• Spanien sperrt Kalshi und Polymarket wegen fehlender Glücksspiellizenzen.
• Behörden warnen vor illegalem Online-Glücksspiel und unkontrollierten Wetten.
• Prognosemärkte geraten europaweit stärker unter regulatorischen Druck.
Spanien geht hart gegen Prognosemärkte vor: Die Glücksspielaufsicht DGOJ hat die Plattformen Polymarket und Kalshi offiziell blockiert. Nach Angaben der Behörde operierten beide Anbieter ohne gültige spanische Glücksspiellizenz und verstießen damit gegen nationale Glücksspielgesetze. Nutzer in Spanien können die Webseiten inzwischen nicht mehr regulär erreichen.
Die Entscheidung markiert einen weiteren Wendepunkt für die Branche der Prediction Markets. Plattformen wie Polymarket oder Kalshi ermöglichen es Nutzern, auf politische Ereignisse, wirtschaftliche Entwicklungen oder gesellschaftliche Trends zu wetten. Kritiker sehen darin eine moderne Form des Glücksspiels – die Betreiber selbst argumentieren dagegen häufig mit Marktprognosen und Informationsmechanismen.
In Spanien stützt sich die Sperre vor allem auf das Fehlen nationaler Genehmigungen. Die DGOJ argumentiert, dass beide Plattformen Wetten anbieten, ohne die strengen spanischen Vorgaben für Glücksspielanbieter einzuhalten. Dazu gehören unter anderem Regeln zu Spielerschutz, Identitätsprüfung und Geldwäscheprävention.
Kalshi hatte zuletzt versucht, sich stärker als Finanzmarktplattform statt als Wettanbieter zu positionieren. In den USA steht das Unternehmen unter Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Doch genau diese Einstufung wird international zunehmend hinterfragt. Spanien bewertet die angebotenen Märkte offenbar eindeutig als Glücksspielprodukte.
Ein Sprecher der spanischen Glücksspielaufsicht DGOJ erklärt:
„Jede Plattform, die Glücksspiele ohne entsprechende Lizenz anbietet, verstößt gegen spanisches Recht.“
Besonders stark gewachsen ist zuletzt Polymarket. Die auf Blockchain-Technologie basierende Plattform verzeichnete rund um die US-Wahl 2024 massive Handelsvolumina. Zeitweise wurden dort politische Märkte mit einem Gesamtvolumen von mehreren Milliarden US-Dollar gehandelt. Genau diese Entwicklung alarmiert inzwischen Regulierungsbehörden weltweit.
Prognosemärkte werden weltweit zum Politikum
Der Schritt Spaniens kommt nicht überraschend. Schon seit Monaten wächst international der regulatorische Druck auf Prediction Markets. Behörden befürchten, dass politische Wetten, gesellschaftliche Krisen oder geopolitische Konflikte zunehmend kommerzialisiert werden.
Hinzu kommen Sorgen über Marktmanipulationen und den Einsatz von Insiderwissen. Gerade bei politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen sehen Regulierer erhebliche Risiken für Verbraucher und Marktintegrität. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Finanzprodukt, Börsenhandel und klassischem Glücksspiel immer stärker.
Für Polymarket ist Spanien bereits der nächste Rückschlag innerhalb weniger Tage. Die Plattform steht auch in anderen Märkten unter Druck. Besonders problematisch wird für Anbieter dabei die internationale Fragmentierung: Während einige Länder Prognosemärkte tolerieren, gehen andere mit Sperren oder Bußgeldern dagegen vor.
Nur wenige Tage vor Spanien hatte bereits Indonesien den Zugang zu Polymarket blockiert. Dort sorgten vor allem politische Wetten auf die Zukunft von Präsident Prabowo Subianto für massive Kritik. Die Regierung wertete die Plattform als illegales Online-Glücksspiel und sperrte den Zugang landesweit. Indonesien meldete zuletzt Glücksspieltransaktionen im Umfang von rund 16 Milliarden US-Dollar pro Jahr – ein zentraler Grund für den verschärften Kurs gegen Online-Angebote.
Brisant ist die Entwicklung auch deshalb, weil Prognosemärkte lange als möglicher Zukunftsmarkt der digitalen Finanzwelt galten. Befürworter argumentieren, dass kollektive Marktmeinungen oft präzisere Vorhersagen liefern könnten als klassische Umfragen oder Experteneinschätzungen.
Doch genau diese Nähe zu realen politischen Ereignissen macht die Plattformen für Behörden zunehmend problematisch. Sobald Nutzer auf Wahlausgänge, Regierungswechsel oder geopolitische Krisen wetten, steigt die politische Sensibilität enorm.
Für die Branche könnte der spanische Schritt deshalb Signalwirkung haben. Sollten weitere EU-Staaten ähnlich vorgehen, dürfte sich der regulatorische Spielraum für Prognosemärkte in Europa deutlich verkleinern. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Regierungen reagieren – sondern wie weit die Eingriffe künftig noch gehen werden.

