• NBA macht Prognosemärkte mit Kalshi und Polymarket zu offiziellen Partnern.
• Vereinbarung mit der US-Aufsicht CFTC für mehr Informationsaustausch und Integrität.
• Einschränkungen für bestimmte Märkte sollen Manipulation und Belästigung von Spielern erschweren.
Die US-amerikanische Basketballliga NBA hat am 26. Oktober 2026 eine umfassende Kooperation mit den Prognosemärkten Kalshi und Polymarket bekannt gegeben. Beide Unternehmen werden als „Preferred Prediction Market Exchanges“ der Liga geführt und erhalten damit einen offiziellen Partnerstatus. Zugleich vereinbarte die NBA mit der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) eine engere Zusammenarbeit, um verdächtige Handelsaktivitäten zu untersuchen und die Integrität des Basketballs zu schützen. Die Vereinbarungen kommen in der ersten Woche der Saison 2026/27 zustande, der insgesamt 82. Spielzeit der NBA.
Für Kalshi und Polymarket bringt die Partnerschaft konkrete kommerzielle Vorteile: Beide dürfen NBA-Marken und geistiges Eigentum der Liga nutzen, erhalten Marketing- und Werbemöglichkeiten in den USA und bekommen offizielle Daten über Sportradar, den Datenvertriebspartner der NBA. Diese Informationen können sie zur Abwicklung und Abrechnung autorisierter Prognosemärkte einsetzen. Finanzielle Einzelheiten und der genaue Wert der Vereinbarungen wurden nicht veröffentlicht.
Der offizielle Status geht über eine reine Werbepartnerschaft hinaus. Die NBA erhält Einfluss darauf, welche vertragsbasierten Prognosemärkte zu ihren Spielen angeboten werden dürfen. Die Plattformen wiederum profitieren von offiziellen Daten, Markenrechten und Promotions in den USA. Dazu kommen verbindliche Vorgaben zur Zusammenarbeit bei Verdachtsfällen und Einschränkungen für bestimmte Handelsangebote. Die finanziellen Konditionen der mehrjährigen Partnerschaften wurden nicht veröffentlicht. Die Vereinbarungen machen die beiden Plattformen zu bevorzugten Partnern der Liga, bedeuten aber keine allgemeine Freigabe sämtlicher denkbarer NBA-Prognosemärkte.
Die Liga verfolgt dabei einen doppelten Ansatz: Sie erschließt neue Möglichkeiten, Fans einzubinden, will gleichzeitig aber verhindern, dass Prognosemärkte zu einer Gefahr für Spieler, Teams oder den fairen Wettbewerb werden. Die neuen Partnerschaften sehen deshalb Beschränkungen für erlaubte Märkte, ein Verbot entsprechender Handelsgeschäfte für Liga- und Teammitarbeiter sowie Pflichten zum Informationsaustausch bei Verdachtsfällen vor.
Schutz vor Insiderhandel und manipulationsanfälligen Märkten
Die Zusammenarbeit mit der CFTC soll einen direkteren Austausch über Vorfälle ermöglichen, die die Integrität von Basketball und damit verbundenen Prognosemärkten gefährden könnten. Das Memorandum of Understanding (MOU) wurde von CFTC-Vorsitzendem Michael Selig und NBA-Commissioner Adam Silver unterzeichnet. Es sieht Gespräche, Informationsaustausch und Kooperation bei gemeinsamen Anliegen vor. Allerdings ist das Dokument laut Medienberichten nicht rechtsverbindlich: Es verpflichtet keine der beiden Seiten dazu, Informationen zu erstellen oder in jedem Fall weiterzugeben. Ein Austausch erfolgt nach Maßgabe der jeweiligen Partei.
