• Online-Glücksspiel in Österreich wird grundlegend reformiert.
• Jahrzehntelanges Monopol wird durch ein Lizenzsystem ersetzt.
• Spielerschutz und Wettbewerb sollen künftig gemeinsam gestärkt werden.
Österreich steht vor einer der größten Glücksspielreformen seiner Geschichte. Die Bundesregierung hat sich auf eine Neugestaltung des Online-Glücksspiels verständigt und beendet damit das bisherige Monopolmodell. Künftig sollen mehrere Anbieter Lizenzen erhalten und legal Online-Casinospiele anbieten dürfen. Gleichzeitig wird der Spielerschutz deutlich verschärft und die Aufsicht über den Markt neu organisiert.
Bislang verfügte ausschließlich die Casinos Austria AG beziehungsweise deren Tochter win2day über die einzige bundesweite Konzession für Online-Casinospiele. Dieses Modell geriet jedoch zunehmend unter Druck. Mehrere Gerichte beschäftigten sich mit der Rechtslage, während zahlreiche internationale Anbieter trotz fehlender Lizenz österreichische Kunden bedienten. Die Regierung reagiert nun mit einer umfassenden Marktöffnung.
Nach den Plänen sollen künftig drei Online-Casino-Konzessionen vergeben werden. Die neuen Lizenzen haben eine Dauer von 15 Jahren und sollen nach einem transparenten Ausschreibungsverfahren vergeben werden. Zusätzlich ist die Einrichtung einer unabhängigen Glücksspielbehörde vorgesehen, die künftig für Lizenzvergabe, Marktaufsicht und Spielerschutz zuständig sein soll.
Europa verabschiedet sich vom Glücksspielmonopol
Österreich folgt einem europäischen Trend. Erst vor wenigen Monaten hat Finnland das Ende seines Online-Glücksspielmonopols beschlossen und bereitet die Vergabe mehrerer Lizenzen ab 2027 vor. Bereits zuvor hatten unter anderem Schweden, Dänemark und die Niederlande ihre Märkte liberalisiert. Ziel ist es, Spieler in regulierte Angebote zu lenken, den Schwarzmarkt einzudämmen und gleichzeitig höhere Standards beim Spielerschutz durchzusetzen.
Ein weiterer Auslöser für die Reform sind zahlreiche Gerichtsverfahren gegen den bisherigen Monopolanbieter. Nach Angaben der Regierung könnten rund 20.000 Spielerinnen und Spieler Anspruch auf Entschädigungen haben. Hintergrund sind Rückforderungen von Spielverlusten aus früheren Jahren, über die österreichische Gerichte bereits mehrfach entschieden haben.
Die Reform soll zugleich mehr Rechtssicherheit schaffen. Künftig sollen alle legalen Anbieter denselben regulatorischen Anforderungen unterliegen. Dazu zählen Identitätsprüfungen, Maßnahmen gegen Geldwäsche, Einzahlungslimits sowie umfangreiche Instrumente zum Schutz gefährdeter Spieler.
Strengere Regeln für Anbieter und Spieler
Mit der Marktöffnung verbindet die Regierung zahlreiche neue Schutzmaßnahmen. Vorgesehen sind unter anderem ein zentrales Sperrsystem für problematische Spieler sowie strengere Vorgaben für Werbung und Bonussysteme. Darüber hinaus sollen technische Überwachungssysteme eingeführt werden, um auffälliges Spielverhalten früher zu erkennen.
Auch steuerlich bringt die Reform Veränderungen mit sich. Die neuen Lizenznehmer sollen künftig denselben gesetzlichen Vorgaben unterliegen und entsprechende Abgaben entrichten. Dadurch erhofft sich der Staat zusätzliche Einnahmen und gleichzeitig einen faireren Wettbewerb zwischen den Anbietern.
Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl lobt das ambitionierte Vorhaben:
„Mit der Reform schaffen wir einen modernen Rechtsrahmen, der Wettbewerb ermöglicht und gleichzeitig den Spielerschutz deutlich stärkt.“
Branchenvertreter begrüßen grundsätzlich die Öffnung des Marktes. Sie verweisen darauf, dass ein reguliertes Lizenzsystem deutlich wirksamer gegen illegale Angebote vorgehen könne als ein Monopol, das in der Praxis von zahlreichen ausländischen Plattformen umgangen werde.
Mehr Wettbewerb – aber auch höhere Anforderungen
Für die Glücksspielbranche eröffnet die Reform neue Chancen. Internationale Betreiber erhalten erstmals die Möglichkeit, sich legal um eine österreichische Online-Casino-Lizenz zu bewerben. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen erheblich. Die Einhaltung der Spielerschutzvorschriften soll künftig konsequent überwacht werden.
Beobachter erwarten, dass sich der Wettbewerb im österreichischen Markt deutlich intensivieren wird. Spieler könnten künftig zwischen mehreren legalen Angeboten wählen, während der Staat stärker gegen nicht lizenzierte Plattformen vorgehen will. Geplant sind unter anderem verschärfte Maßnahmen gegen illegale Webseiten sowie eine engere Zusammenarbeit mit Zahlungsdienstleistern und Internetanbietern.
Die Reform gilt als politischer Meilenstein. Österreich verabschiedet sich damit von einem System, das über viele Jahre Bestand hatte und zuletzt zunehmend in die Kritik geraten war. Gleichzeitig folgt das Land einem europaweiten Trend hin zu regulierten Mehranbietermärkten.
Bis die ersten neuen Lizenzen vergeben werden, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Zunächst müssen die gesetzlichen Grundlagen beschlossen und die neue Glücksspielbehörde aufgebaut werden. Erst anschließend beginnt das Vergabeverfahren für die drei Konzessionen.
Fest steht jedoch schon jetzt: Das Ende des Online-Glücksspielmonopols markiert einen historischen Wendepunkt für den österreichischen Glücksspielmarkt. Mit mehr Wettbewerb, strengeren Regeln und einer unabhängigen Aufsicht beginnt eine neue Ära, deren Auswirkungen weit über Österreich hinaus beobachtet werden dürften.

