StartRecht & BusinessOnline-Wetten statt Lebensmittel: Warum Afrikas Wirtschaft Alarm schlägt

Online-Wetten statt Lebensmittel: Warum Afrikas Wirtschaft Alarm schlägt

• Glücksspiel zieht in Afrika immer mehr Geld aus den Haushalten ab.
• Banken und Händler warnen vor steigender Verschuldung durch Online-Wetten.
• Regierungen diskutieren inzwischen strengere Regeln und neue Steuern.


Online-Glücksspiel boomt in Afrika, doch der Trend entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen und sozialen Problem. Der Grund: Immer mehr Menschen geben einen erheblichen Teil ihres Einkommens für Sportwetten und Online-Casinos aus. Händler, Banken und Mobilfunkanbieter beobachten inzwischen deutliche Folgen für den Alltag vieler Haushalte. Ähnlich wie in Brasilien fließt auch jenseits des Atlantiks weniger Geld in Lebensmittel, Kleidung oder Handyrechnungen.

Besonders in Südafrika, der größten Volkswirtschaft des Kontinents, schlagen die Entwicklungen inzwischen spürbar auf den Konsum durch. Laut aktuellen Daten wird der Bruttoumsatz der Glücksspielbranche 2026 rund 13,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Damit hätte sich der Markt seit 2023 mehr als verdoppelt. Gründe dafür sind vor allem die junge Bevölkerung, die starke Verbreitung von Smartphones und vergleichsweise schwache Regulierungen.

Pieter Engelbrecht, CEO des Handelsriesen Shoprite Holdings, erklärt zu den Gefahren:

„Menschen geben Geld in ein schwarzes Loch aus, das eigentlich für Lebensmittel bestimmt gewesen wäre.“

Gerade Supermarktketten bemerkten, dass viele Verbraucher weniger Geld für alltägliche Einkäufe übrig haben. Doch auch Banken schlagen Alarm. Untersuchungen der Standard Bank zeigen, dass sich der durchschnittliche Anteil des Einkommens, der für Glücksspiel ausgegeben wird, zwischen 2021 und 2025 auf 2 Prozent verdoppelt hat. Besonders alarmierend: Rund 7 Prozent der Spieler setzen laut der Studie sogar mehr Geld ein, als sie überhaupt verdienen; häufig finanziert über Kredite oder geliehenes Geld.

In Südafrika stiegen die Ausgaben für Sportwettenangebote und Online-Glücksspiel laut Absa Bank in den vergangenen drei Jahren jährlich um rund 50 Prozent. Gleichzeitig schwächelt der allgemeine Konsum. Banken beobachten zudem steigende Kreditausfälle und wachsende Schuldenprobleme.

Banken und Unternehmen warnen vor sozialen Folgen

Für Finanzinstitute ist der Zusammenhang längst deutlich sichtbar. Kenny Fihla, CEO der Absa Bank, bezeichnet Glücksspieltrends als „einen enormen Frühindikator“ für Zahlungsausfälle bei Krediten. Seine Warnung fällt deutlich aus.

Fihla warnt:

„Je stärker sich Kunden verschulden, desto mehr spielen sie – und desto größer wird das Loch.“

Andere Branchen spüren die Folgen ebenfalls. Der Mobilfunkkonzern MTN erklärte in seinem Geschäftsbericht, dass das Wachstum im Prepaid-Geschäft durch steigende Glücksspielausgaben zusätzlich gebremst werde. Verbraucher hätten schlicht weniger frei verfügbares Einkommen für Mobilfunkdienste übrig.

Ähnlich äußert sich Roy Bagattini, CEO von Woolworths Holdings. Gerade Mode- und Lifestyle-Produkte seien betroffen, weil Glücksspiel direkt um das frei verfügbare Budget der Verbraucher konkurriere. Immer häufiger würden Gehälter verspielt, noch bevor Miete, Transport oder Schulgebühren bezahlt seien.

Glücksspiel ist inzwischen die zwölftgrößte Kategorie im südafrikanischen Verbraucherpreisindex – direkt hinter Bier. Laut Statistikbehörde entfallen bereits 54,5 Prozent aller Freizeitausgaben, etwa für Sport, Kino oder Fitnessstudios, auf Wetten und Glücksspiel. Das zeigt, wie stark sich Online-Wetten inzwischen im Alltag vieler Verbraucher verankert haben.

Trotz der Kritik expandiert die Branche weiter. Anbieter wie Betway oder Spin konzentrieren sich zunehmend auf afrikanische Wachstumsmärkte. Die Zahl der Sportwetten-Lizenzen in Südafrika stieg seit dem Finanzjahr 2020/2021 um 40 Prozent auf inzwischen 400 Genehmigungen. Gleichzeitig diskutiert die südafrikanische Regierung neue Glücksspielsteuern, um soziale Folgekosten abzufedern.

Ob strengere Regeln tatsächlich kommen, bleibt allerdings offen. Frühere Reformversuche scheiterten immer wieder an fehlendem politischen Willen. Klar ist jedoch schon jetzt: Der Glücksspielboom verändert Afrikas Konsumverhalten tiefgreifend. Und das längst nicht zum Vorteil der Verbraucher.

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