• Betrügerische Glücksspiel-Websites werden laut EGBA zu einem wachsenden Problem.
• Die Branchenvereinigung fordert ein koordiniertes Vorgehen der EU-Kommission.
• Im Fokus: Fake-Seiten und -Apps, Phishing und irreführende Social-Media-Werbung.
Fake-Casinos, manipulierte Apps und täuschend echte Klon-Seiten: Die europäische Glücksspielbranche sieht sich mit einer Betrugswelle konfrontiert, die längst nicht mehr nur ein Randproblem des Schwarzmarkts ist. Die EGBA fordert deshalb ein härteres und koordinierteres Vorgehen der EU.
Anlass ist der geplante EU Action Plan on Fighting Online Fraud, den die Kommission im zweiten Quartal 2026 verabschieden will. Der Verband argumentiert, dass der Glücksspielsektor in diesem Vorhaben stärker berücksichtigt werden müsse, weil Betrugsformen dort besonders dynamisch und international organisiert auftreten.
Vielfältige Betrugsmaschen
Nach Darstellung der EGBA reicht das betrügerische Spektrum von Websites mit ähnlich klingenden Domainnamen über illegale Echtgeld-Apps in Google Play und im Apple App Store bis hin zu Phishing-Kampagnen und Social-Media-Anzeigen. Besonders problematisch seien Apps und Plattformen außerhalb der EU, die Echtgeld-Glücksspiel als harmlose Games tarnen und dabei mit dem Ruf lizenzierter Anbieter arbeiten.
Dr. Ekaterina Hartmann, Director of Legal and Regulatory Affairs bei der EGBA, warnt:
„Die von uns zusammengetragenen Belege zeigen, wie Betrüger systematisch das Vertrauen ausnutzen, das Verbraucher in das lizenzierte Glücksspielumfeld setzen. Das bringt europäische Verbraucher in Gefahr und lässt den illegalen Online-Glücksspielmarkt wachsen.“
Die Risiken gehen laut Verband weit über einen simplen Markenmissbrauch hinaus, sondern gefährden den Spielerschutz. Nutzer könnten auf solchen Seiten persönliche Daten preisgeben, finanzielle Verluste erleiden oder in Spielumgebungen landen, in denen wichtige Schutzmechanismen wie Selbstsperren oder andere Maßnahmen für verantwortungsvolles Glücksspiel fehlen. Besonders kritisch sei, dass viele dieser Angebote kurz nach einer Abschaltung in neuer Form wieder auftauchen.
Warum die EGBA jetzt mehr Druck auf Brüssel macht
Der Verband verweist auch auf die wirtschaftliche Dimension des Betrugs. Nach EGBA-Schätzung entfallen 27 Prozent des europäischen Online-Glücksspielmarkts im Jahr 2025 auf illegale Anbieter – gemessen am Bruttospielertrag entspricht das rund 18 Milliarden Euro. Für die Branche ist das nicht nur ein Wettbewerbsproblem, sondern vor allem ein Verbraucherschutzthema.
Die EGBA ist ein in Brüssel ansässiger Branchenverband der europäischen Online-Glücksspielindustrie. Ihre Wurzeln reichen bis 2004 zurück, seit 2007 firmiert sie unter dem heutigen Namen. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem bet365, Betsson, Entain, Flutter, Kindred, evoke, LeoVegas, Superbet und Tipico.
EGBA plädiert deshalb für einheitlichere europäische Reaktionsmechanismen, schnellere Durchsetzung gegen betrügerische Domains und Apps sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Plattformen, Behörden und legalen Anbietern. Die Kernbotschaft: Nationale Einzelmaßnahmen reichen nicht mehr aus, wenn Betrugsmodelle technisch flexibel, international verteilt und in wenigen Stunden neu aufgesetzt werden können.

