• Prognosemärkte in den USA wachsen rasant und erreichen Milliardenvolumen.
• Kalshi zählt inzwischen zu den größten Akteuren im digitalen Wettmarkt.
• Besonders Staaten ohne legale Online-Sportwetten treiben den Trend an.
Der US-Sportwettenmarkt erlebt derzeit eine Entwicklung, die selbst Branchenkenner überrascht. Prognosemärkte, also Handelsplattformen für Ereigniswetten, wachsen mit enormer Geschwindigkeit und erreichen inzwischen eine Größenordnung, die für klassische Online-Sportwettenanbieter zunehmend relevant wird.
Im März 2026 lag das mit dem US-Sportwettenmarkt vergleichbare Handelsvolumen laut Studien bei Prognosemärkten bereits bei rund zwei Milliarden US-Dollar. Das entspricht etwa elf Prozent des geschätzten gesamten Online-Sportwettenumsatzes in den Vereinigten Staaten. Dies ist ein bemerkenswerter Wert für einen Markt, der noch vor wenigen Jahren eher als Spezialsegment galt.
Besonders stark profitiert davon Kalshi. Die Plattform entwickelt sich immer mehr zu einer großen Sportwettenbörse und belegt inzwischen Platz vier unter den US-Anbietern, gemessen am bereinigten Umsatz pro erwachsenem Einwohner. Damit rückt das Unternehmen gefährlich nah an etablierte Branchengrößen heran. Anders als traditionelle Buchmacher setzt Kalshi allerdings auf ein Modell, das stärker an Börsenhandel erinnert: Im Gegensatz zu klassisch ermittelten Wettquoten handeln Nutzer dort mit Wahrscheinlichkeiten für Sportereignisse.
Für 2026 rechnen Analysten mit einem historischen Rekordjahr im US-Sportwettenmarkt. Der gesamte Wettumsatz könnte im Jahresverlauf deutlich über 180 Milliarden US-Dollar liegen. Vor allem mobile Angebote treiben das Wachstum weiter an. Großereignisse wie der Super Bowl oder die Fußball-WM 2026 dürften die Nachfrage zusätzlich massiv erhöhen.
Die Dynamik zeigt, wie stark sich der amerikanische Wettmarkt verändert. Prognosemärkte wirken auf viele Nutzer moderner und flexibler als klassische Wettanbieter. Gerade jüngere Zielgruppen fühlen sich von den Trading-ähnlichen Oberflächen und schnellen Marktbewegungen angezogen.
Boom in Staaten ohne legale Online-Sportwetten
Interessant ist vor allem, woher die Nachfrage kommt. Die Aktivitäten auf den Prognosemärkten konzentrieren sich laut Analyse besonders stark auf Bundesstaaten ohne regulierte Online-Sportwetten. Laut Glücksspielverband AGA ist das aktuell bei rund zwei Drittel der insgesamt von ihnen erwirtschafteten Einsätze der Fall. Dazu zählen unter anderem Staaten wie Texas, Kalifornien, Georgia oder South Carolina.
Vor allem Kalifornien und Texas spielen dabei eine enorme Rolle. Allein diese beiden Bundesstaaten sollen für rund 43 Prozent der Aktivitäten im ersten Quartal 2026 verantwortlich gewesen sein. Das überrascht kaum: Beide Märkte gelten seit Jahren als schlafende Giganten der US-Wettindustrie. Da reguläre Online-Sportwetten dort weiterhin verboten oder politisch blockiert sind, nutzen viele Interessierte offenbar Prognosemärkte als alternative Möglichkeit, auf Sportereignisse zu spekulieren.
Momentan gehen Marktbeobachter davon aus, dass Prognosemärkte die bestehenden Wettanbieter bislang nicht direkt verdrängen. Stattdessen erweitern sie offenbar das gesamte Spekulationsbudget vieler Nutzer. Menschen, die vorher möglicherweise gar keine klassischen Sportwetten platziert haben, steigen nun über Prognosemärkte in das Segment ein.
Branchenbeobachter rechnen trotzdem mit einem Machtkampf um die Zukunft des digitalen Wettens in den USA. Sollten Prognosemärkte weiter so stark wachsen, könnten sie die bisherigen Strukturen des Sportwettenmarkts nachhaltig verändern. Für traditionelle Anbieter wird es dann immer schwieriger, die neuen Plattformen lediglich als Nischenprodukt abzutun.

