• Glücksspiel-Influencer geraten in Spanien zunehmend unter politischen Druck.
• Die Regierung will Werbung für Online-Glücksspiel stärker einschränken.
• Besonders junge Nutzer auf Social Media stehen im Fokus der Behörden.
Die spanische Regierung verschärft ihren Kurs gegen Glücksspielwerbung im Internet – und nimmt dabei nun gezielt Influencer ins Visier. Hintergrund ist die Sorge, dass junge Menschen über soziale Netzwerke immer häufiger mit Sportwetten, Online-Casinos und Bonusangeboten in Kontakt kommen.
Bereits in den vergangenen Jahren hatte Spanien seine Glücksspielgesetze deutlich verschärft. Unter anderem wurden TV- und Radiowerbung stark eingeschränkt. Glücksspielspots dürfen seitdem nur noch in einem engen Zeitfenster zwischen 1 Uhr und 5 Uhr morgens ausgestrahlt werden. Sponsoring im Profisport wurde ebenfalls massiv reduziert.
Vor allem Streamer, TikTok-Stars und bekannte Content Creator sollen künftig deutlich strengeren Regeln unterliegen. Konkret plant Spanien neue Einschränkungen für Influencer, die Glücksspielprodukte bewerben oder direkt mit Wettanbietern kooperieren.
Nach Angaben spanischer Medien sollen Personen mit besonders großer Reichweite künftig sogar vollständig von Glücksspielwerbung ausgeschlossen werden. Die Regierung argumentiert, dass Influencer für junge Zielgruppen oft glaubwürdiger wirken als klassische Werbung.
Pablo Bustinduy, Minister für soziale Rechte und Verbraucherschutz der spanischen Regierung, erklärt:
„Wir müssen Minderjährige und gefährdete Gruppen vor aggressiver Glücksspielwerbung schützen.“
Besonders problematisch sei, dass viele Influencer Glücksspielinhalte als Unterhaltung oder Lifestyle präsentieren würden.
Nach Schätzungen der Behörden konsumieren Millionen junge Spanier täglich Inhalte auf Plattformen wie TikTok, Twitch oder Instagram. Genau dort sieht die Regierung derzeit eines der größten Risiken für die Verharmlosung von Online-Glücksspiel. Kritiker werfen einigen Influencern vor, hohe Gewinne und luxuriöse Lebensstile zu inszenieren, ohne ausreichend auf Risiken hinzuweisen.
Europa geht zunehmend gegen Glücksspiel-Influencer vor
Spanien steht mit seinem härteren Kurs nicht allein da. In mehreren europäischen Ländern wächst der regulatorische Druck auf Glücksspielanbieter und Social-Media-Werbung. Besonders Influencer-Marketing gilt inzwischen als problematisch, weil Werbung oft nur schwer von gewöhnlichen Unterhaltungsinhalten zu unterscheiden ist.
Branchenvertreter warnen allerdings vor zu strengen Verboten. Sie argumentieren, dass regulierte Anbieter dadurch an Sichtbarkeit verlieren könnten, während illegale Plattformen weiterhin aggressiv über soziale Medien werben. Genau dieses Problem beschäftigt derzeit viele europäische Glücksspielaufsichten.
Auch andere Länder gehen inzwischen verstärkt gegen Glücksspiel-Influencer vor. In Deutschland drohte die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder zuletzt sogar prominenten Influencern und dem Musikstar Capital Bra wegen unerlaubter Werbung für Online-Casinos. In den Niederlanden gelten bereits strenge Einschränkungen für Influencer-Marketing im Glücksspielbereich. Zudem geht die Plattform X verstärkt gegen problematische Glücksspielwerbung und entsprechende Accounts vor.
Trotz der Maßnahmen wächst der Markt für Glücksspiel-Inhalte auf Social Media weiter. Livestreams mit Casino-Spielen oder Sportwetten erzielen teilweise Millionen Aufrufe. Gerade junge Nutzer gelten deshalb als besonders gefährdet, früh mit problematischen Glücksspielangeboten in Kontakt zu kommen.
Die spanische Regierung will ihre neuen Regeln deshalb möglichst schnell umsetzen. Details zu möglichen Strafen oder konkreten Reichweiten-Grenzen stehen zwar noch aus, der politische Kurs ist jedoch klar erkennbar: Glücksspielwerbung soll auf sozialen Plattformen künftig deutlich weniger präsent sein.
Für die Glücksspielbranche könnte das erhebliche Folgen haben. Influencer-Marketing hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Werbekanal entwickelt – besonders im Wettbewerb um junge Online-Nutzer. Genau dieser Bereich gerät nun in mehreren europäischen Märkten zunehmend unter regulatorischen Druck.

