• Mehrheit der US-Bürger sieht Prognosemärkte als Glücksspiel und nicht als Investment.
• Über 60 Prozent ordnen Plattformen wie Polymarket dem Glücksspiel zu.
• Die Ergebnisse könnten den politischen Druck auf Regulierung deutlich erhöhen.
Prognosemärkte sind Glücksspiel – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung des American Institute for Behavioral Markets (AIBM) gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Ipsos. Die Studie liefert ein deutliches Stimmungsbild aus den USA und zeigt, dass ein Großteil der Bevölkerung Prognosemärkte nicht als seriöse Finanzinstrumente betrachtet, sondern sie aufgrund ihrer Funktionsweise klar dem Glücksspiel zuordnet.
Laut den erhobenen Daten sehen 62 Prozent der Befragten Prognosemärkte eher als Glücksspiel denn als Investition. Lediglich 18 Prozent stufen sie primär als Anlageform ein, während ein kleinerer Anteil unentschieden bleibt. Diese Zahlen sind bemerkenswert, da Betreiber solcher Plattformen häufig betonen, dass ihre Angebote auf Wahrscheinlichkeitsmodellen und Informationsverarbeitung basieren – und damit eher in Richtung Finanzmärkte als Glücksspiel tendieren.
Andrew Kline, Mitautor der Studie, bringt das Ergebnis auf den Punkt:
„Die Mehrheit der Amerikaner betrachtet Prognosemärkte klar als Glücksspiel und nicht als Investition.“
Auch beim Vertrauen zeigt sich ein kritisches Bild. Nur etwa ein Fünftel der Befragten (rund 20 Prozent) gab an, ein hohes Vertrauen in Prognosemärkte zu haben. Gleichzeitig äußerten viele Teilnehmer Bedenken hinsichtlich mangelnder Regulierung und potenzieller Risiken für Nutzer. Besonders die einfache Zugänglichkeit über digitale Plattformen wird dabei als problematisch gesehen.
Einfach erklärt: Wie funktionieren Prognosemärkte?
Ein weiterer zentraler Punkt der Umfrage betrifft die Regulierung. Mehr als 70 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, Prognosemärkte strenger zu regulieren – insbesondere dann, wenn sie sich auf politische Ereignisse wie den Iran-Krieg oder gesellschaftlich sensible Themen beziehen. Damit signalisiert die Studie eine klare Erwartungshaltung an Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden.
Politische Folgen und wachsende Skepsis
Die Ergebnisse der Umfrage könnten weitreichende Konsequenzen für die regulatorische Einordnung von Prognosemärkten haben. Denn ob ein Angebot als Glücksspiel oder als Finanzprodukt gilt, entscheidet maßgeblich darüber, welche Gesetze zur Anwendung kommen. Glücksspiel unterliegt in den USA deutlich strengeren Vorgaben – etwa bei Alterskontrollen, Verbraucherschutz und Werbung.
Hinzu kommt, dass die Wahrnehmung der Bevölkerung zunehmend mit politischen Debatten zusammenfällt. In den vergangenen Monaten wurden Prognosemärkte verstärkt kritisch diskutiert, insbesondere im Zusammenhang mit Wetten auf politische Ereignisse. Die aktuelle Umfrage könnte diese Diskussion weiter anheizen und als Argumentationsgrundlage für strengere Eingriffe dienen.
Prognosemärkte funktionieren ähnlich wie Börsen: Nutzer kaufen Anteile an möglichen Ereignissen, deren Preise Wahrscheinlichkeiten widerspiegeln. Kritiker sehen darin jedoch ein klassisches Wettmodell mit finanziellen Risiken. Befürworter argumentieren hingegen, dass die kollektive Einschätzung vieler Nutzer zu präziseren Prognosen führen kann.
Für Anbieter ergibt sich daraus ein Spannungsfeld. Einerseits wächst das Interesse an Prognosemärkten weltweit, andererseits steigt der regulatorische Druck. Sollte sich die Wahrnehmung als Glücksspiel weiter verfestigen, könnten strengere Regeln oder sogar Verbote folgen – insbesondere in Märkten mit ohnehin restriktiver Glücksspielpolitik.
Die Umfrage zeigt damit nicht nur ein Meinungsbild, sondern auch eine mögliche Entwicklungslinie: Prognosemärkte bewegen sich in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend weg vom Finanzprodukt und hin zum Glücksspiel. Für die Zukunft dieses noch jungen Marktes dürfte genau diese Einordnung problematisch sein.

