• Deutscher Online-Casinoverband kritisiert GGL-Studie und zweifelt Zahlen an.
• Schwarzmarktanteil laut Verband deutlich höher als angegeben.
• Debatte über Regulierung und Marktwirkung verschärft sich.
Der Deutsche Online Casinoverband kritisiert die vergangene Woche vorgelegte GGL-Studie und stellt die Einschätzung des illegalen Glücksspielmarkts in Deutschland infrage. Der DOCV hält die von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder veröffentlichten Zahlen für zu konservativ und sieht die tatsächliche Größe des Schwarzmarkts deutlich höher.
Die GGL war in ihrer Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass der überwiegende Teil des Online-Glücksspiels in Deutschland über regulierte Anbieter abgewickelt wird. Der Anteil illegaler Angebote wurde dabei auf einen vergleichsweise moderaten Anteil von unter 10 Prozent geschätzt.
Der DOCV widerspricht dieser Darstellung deutlich. Nach Einschätzung des Verbands liegt der Schwarzmarktanteil erheblich höher. Gründe dafür seien unter anderem die strengen regulatorischen Vorgaben in Deutschland, die legale Anbieter benachteiligen und Spieler zu internationalen Plattformen treiben.
Ein Sprecher des Verbands erklärte:
„Die tatsächliche Nutzung illegaler Angebote wird unterschätzt, weil viele Spieler bewusst auf unregulierte Plattformen ausweichen.“
Streit um Zahlen und Methodik
Im Zentrum der Kritik steht die Methodik der GGL-Studie. Der DOCV argumentiert, dass die Datengrundlage nicht ausreichend sei, um ein realistisches Bild des Marktes zu zeichnen. Insbesondere würden Aktivitäten auf internationalen Plattformen und deren nicht lizenzierten Online-Casinos nur unzureichend erfasst.
Der Verband verweist auf alternative Analysen, die deutlich höhere Schwarzmarktanteile nahelegen. In einigen Bereichen könnten demnach bis zu 50 Prozent der Spieleraktivität außerhalb regulierter Angebote stattfinden.
Die GGL hingegen verteidigt ihre Ergebnisse und betont, dass die Studie auf umfassenden Daten und fundierten Analysen basiere. Ziel sei es gewesen, eine realistische Einschätzung des Marktes zu liefern und die Wirksamkeit der Regulierung zu bewerten.
Die Debatte hat weitreichende Bedeutung, da sie die Grundlage für politische Entscheidungen bildet. Je nachdem, wie groß der Schwarzmarkt eingeschätzt wird, könnten regulatorische Maßnahmen verschärft oder gelockert werden.
Ein weiterer Kritikpunkt des DOCV betrifft die wirtschaftlichen Auswirkungen der Regulierung. Strenge Einsatzlimits, Werbebeschränkungen und technische Vorgaben würden die Attraktivität legaler Angebote verringern und damit unbeabsichtigt den Schwarzmarkt stärken.
Langfristig könnte der Streit zwischen Verband und Behörde zu Anpassungen im regulatorischen Rahmen führen. Klar ist bereits jetzt: Die Frage nach der tatsächlichen Größe des Schwarzmarkts bleibt ein zentraler Konfliktpunkt im deutschen Glücksspielmarkt; mit direkten Auswirkungen auf Anbieter, Spieler und Politik.

