StartRecht & BusinessGesetzeNiederlande ziehen die Notbremse: Ende der Glücksspielwerbung in Sicht

Niederlande ziehen die Notbremse: Ende der Glücksspielwerbung in Sicht

• Glücksspielwerbung steht in den Niederlanden vor dem Aus.
• Die Regierung will bestehende Schlupflöcher schließen.
• Werbung über Sponsoring und Sport könnte weitgehend verschwinden.


Die Niederlande stehen vor einer der strengsten Regulierungen für Glücksspielwerbung in Europa. Die Regierung plant neue Maßnahmen, mit denen die verbliebenen Werbemöglichkeiten für Online-Glücksspielanbieter nahezu vollständig beseitigt werden sollen. Ziel ist es, Verbraucher, insbesondere junge Menschen, noch stärker vor der ständigen Präsenz von Glücksspielmarketing zu schützen.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte das Land seine Werbevorschriften schrittweise verschärft. Seit Juli 2023 sind sogenannte nicht zielgerichtete Werbemaßnahmen weitgehend verboten. Dazu zählen unter anderem Fernseh-, Radio- und Außenwerbung. Nun sollen auch die letzten Ausweichmöglichkeiten geschlossen werden, die von Anbietern bislang weiterhin genutzt werden konnten.

Im Mittelpunkt der Diskussion stehen insbesondere Sponsoringvereinbarungen im Sport. Diese gelten derzeit als eine der wichtigsten verbliebenen Werbeplattformen der Branche. Nach den neuen Plänen sollen Glücksspielunternehmen künftig deutlich stärker eingeschränkt werden, wenn es um die Sichtbarkeit ihrer Marken im Umfeld von Sportvereinen, Wettbewerben oder Veranstaltungen geht.

Die Regierung begründet den Vorstoß mit dem Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen. Nach Einschätzung der Behörden erreichen Glücksspielbotschaften trotz bestehender Verbote weiterhin große Teile der Bevölkerung. Vor allem junge Erwachsene und Personen mit erhöhtem Suchtrisiko sollen besser geschützt werden.

Die geplanten Maßnahmen sind Teil einer längeren Entwicklung. Bereits seit der Öffnung des regulierten Online-Glücksspielmarktes im Jahr 2021 wurden die Werberegeln mehrfach verschärft. Im Juli 2023 trat das Verbot nicht zielgerichteter Werbung in Kraft. Seitdem dürfen Anbieter viele klassische Werbekanäle nicht mehr nutzen. Die Regierung sieht dennoch weiterhin Lücken im System und will nun auch verbleibende Werbemöglichkeiten stärker begrenzen.

Befürworter der Reform argumentieren, dass Glücksspielwerbung in den ersten Jahren nach der Marktöffnung deutlich sichtbarer geworden sei als erwartet. Die hohe Präsenz von Fernsehspots, Online-Kampagnen und Sportsponsoring habe in der Öffentlichkeit erhebliche Kritik ausgelöst und politischen Handlungsdruck erzeugt.

Die Branche dagegen warnt vor möglichen Nebenwirkungen. Anbieter befürchten, dass legale Unternehmen ihre Kunden künftig deutlich schwerer erreichen können. Dadurch könnte es schwieriger werden, Spieler von illegalen Angeboten fernzuhalten, die sich nicht an niederländische Vorschriften halten.

Streit um Kanalisierung und Spielerschutz

Die Diskussion wird zusätzlich durch aktuelle Entwicklungen auf dem niederländischen Glücksspielmarkt befeuert. Regulierungsbehörden und Politiker sehen weiterhin Handlungsbedarf beim Spielerschutz und bei der Bekämpfung problematischen Spielverhaltens.

Die Regierung will deshalb bestehende Gesetzeslücken schließen und die Regulierung anpassen. Ein Schwerpunkt liegt auf Werbeformen, die bisher indirekt genutzt werden konnten. Dazu gehören bestimmte Sponsoringmodelle sowie Marketingaktivitäten über Drittanbieter und Partnerschaften.

Teun Struycken, Staatssekretär für Rechtsschutz der Niederlande, erklärt:

„Glücksspielwerbung darf nicht dazu führen, dass gefährdete Personen oder junge Menschen zum Spielen verleitet werden.“

Kritiker des Vorhabens verweisen jedoch auf die Bedeutung der sogenannten Kanalisierung. Gemeint ist der Anteil der Spieler, die legale und lizenzierte Angebote nutzen. Viele Experten halten eine ausreichende Sichtbarkeit legaler Anbieter für notwendig, damit Verbraucher nicht auf nicht regulierte Plattformen ausweichen.

Die niederländische Glücksspielbehörde wird daher vor einer schwierigen Aufgabe stehen. Einerseits soll die Werbepräsenz reduziert werden, andererseits darf die Attraktivität des legalen Marktes nicht zu stark leiden. Wie dieses Gleichgewicht erreicht werden kann, ist derzeit Gegenstand intensiver Diskussionen.

Für die Glücksspielbranche könnten die geplanten Änderungen weitreichende Folgen haben. Die Niederlande würden sich damit zu den restriktivsten Werbemärkten Europas entwickeln. Besonders Sportvereine, die bislang von Sponsoringverträgen profitierten, müssten sich auf neue Rahmenbedingungen einstellen.

Noch sind nicht alle Details endgültig beschlossen. Die Richtung ist jedoch klar: Die niederländische Politik will Glücksspielwerbung weiter zurückdrängen und die verbleibenden Schlupflöcher schließen. Sollte das Vorhaben umgesetzt werden, könnte das Land zu einem Vorbild für andere europäische Staaten werden, die ebenfalls über strengere Werberegeln nachdenken.

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