StartRecht & BusinessSpielerschutzAustralien will Influencer-Werbung für Glücksspiel verbieten

Australien will Influencer-Werbung für Glücksspiel verbieten

• Influencer-Glücksspielwerbung steht in Australien vor dem Aus.
• Die Regierung plant deutlich strengere Werberegeln für Wettanbieter.
• Vor allem Kinder und junge Erwachsene sollen besser geschützt werden.


Australien arbeitet an einer weiteren Verschärfung seiner Glücksspielgesetze. Nach einem neuen Gesetzentwurf der Regierung sollen Influencer künftig keine Werbung mehr für Sportwetten oder andere Online-Glücksspielangebote machen dürfen.

Die Pläne sind Teil eines umfassenden Reformpakets, das die Sichtbarkeit von Glücksspielwerbung deutlich reduzieren soll. Neben Social Media stehen dabei auch Fernsehen, Radio und Streaming-Plattformen im Fokus.

Teil der kommenden Werbebeschränkungen

Die Regierung knüpft damit an ihre bereits im Frühjahr angekündigten Werbebeschränkungen an. Danach sollen zwischen 6:00 Uhr und 20:30 Uhr im Fernsehen höchstens drei Glücksspielspots pro Stunde ausgestrahlt werden. Zudem werden Glücksspielanzeigen in Sportstätten verboten, ebenso Werbung auf Spieler- und Schiedsrichterkleidung. Das nun geplante Influencer-Verbot soll verhindern, dass Wettanbieter insbesondere über Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube junge Zielgruppen erreichen.

Auslöser der neuen Initiative ist unter anderem die Sorge, dass bezahlte Beiträge von Influencern häufig wie persönliche Empfehlungen wirken und dadurch eine deutlich größere Wirkung entfalten als klassische Werbung. Nach Ansicht mehrerer Abgeordneter reichen die bisherigen Einschränkungen deshalb nicht aus, um Minderjährige wirksam zu schützen.

Influencer geraten weltweit ins Visier der Glücksspielaufsicht
Nicht nur Australien verschärft den Umgang mit Glücksspielwerbung in sozialen Netzwerken. In Großbritannien wurden bereits mehrfach Influencer wegen Werbung für nicht lizenzierte Glücksspielangebote verwarnt. Die niederländische Glücksspielbehörde geht regelmäßig gegen Social-Media-Persönlichkeiten vor, die illegale Anbieter bewerben. Auch in Spanien, den Niederlanden und der Türkei verfolgen die Behörden Influencer strafrechtlich, wenn sie unerlaubte Wettplattformen oder Online-Casinos über ihre Kanäle vermarkten. Internationale Regulierer sehen Social Media inzwischen als einen der wichtigsten Verbreitungswege für illegale Glücksspielwerbung.

Die Debatte um Glücksspielwerbung beschäftigt Australien bereits seit mehreren Jahren. Grundlage der aktuellen Reformen ist der Murphy Report aus dem Jahr 2023, der insgesamt 31 Empfehlungen zur Eindämmung von Glücksspielwerbung formulierte. Zahlreiche Abgeordnete kritisieren jedoch, dass die Regierung bislang nicht alle Vorschläge umgesetzt habe. Besonders ein vollständiges Werbeverbot für Online-Glücksspiel wird weiterhin diskutiert.

Politik fordert umfassendere Reformen

Befürworter der Reform argumentieren, dass Influencer-Werbung eine Lücke im bisherigen System darstelle. Während klassische Fernsehwerbung zunehmend reguliert werde, könnten Wettanbieter ihre Botschaften über bekannte Persönlichkeiten weiterhin gezielt an junge Nutzer verbreiten.

Mike Freelander, Abgeordneter der australischen Labor Party, warnt:

„Glücksspielwerbung ist ein Problem der öffentlichen Gesundheit. Wir müssen alles tun, um Kinder und gefährdete Menschen besser davor zu schützen.“

Auch Vertreter der Opposition unterstützen strengere Regeln. Sie fordern unter anderem, dass Nutzer Glücksspielwerbung auf Streaming-Plattformen aktiv freischalten müssten, anstatt sie nachträglich deaktivieren zu können. Zudem verlangen sie schärfere Vorgaben für soziale Netzwerke, um personalisierte Glücksspielwerbung einzudämmen.

Schutz junger Menschen im Mittelpunkt

Die Regierung begründet die Reform vor allem mit dem Schutz Minderjähriger. Influencer genießen insbesondere bei Jugendlichen großes Vertrauen und erreichen über soziale Netzwerke Millionen Follower. Dadurch könnten Glücksspielangebote als normaler Bestandteil des Alltags erscheinen, was Gesundheitsexperten seit Jahren kritisieren.

Die Glücksspielbranche lehnt ein vollständiges Werbeverbot hingegen ab. Vertreter der Industrie warnen davor, dass legale Anbieter ihre Kunden dann kaum noch erreichen könnten und illegale Plattformen profitieren würden. Die Regierung hält dagegen, dass legale Glücksspielangebote weiterhin existieren könnten – allerdings mit deutlich strengeren Regeln für deren Vermarktung.

Sollte das Glücksspielgesetz verabschiedet werden, wäre Australien eines der ersten Länder weltweit, das Influencer-Werbung für Glücksspiel ausdrücklich untersagt. Beobachter erwarten, dass andere Staaten die Entwicklung aufmerksam verfolgen werden. Angesichts der wachsenden Bedeutung sozialer Medien könnte das australische Modell zum Vorbild für weitere Regulierungsmaßnahmen werden.

Fest steht bereits jetzt: Der Kampf gegen Glücksspielwerbung verlagert sich zunehmend von klassischen Medien in die digitale Welt. Mit dem geplanten Verbot von Influencer-Kampagnen will Australien genau dort ansetzen, wo insbesondere junge Menschen täglich mit Werbeinhalten in Kontakt kommen.

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