• Neue Regeln setzen Spielhallen und Spielautomaten strengere Grenzen.
• Spieler müssen künftig Zeit- und Verlustlimits festlegen.
• Betreiber kommen mit neuen Warn- und Kontrollpflichten unter Druck.
Die britische Glücksspielkommission UK Gambling Commission verschärft die technischen Vorgaben für Spielautomaten. Neue Geräte sollen Spielern künftig mehr Kontrolle über ihre Spielzeit und Verluste geben. Die Umsetzung erfolgt schrittweise zwischen März 2027 und Oktober 2028, so die UKGC
Festlegung von Einsatzlimits
Eine zentrale Neuerung sind verpflichtende persönliche Limits. Spieler müssen zu Beginn einer Sitzung entweder eigene Grenzen für Spielzeit und Nettoverlust festlegen oder die vorgegebenen Standardwerte akzeptieren. Spielen ohne ein solches Limit soll künftig nicht mehr möglich sein. Die individuell gewählten Grenzen dürfen maximal 60 Minuten und 450 Pfund Nettoverlust betragen. Bei den Standardwerten gelten höchstens 20 Minuten und 150 Pfund Nettoverlust.
Helen Rhodes, Direktorin für Major Policy Projects and Evaluation bei der Gambling Commission, erklärt:
„Diese Maßnahmen werden sowohl dazu beitragen, Verbraucher zu befähigen, ihr Glücksspiel zu verstehen und zu steuern, als auch sicherzustellen, dass Betreiber ihren Teil dazu beitragen.“
Sobald ein Limit erreicht ist, wird eine Pause ausgelöst. Bei den ersten beiden Standard-Zeitlimits dauern die Unterbrechungen zunächst 10 beziehungsweise 20 Sekunden, danach müssen Pausen mindestens 30 Sekunden lang sein. Währenddessen sollen Informationen zum sicheren Spielen erscheinen und die Möglichkeit bieten, die Sitzung zu beenden oder Limits anzupassen.
Spielautomaten müssen Spielverhalten transparenter machen
Neben den Limits verändert sich auch die Darstellung während des Spiels. Neue Geräte und neue Spiele auf Mehrspielplattformen sollen standardmäßig den Netto-Spielstand, also Gewinne abzüglich Verluste, sowie die bereits verstrichene Spielzeit anzeigen. Spieler können diese Informationen erst ausblenden, nachdem sie mindestens 10 Sekunden lang angezeigt wurden.
Auch die Gestaltung der Spiele wird eingeschränkt. Gewinne, die höchstens der Höhe des zuvor eingesetzten Einsatzes entsprechen, dürfen nicht mehr durch audiovisuelle Effekte besonders gefeiert werden. Außerdem werden Funktionen verboten, die das Warten auf das Spielergebnis verkürzen, darunter Turbo-Modi oder besonders schnelle Spin-Funktionen.
Die neuen Gaming Machine Technical Standards gelten für neu veröffentlichte Spiele der Kategorien A, B1, B2, B3, B3A und B4. Entscheidend ist, ob ein Spiel nach dem 30. Juni 2027 anhand des abschließenden Testdatums als neu eingestuft wird. Bereits vorhandene Geräte sind weitgehend von den neuen Vorgaben ausgenommen. Hintergrund sind die technischen Schwierigkeiten und Kosten einer nachträglichen Umrüstung. Die Branche hatte geschätzt, dass bei einer verpflichtenden Nachrüstung rund 7.770 Spielautomaten aus dem Betrieb genommen werden könnten.
Für die Betreiber bringen die neuen Regeln erhebliche technische und finanzielle Anforderungen mit sich. Die UKGC beziffert die Kosten für die Zusammenführung der technischen Standards auf 12.000 Pfund, während die Teststrategie weitere 3.200 Pfund kosten soll. Für die Einführung der Limit-Funktionen werden Investitionen zwischen 500.000 und 1 Million Pfund erwartet. Die Kosten für die Anzeige von Sitzungsinformationen werden mit 554.000 bis 1,154 Millionen Pfund veranschlagt.
Am teuersten dürfte die Einführung der Mitarbeiterwarnungen werden. Die Kommission rechnet dafür mit jährlichen Kosten zwischen 20,76 Millionen und 41,63 Millionen Pfund. Durch Ausnahmen und eine reduzierte Zahl von Warnungen bei weniger riskanten Schwellenwerten soll das mögliche Warnaufkommen allerdings um etwa 50 Prozent sinken.
Warnungen für Personal kommen später
Die Spielautomaten sollen künftig in Echtzeit Hinweise an das Personal übermitteln, wenn Spieler Zeit- oder Verlustlimits erreichen oder verändern. Eine solche Meldung verpflichtet die Mitarbeiter jedoch nicht automatisch zu einem sofortigen Gespräch mit dem Kunden. Um eine Überlastung des Personals zu verhindern, werden die ersten beiden Standard-Zeitpunkte von 20 und 40 Minuten bei entsprechender Auswahl zunächst nicht als Warnung ausgelöst.
Die Einführung erfolgt in drei wesentlichen Stufen. Die neue Definition einer Spielsitzung gilt ab 30. März 2027, der größte Teil der technischen Änderungen folgt am 30. Juni 2027. Die Echtzeit-Warnungen für Mitarbeiter werden schließlich ab 3. Oktober 2028 gesetzlich verpflichtend.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Geräte ist erheblich. Zwischen April 2024 und März 2025 erzielten Spielautomaten in Großbritannien einen Bruttospielertrag von 2,6 Milliarden Pfund. Davon entfielen 88,5 Prozent auf Geräte der Kategorie B. Die Gambling Commission verweist außerdem auf ein kontinuierliches Wachstum des maschinenbasierten Glücksspiels seit 2019. Die neuen Regeln betreffen damit einen großen und wirtschaftlich bedeutenden Markt. Gleichzeitig will die Behörde bestehende Geräte nicht generell nachrüsten lassen, um die technischen und finanziellen Belastungen für Betreiber in einem angemessenen Verhältnis zum erwarteten Nutzen für Verbraucher zu halten.
Die Reform geht auf das 2023 veröffentlichte Whitepaper zur Überarbeitung des britischen Glücksspielgesetzes zurück. Bei der Konsultation im Jahr 2025 gingen insgesamt 1.065 Stellungnahmen von Branchenvertretern, Clubs, Interessenverbänden und anderen Beteiligten ein. Die Gambling Commission passte daraufhin mehrere ursprüngliche Vorschläge an, unter anderem bei der Definition einer Spielsitzung und beim Umgang mit bereits vorhandenen Geräten.
Bereits seit dem 29. Juli 2026 gilt zudem eine weitere Verschärfung: Nicht stationäre Betreiber müssen Spielautomaten unverzüglich aus ihren Räumlichkeiten entfernen, wenn die Behörde sie schriftlich darüber informiert, dass die Geräte nicht über die erforderliche technische Betriebsgenehmigung verfügen oder technische Standards nicht erfüllen. Damit soll die Durchsetzung der Vorgaben beschleunigt werden.

