauf reagieren sollten.