Scott Kaufman-Ross, Leiter für Medienvertrieb und Partnerschaften der NBA, erklärt:
„Der Schutz der Integrität des Spiels hat für uns oberste Priorität.“
Er betonte, dass die Liga mit Aufsichtsbehörden und Anbietern zusammenarbeiten wolle, um angemessene Schutzmaßnahmen zu etablieren. Die Partnerschaften seien ein wichtiger Schritt, um einen Rahmen zu schaffen, der neue Möglichkeiten zur Einbindung der Fans eröffnet.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Märkten, die für Manipulationen oder Belästigungen von Spielern anfällig sein können. Dazu gehören bestimmte individuelle Spielerwetten, etwa auf Leistungen einzelner Athleten oder Verletzungen. Bereits vor Beginn der Saison hatte die NBA ihren traditionellen Sportwettenpartnern Beschränkungen auferlegt. Dazu zählten unter anderem Märkte auf den Gewinner des Sprungballs zu Spielbeginn, bestimmte einzelne Würfe sowie Unter-Wetten auf Spieler, von denen erwartet wird, dass sie weniger als zwölf Minuten eingesetzt werden. Vergleichbare Einschränkungen sollen auch für die neuen Prognosemarktpartner gelten.
Die Liga steht nach mehreren Glücksspielaffären unter Druck. 2024 erhielt der frühere Toronto-Raptors-Spieler Jontay Porter eine lebenslange Sperre wegen glücksspielbezogener Verstöße. Weitere NBA-Akteure gerieten in juristische Schwierigkeiten, darunter Terry Rozier und Malik Beasley. Zudem wurden im Vorjahr im Rahmen bundesweiter Ermittlungen zu illegalem Glücksspiel mehr als 30 Personen festgenommen. Die NBA will verhindern, dass vertrauliche Informationen, manipulierte Spielereignisse oder besonders kleinteilige Märkte neue Missbrauchsmöglichkeiten eröffnen. Die Kooperation mit Plattformen und Aufsicht soll helfen, verdächtige Aktivitäten früher zu erkennen.
Auch die bestehende Zusammenarbeit mit DraftKings wird erweitert. Das Unternehmen darf künftig ebenfalls Prognosemärkte in die Partnerschaft mit der NBA einbeziehen und diese landesweit bewerben. Die Liga kündigte an, in den kommenden Wochen weitere Vereinbarungen mit bestehenden Sportwettenpartnern und anderen Unternehmen prüfen beziehungsweise bekannt geben zu wollen. Alle autorisierten Partner sollen zusätzliche Integritätsauflagen erfüllen, die sich an den aktuellen Beschränkungen der NBA orientieren.
Einordnung: Wachsende Branche, ungeklärte Regulierung
Mit dem Schritt reiht sich die NBA in eine Entwicklung ein, die andere nordamerikanische Sportligen bereits vorangetrieben haben. Die National Hockey League (NHL) vereinbarte im Oktober 2025 eine Zusammenarbeit mit Kalshi und Polymarket; die Major League Soccer (MLS) schloss im Januar 2026 eine Partnerschaft mit Polymarket. Auch die Major League Baseball (MLB) arbeitet mit Prognosemarkt-Anbietern zusammen. Die National Football League (NFL) bleibt unter den großen nordamerikanischen Ligen vorerst die Ausnahme und unterstützt eine Überprüfung der Zuständigkeit für sportbezogene Prognoseverträge durch den US Supreme Court.
Die regulatorische Grundsatzfrage ist damit nicht gelöst. Die CFTC betrachtet Prognosemärkte als Handelsplätze für Finanzinstrumente und beansprucht eine bundesweite Aufsicht. Mehrere US-Bundesstaaten widersprechen dieser Sichtweise: Sie sehen in sportbezogenen Verträgen Glücksspielangebote, die unter ihre strengeren einzelstaatlichen Regeln fallen sollten. Entsprechende Klagen gegen den Zuständigkeitsanspruch der CFTC sind anhängig. Das NBA-Abkommen schafft zwar einen direkten Kommunikationskanal, ersetzt aber keine abschließende rechtliche Klärung.
Für die NBA bedeutet die Kooperation somit einen strategischen Kompromiss. Die Liga öffnet sich einem wachsenden Markt und erhält zugleich neue Möglichkeiten, die angebotenen Verträge zu begrenzen und verdächtige Handelsaktivitäten zu untersuchen. Ob die Vereinbarungen tatsächlich ausreichen, um Insiderhandel und Manipulation zu verhindern, wird sich erst in der Praxis zeigen. Klar ist bereits: Prognosemärkte werden für den US-Sport zu einem zunehmend wichtigen Thema, wirtschaftlich, regulatorisch und mit Blick auf den Schutz der sportlichen Integrität.

