• Schwarzmarkt soll 25 bis 50 Prozent des Glücksspielmarktes ausmachen.
• Unterzeichner fordern eine Reform, die legale Anbieter stärkt.
• Bündnis warnt vor Folgen des illegalen Glücksspielmarktes.
LOTTO Hessen hat gemeinsam mit drei großen hessischen Dachorganisationen einen politischen Appell für ein konsequenteres Vorgehen gegen illegales Glücksspiel unterzeichnet. Unter dem Titel „Gemeinsam für Hessens Gemeinwohl“ wenden sich die Initiatoren an die Politik. Sie fordern, die anstehende Reform der deutschen Glücksspielregulierung zu nutzen, um legale Angebote zu stärken und nicht genehmigte Plattformen wirksamer zurückzudrängen. Die Unterzeichnung fand am 3. November 2026 in Wiesbaden statt.
Neben LOTTO Hessen gehören der Landessportbund Hessen, die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen und der Hessische Jugendring zu den Initiatoren. Unterstützt wird das Bündnis von rund 20 weiteren Organisationen aus Sport, Kultur und Sozialwesen. Dazu zählen unter anderem Eintracht Frankfurt, das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, das Rheingau Musik Festival und die Sportstiftung Hessen. Die Initiative ist offen für weitere Unterstützer aus anderen Bundesländern.
Im Mittelpunkt steht das sogenannte Lotto-Prinzip: Ein Teil der Spieleinsätze staatlicher Lotterien fließt in gemeinnützige Zwecke. Bei LOTTO Hessen gehen nach eigenen Angaben rund 20 Prozent jedes Spieleinsatzes unmittelbar in die Förderung von Sport, Kultur, Sozialem, Jugendarbeit sowie Denkmal- und Umweltschutz. Weitere 16 Prozent entfallen auf die Lotteriesteuer. Zusammen sind das rund 36 Prozent des Spieleinsatzes. Seit der Gründung im Jahr 1949 hat das Unternehmen auf diesem Weg mehr als sechs Milliarden Euro für gesellschaftliche Zwecke bereitgestellt.
Martin J. Blach, Sprecher der Geschäftsführung von LOTTO Hessen, erklärt:
„Diese Schwarzmarktangebote kassieren den Spieleinsatz, geben aber nichts zurück: keine Steuern, keinen Jugend- und Verbraucherschutz, keine Gemeinwohlfinanzierung.“
Die Initiatoren sehen deshalb nicht nur die staatliche Lotteriegesellschaft unter Druck. Auch gemeinnützige Einrichtungen könnten langfristig wichtige Finanzierungsquellen verlieren, wenn illegale Anbieter Marktanteile gewinnen.
Seit 1949 hat LOTTO Hessen nach eigenen Angaben mehr als sechs Milliarden Euro für das Gemeinwohl bereitgestellt. Von jedem Euro Spieleinsatz gehen rund 20 Cent direkt an gemeinnützige Zwecke; weitere 16 Cent entfallen auf die Lotteriesteuer. Zu den Begünstigten gehören unter anderem die rund 7.300 Sportvereine in Hessen, soziale Einrichtungen, Kulturprojekte und Initiativen der Jugendarbeit. Die Mittel unterstützen beispielsweise Sportstätten, Bildungsangebote und ehrenamtliche Arbeit.
Die Gefahr durch illegale Angebote beziffern die Unterzeichner auf einen Anteil von 25 bis 50 Prozent am Glücksspielmarkt. Besonders problematisch sei die Entwicklung im Internet, wo Verbraucher mit wenigen Klicks auf Plattformen ohne deutsche Glücksspielerlaubnis gelangen könnten. Diese Anbieter unterlägen nicht denselben Vorgaben zu Jugend- und Spielerschutz und beteiligten sich nach Darstellung des Bündnisses auch nicht an der Finanzierung öffentlicher Aufgaben. Die genannte Spanne ist eine Schätzung und keine präzise Messung eines einzelnen Glücksspielsegments.
Fünf Forderungen an die Politik
Mit Blick auf die Überarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags formuliert das Bündnis fünf zentrale Forderungen. Die Evaluation des geltenden Vertrags ist bis Ende 2026 vorgesehen, eine mögliche Novellierung wird ab 2028 erwartet. Die Initiatoren sehen darin eine Gelegenheit, die Regulierung stärker an der tatsächlichen Nachfrage auszurichten und die Finanzierung gemeinnütziger Projekte abzusichern.
An erster Stelle steht die sogenannte Kanalisierung: Glücksspielinteressierte sollen möglichst zu legalen und kontrollierten Angeboten gelenkt werden. Dieses Ziel müsse im kommenden Glücksspielstaatsvertrag oberste Priorität erhalten. Nur wenn legale Anbieter erreichbar und attraktiv seien, könnten Schutzvorgaben tatsächlich greifen.
Zweitens verlangen die Unterzeichner einen konsequenteren Vollzug gegen illegale Anbieter, insbesondere im Internet. Drittens sollen angemessene Werbemöglichkeiten und moderne Vertriebswege dafür sorgen, dass lizenzierte Unternehmen ihre Angebote besser bekannt machen können. Viertens fordert das Bündnis weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungsverfahren. Legale Anbieter dürften nicht durch langwierige Zulassungsprozesse ausgebremst werden, während illegale Plattformen rasch online gingen.
Die fünfte Forderung betrifft die Glücksspielforschung. Künftige politische Entscheidungen sollten stärker auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und messbaren Daten beruhen. Die Initiatoren sprechen sich deshalb für eine intensivere, interdisziplinäre Forschung aus, die sowohl das Spielverhalten als auch die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen untersucht.
Juliane Kuhlmann, Präsidentin des Landessportbunds Hessen, betont:
„Das Lotto-Prinzip ist für den organisierten Sport ganz entscheidend. Es sorgt für verlässliche Strukturen, von denen unsere 7.300 Sportvereine auf vielfältige Weise profitieren, etwa durch die Förderung vereinseigener Sportstätten, kostengünstige Bildungsangebote oder die Förderung von Übungsleitenden.“
Auch die soziale Infrastruktur und die Jugendarbeit seien auf verlässliche Finanzierungsquellen angewiesen. Der Hessische Jugendring verweist besonders auf die Risiken für junge Menschen. Sein Vorsitzender Mario Machalett betont, dass Spielerschutz und gesetzliche Pflichten bei illegalen Angeboten nicht gewährleistet seien. Verbote allein reichten deshalb nicht aus. Vielmehr müssten legale Anbieter gestärkt werden, damit sie Nachfrage erreichen und zugleich zur Finanzierung von Jugendarbeit und außerschulischer Bildung beitragen könnten.
Das Bündnis positioniert sich damit in der bundesweiten Debatte über die künftige Glücksspielregulierung. Es geht den Unterzeichnern nicht allein um die Interessen staatlicher Lotterien, sondern um die Verbindung von legalem Glücksspiel, Verbraucherschutz und gemeinnütziger Finanzierung. Ob ihre Forderungen Eingang in die nächste Reform des Glücksspielstaatsvertrags finden, ist noch offen. Die Initiative will den Appell deshalb über Hessen hinaus bekannt machen und weitere gesellschaftliche Akteure für das Lotto-Prinzip gewinnen.

