• Bally’s Intralot plant die Übernahme des Glücksspielanbieters Evoke.
• Angebot zielt auf stark angeschlagenen Glücksspielkonzern.
• Im Gespräch ist ein Kaufpreis von etwa 260 Millionen Euro.
Der Glücksspielanbieter Bally’s Intralot verhandelt über den Kauf des britischen Konzerns Evoke. Im Raum steht ein Übernahmeangebot in Höhe von rund 225 Millionen Pfund (etwa 260 Millionen Euro) beziehungsweise 50 Pence je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von rund 30 Prozent auf den zuletzt gehandelten Kurs.
Die genannten und von Evoke bestätigten Zahlen zeigen jedoch vor allem, wie stark das Unternehmen unter Druck steht: Trotz weltweit bekannter Marken wie William Hill liegt die Marktkapitalisierung aktuell nur noch bei etwa 175 Millionen Pfund, während sich die Nettoverschuldung auf rund 1,8 Milliarden Pfund beläuft.
Noch drastischer ist der Blick auf die Entwicklung der Aktie: Seit der milliardenschweren Übernahme des stationären William-Hill-Geschäfts für rund 2,2 Milliarden Pfund vor vier Jahren hat der Kurs rund 90 Prozent an Wert verloren. Aus diesem Grund dürfte der Übernahmekandidat sehr interessiert an dem möglichen Rettungsanker sein.
Ein Sprecher von Evoke bestätigte nun die seit dem Wochenende kursierenden Medienberichte:
„Wir prüfen derzeit das Angebot sorgfältig und im Interesse unserer Aktionäre.“
Parallel zu der massiven Verschuldung und hohen Zinslasten kämpfen die Briten mit wachsenden regulatorischen Belastungen. Die von der Regierung geplanten höheren Glücksspielsteuern könnten das Unternehmen jährlich bis zu 135 Millionen Pfund kosten. Dies ist ein zusätzlicher Druckfaktor in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld.
Übernahme als Rettungsversuch
Für Bally’s Intralot könnte der Deal eine strategische Chance sein. Der Konzern würde sich Zugang zu etablierten Marken und einem großen Kundenstamm sichern, und das zu einem vergleichsweise niedrigen Preis.
Gleichzeitig ist klar: Die Übernahme wäre kein klassischer Expansionsschritt, sondern eher eine Wette auf eine erfolgreiche Sanierung. Evoke hat bereits eine umfassende strategische Prüfung eingeleitet und prüft verschiedene Optionen zur Stabilisierung des Geschäfts.
Die Evoke-Tochter William Hill steckt seit Jahren im Umbruch. Der Anbieter hat angekündigt, rund 200 Wettbüros zu schließen. Gründe sind steigende Kosten, strengere Regulierung und der Trend hin zu Online-Angeboten. Das stationäre Geschäft verliert zunehmend an Bedeutung, während der Wettbewerb im digitalen Bereich immer intensiver wird.
Für die Branche ist der mögliche Deal dennoch ein wichtiges Signal. Er zeigt, wie stark sich der Glücksspielmarkt derzeit verändert und wie schnell selbst traditionsreiche Anbieter unter Druck geraten können.
Ob die Übernahme tatsächlich zustande kommt, ist noch offen. Klar ist jedoch: Mit einem möglichen Kaufpreis von nur 225 Millionen Pfund wäre Evoke heute nur noch ein Bruchteil dessen wert, was vor wenigen Jahren für einzelne Teile des Geschäfts gezahlt wurde.

